Beiträge von Nagel

    Sehr geehrte Herren,


    vielen Dank für die lebhafte Diskussion (an der ich leider nur lesend teilnehmen konnte, weil ich aus dem Urlaub meine login-Daten nicht griffbereit hatte). Ich fühle mich zunächst einmal bestätigt in der Feststellung, dass der Sachverhalt nicht wirklich eindeutig ist.

    Erschwerend kommt rückblickend der stationäre Ablauf dazu: tatsächlich erfolgte die stationäre Aufnahme in SSW36+6 aufgrund von einem Gewichtsverlust von 2,5kg in 1-1,5 Wochen, begleitet von allgemeiner Schwäche und Inappetenz. Auch wenn keinerlei Wehentätigkeit vorlag und trotz SSW 36 wurde die Patientin leider administrativ als "zur Entbindung" aufgenommen. Ebenfalls "leider" wurde der Verlauf der Schwangerschaft mit Wehenbelastungstest und schließlich Einleitung der Geburt 4 Tage später stark in den Vordergrund gestellt, trotz des auffälligen Leberbefundes im Oberbauch-Sono. Erst nach Entbindung wurde die weitere Diagnostik und letztendlich operative Versorgung vorangetrieben. In der Gesamtschau muss man dennoch sagen, die Tumorerkrankung hat nicht die "Schwangerschaft kompliziert", weil trotz der angegebenen Aufnahmesituation zunächst die mehr oder weniger natürliche Entbindung angestrebt wurde und die Schwangerschaft zum "regulären" Ende gebracht wurde; deshalb würde ich tatsächlich nicht einen O-Code sondern C-Code für den Tumor wählen.

    Bzgl. der Hauptdiagnose bin ich mittlerweile, nach mehrfachem Durchlesen der Dokumentation, etwas ernüchtert. Für mich, der ich aus der Inneren Medizin komme, würde der Sono-Befund die ganze Situation ändern; die Gynäkologen haben den Befund aber eher nur "zur Kenntnis genommen" und sich weiter auschießlich um die Schwangerschaft gekümmert. D.h. rückblickend habe ich zwardiese spezifische Aufnahmesituation, aber es sieht so aus, als hätten die Gynäkologen diese nicht als solche erkannt, sondern nur eine frühzeitige Aufnahme vor/zur Entbindung durchgeführt.


    Herzliche Grüße aus Südhessen

    L. Nagel

    Guten Morgen,


    ich suche heute Rat zur Kodierung in einem ziemlich tragischen Fall:


    Eine schwangere Frau kommt kurz vor dem Entbindungstermin (37. SSW) in unsere Klinik mit Schwäche, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Bei Aufnahme bestehen keine Wehen und keine Hinweise auf eine beginnende Geburtsphase. Dennoch wird sie zunächst gynäkologisch aufgenommen. Entbindung schließlich nach Einleitung (!) 4 Tage später. Im Sono in der ersten Tagen finden sich metastasenverdächtige RF in der Leber, die weitere Diagnostik wird aber erst nach der Entbindung vorangetrieben. Hier zeigt sich dann ein lokal fortgeschrittener und metastasierter Tumor des Kