Beiträge von Medizin-Controller1

    Hallo RA Berbuir,


    danke für Ihren Beitrag aus juristischer Sicht. Ich werde das bei unserer Landesärztekammer mal anfragen.


    Was ich allerdings nicht verstehe: Wieso dient die Aussage, dass der Hausarzt pflichtwidrig die notwendige vertragsärztliche Diagnostik nicht ausgeschöpft hat und das Wegschicken des Patienten dem Wohl des Patienten.
    Es ist doch eher umgekehrt. Die Diagnostik u./o. Therapie wird dadurch weiter verzögert. Vielleicht ist die Diagnose in dem vom BSG entschiedenen Fall nicht gerade ein gutes Bsp.
    Was ist aber, wenn z. B. der Hausarzt einen Patienten wegen seit über einer Woche bestehenden Oberbauchschmerzen ins Krankenhaus einweist. Normalerweise würden wir da Abdomensonographie und Gastroskopie machen, das Ulcus ventriculi feststellen und den Patienten mit PPI-Medikation heimschicken. Vorstationäre Behandlung und Abrechnung. Weiterbehandlung dann durch Hausarzt.


    Nach BSG-Urteil müssten wir den Patienten jetzt mit dem Hinweis, dass sein Hausarzt pflichtwidrig gehandelt hat, an den Hausarzt zurückschicken, weil ambulant noch keine Sonographie gemacht worden ist und auch die Gastroskopie ist prinzipiell ja bei niedergelassenen Gastroenterologen möglich. Bis der Patient dort einen Termin hat, das dauert.
    Wie ausgeprägt ein Ulcus ventriculi ist, lässt sich an Hand der Schmerzstärke nicht zuverlässig beurteilen. Auch Patienten mit ausgeprägten Befunden haben manchmal "nur" leichte Schmerzen.


    Wie sieht denn aber im gerade konstruierten, praxisnahen Fall die Sache juristisch aus, wenn der Patient zwischen Wegschicken durch das Krankenhaus und Termin beim Gastroenterologen eine Blutung aus dem Ulcus ventriculi erleidet, zum Notfall wird mit allen daraus eventuell entstehenden Komplikationen, z. B. Aspiration von erbrochenem Blut, Sturz wegen Hypotonie durch die Blutung, Transfusionspflicht etc.
    Ich bezweifle, dass das Krankenhaus, dass den Patienten mit Verweis auf das BSG-Urteil weggeschickt hat, hier aus der Haftung raus wäre.
    Eher würde doch die Kasse den MDK beauftragen mit der Frage, ob durch frühzeitigere Behandlung die Komplikationen nicht zu verhindern gewesen wäre, was der MDK hier zu Recht bejahen würde. Die Kasse würde doch mit Sicherheit versuchen, sich die Kosten für die Behandlung bei Komplikationen vom Krankenhaus, das den Patienten weggeschickt hat, zurückzuholen.
    Außerdem könnte der Patient hier mit guten Erfolgsaussichten selbst klagen.


    Noch eine Frage: Betrifft der § 73 Abs. 4 SGB V nicht eher das Verhältnis des niedergelassenen Arztes zur Kassenärztlicher Vereinigung. Ich meine, geht es hier nicht eher darum, dass der Hausarzt von KV o. Kasse wegen unzulässiger Verordnung von Krankenhausbehandlung belangt werden kann.


    Ich bin mal gespannt, was mir die Ärztekammer antwortet.


    Viele Grüße


    MC1

    Hallo ins Forum,


    ich sehe die Sache eigentlich noch viel kritischer.
    In der (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte der Bundesärztekammer gibt es den § 29, der in allen Berufsordnungen der Landesärztekammern umgesetzt wurde.
    Hier steht im Absatz (1) u. a. "Unsachliche Kritik an der Behandlungsweise oder dem beruflichen Wissen einer Ärztin oder eines Arztes sowie herabsetzende Äußerungen sind berufswidrig." und im Absatz (4) " In Gegenwart von Patientinnen und Patienten oder anderen Personen sind Beanstandungen der ärztlichen Tätigkeit und zurechtweisende Belehrungen zu unterlassen. "


    Wenn ich als Arzt also in Umsetzung des BSG-Urteils die Behandlung des Patienten ablehne, hat das im Fall von gesundheitlichen Spätfolgen nicht nur haftungsrechtliche Konsequenzen.
    Wenn ich den Patienten zurück zum Vertragsarzt schicke und ihm das nach BSG-Urteil damit begründe, dass sein Hausarzt pflichtwidrig die notwendige vertragsärztliche Diagnostik nicht ausgeschöpft hat, verstoße ich gegen die ärztliche Berufsordnung.
    Das BSG-Urteil könnte damit für den Arzt, der es umsetzt, die Einleitung eines berufsrechtliche Verfahrens bedeuten.
    Ist das vom BSG nun schon fahrlässige Aufforderung zum Rechtsverstoß? Ich bin kein Jurist. Aber vielleicht sollten sich die Bundesärztekammer und die Landesärztekammern des Sachverhaltes mal annehmen.
    Wir können uns als Ärzte doch, auch wenn es das BSG ist, nicht alles gefallen lassen.


    Viele Grüße


    MC1

    Hallo in die Runde,


    dieses BSG-Urteil betrifft einen Fall aus 2008 und ist (leider) damit auch auf Fälle der Jahre 2009-2013 anwendbar.


    In die FPV 2014 hat der Gesetzgeber in den § 3 einen zusätzlichen Absatz (5) aufgenommen:


    " Abschläge nach den Absätzen 1 bis 3 sind nur dann vorzunehmen, insofern beide an der Verlegung beteiligten Krankenhäuser dem Geltungsbereich des Krankenhausfinanzierungsgesetzes unterliegen. Hiervon abweichend sind bei Leistungen, für die eine schriftliche Kooperationsvereinbarung zwischen den Krankenhäusern besteht, Abschläge nach Absatz 1 bis 3 vorzunehmen."


    Da ein ausländisches Krankenhaus weder dem Geltungsbereich des Krankenhausfinanzierungsgesetzes unterliegt noch ein Kooperationsvertrag bestehen dürfte, ist bei Fällen ab 2014 auch kein Verlegungsabschlag wegen Unterschreitung der mVWD bei Verlegung von/ in ein ausländisches Krankenhaus zu bilden.


    Viele Grüße


    MC1

    Hallo Forumsmitglieder,


    neben dem G-AEP-Kriterium bzw. unabhängig davon, gibt es die sozialen Kriterien, die der Bundesverband für Ambulantes Operieren e. V. (www.operieren.de) veröffentlicht hat. Der Bundesverband ist die Interessenvertretung der ambulanten Operateure, d. h. derjenigen die Interesse an einer ambulanten Op haben.


    Trotzdem steht hier unter sozialen Kriterien:


    "Der Verband Ambulantes Operieren hat dazu Leitlinien für ambulantes Operieren bzw. Tageschirurgie entwickelt. Demnach sind folgende Kriterien zu beachten:
    ...sowie verantwortliche Person zur Überwachung der ersten 24 Stunden nach dem Eingriff anwesend. Kann ein Patient nicht gewährleisten, dass er die ersten 24 Stunden nicht allein zu Hause ist, so ist der Patient nicht für eine ambulante Operation geeignet.
    In den ersten 24 Stunden sollte die Person, die diese Betreuung durchführt, in der Lage sein, die Instruktionen zu verstehen und physisch und mental in der Lage sein, Entscheidungen zum Wohle des Patienten, wenn notwendig, zu treffen."


    Damit ist auch klar, dass nicht der demente Partner die Betreuung übernehmen kann.


    Trotzdem haben wir die gleichen Probleme mit den Kassen/ MDK.


    Ich bin mir auch nicht sicher, ob es rechtens ist, dass der MDK das G-AEP-Kriterium grundsätzlich nicht bewertet und auf die Kassen verweist. Die haftungsrechtliche Verantwortung dafür, dass die Betreuung gesichert ist u. eben auch wenn etwas schief geht, trägt der Operateur. Da das so ist, kann sich meiner Meinung noch der MDK nicht von diesem G-AEP-Kriterium enthalten, denn schließlich ist der Gutachter Arzt.


    Auch wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass man in Gesprächen mit den Kassen eine Lösung finden kann, die Mitarbeiter rufen manchmal den Versicherten an, ob er wirklich allein zu Hause war. Ist mir aber egal, dann bekommt der Pat. wenigstens mit, dass durch die Krankenkassen alles angezweifelt wird.
    Leider ist dieses Gespräch nicht bei allen Kassen möglich. Man hat den Eindruck, dass die Mitarbeiter dort die Order von "oben" haben, das abzulehnen.
    Dies trifft übrigens auch auf die privaten Krankenkassen zu


    MfG


    MC1

    Hallo,


    bestand denn eine isolierte Trikuspidalklappeninsuff.? Meistens liegen doch kombinierte Vitien verschiedenen Schweregrades vor.
    Hier hätten Sie ev. eine Chance auf Anerkennung der Kodierung. Wenn die Aufnahme nicht speziell zur kardiologischen Diagnostik erfolgte und der Aufnahmearzt ein Herzgeräusch dokumentiert hat, dann können Sie den MDK mit seinen eigenen Waffen schlagen.
    In der MDK-Kodierempfehlung Nr. 137 steht: "Anders kann sich dies darstellen, wenn das Echokardiogramm gezielt bei einem vorher erhobenen klinischen Befund (typischerweise neu entdecktes Herzgeräusch und damit gezielte Indikation zur Echokardiografie) durchgeführt wird. Hier ist eine eindeutige Dokumentation aber zwingend notwendig. Auch die medizinisch indizierte echokardiografische Verlaufskontrolle eines bereits bekannten Befundes ist als Aufwand im Sinne der Nebendiagnosendefinition zu werten."


    Viele Grüße


    MC1

    Hallo,


    wie haben das gleiche Problem.
    Medizinisch gebe ich Ihnen in allen 3 Punkten Recht.


    Das Problem ist aber, dass der MDK bei gutem Verlauf genau so argumentiert, wie von Ihnen beschrieben und zusätzlich noch behauptet, dass die RH-Kontrolle poststationär erfolgen kann.
    Entlassen Sie die Pat. am 1. postop. Tag und es gibt Komplikationen, würde der MDK argumentieren, dass Sie gemäß a)b)c) verpflichtet gewesen wären, die Pat. länger zu behandeln.


    Die Vorgehensweise ist eben möglich, weil der MDK
    a) haftungsrechtlich auch für falsche Gutachten nie belangt werden kann
    b) keine Fürsorgepflicht für Pat. hat und deshalb in Gutachten auch nur noch von \"Versicherten\" spricht
    und es den Kassen
    c) schon lange nicht mehr um Qualität, sondern nur um billig geht


    Solange die UGVD nicht abgeschafft wird, dürfte das ein Dauerproblem bleiben.


    Zum medizinischen Sachverhalt kann vielleicht ein Urogynäkologe hier im Forum einen Hinweis geben (ist nicht mein Fachgebiet).


    Viele Grüße


    MC1

    Hallo Tracy,
    Hallo Herr Blaschke
    Hallo Forum,


    A08.1 würde ich auch kodieren, wenn die Pat. schon damit kommt. Schließlich wurde er ja deswegen bzw. der daraus folgenden Exsikkose eingewiesen. Sie sollten sich dann aber eine Kopie des Laborbefundes vom Hausarzt besorgen für spätere MDK-Prüfungen, sonst werden sie auf die Änderung in A09 gedrängt.
    Außerdem würde ich zusätzlich noch die Z29.0 angeben. Ändert zwar nichts an der DRG, aber hilft vielleicht bei späteren Diskussionen mit dem MDK über Verweildauer. Schließlich können Sie den Pat. erst frühestens 48 h nach Sistieren der Symptomatik aus der Isolation entlassen. Mit Verweis auf die RKI-Richtlinien habe ich in so einem Fall beim MDK einen Fall durchbekommen, der die obere Grenzverweildauer überschritten hatte. Der Pat. hatte halt Pech und hat sich die Infektion erst am Ende des Aufenthaltes zugezogen. Keine Reha-Klinik o. Pflegeheim nimmt Ihnen den Pat. unter 48 h ab.


    Viele Grüße und schönes WE


    MC

    Hallo liebes Forum,


    habe über die Suchfunktion keinen ähnlichen Fall gefunden.


    1. Fall DRG H64Z vom 29.04. (23:48 Uhr)-30.04.08
    2. Fall DRG H08B vom 28.05. (9:39 Uhr)-01.06.08


    Eine Komplikation führte nicht zur Wiederaufnahme.
    Somit kommt hier nur die Regel mit den 30 Kalendertagen zum tragen.
    Der 28.05. ist genau der 30. Tag.


    Jetzt meine Frage: Fallzusammenführung ja oder nein.


    Mein KIS weigert sich kategorisch die Fallzusammenführung zu erzeugen. Die Kasse fordert Wiederaufnahme.
    Ich hätte eigentlich auch gedacht, dass hier eine Fallzusammenführung nötig ist. Da unser KIS hier eigentlich noch nie versagt hat, kommen mir jedoch Zweifel.
    Andererseits liegt die Aufnahme des 1. Falles so kurz vor Mitternacht, hat das KIS da fälschlicherweise den 29.04. nicht mitgezählt?


    Ist der 30. Kalendertag noch innerhalb von 30 d oder ist mit \"innerhalb\" im § 2 FPV nur Tag 1-29 gemeint?
    Für Ihre Meinungen bin ich sehr dankbar.


    Viele Grüße


    MC

    Hallo Herr Horndasch,


    mit der Kostenübernahme für Pflegehilfsmittel haben wir kein Problem. Das kann bei Ihnen natürlich anders sein.
    Hätten wir das Problem, würden wir bei der Kasse Druck machen und eine spätere Verweildauerkürzung durch den MDK nicht akzeptieren.
    Nach Meinung von Frau Dr. Busley dürften Sie dann aber die reichen Rentner bzw. Angehörigen ohne Gewissensbisse zur Vorkasse bitten.
    Sie sollten dann aber wissen, dass die Kasse die Kostenüberhanme ganz ablehnen kann, wenn das Produkt gekauft worden ist, bevor die Kostenzusage da war.
    Einige Discounter bieten neuerdings Rollstühle, Rollator, Toilettensitzerhöhung etc. an. Offensichtlich gibt es dafür einen Markt, weil die Genehmigung entsprechender Hilfmittel auch im ambulanten Bereich zu lange dauert und die Angehörigen dann zur wohl billigeren Alternative zum Sanitätsgeschäft greifen.


    Hallo Einsparungsprinz,


    Sie haben natürlich Recht, was den § 112 betrifft und auch den § 70. Bei letzerem habe ich mir den Hinweis auf den Abs. 1 gespart, da in dieser Diskussion nur das Handeln der Kostenträger in Bezug auf den Abs. 2 relevant ist. Aber auch der von Ihnen angeführte § 70 Abs. 1 Satz 2 SGB V ist eindeutig. Hier ist von ausreichend, zweckmäßig und das Maß des Notwendigen nicht überschreitend die Rede. Für die in diesem Thema diskutierten Fälle der Versorgung nach Entlassung aus dem Akutkrankenhaus treffen diese Attribute aber alle zu!


    Viele Grüße


    MC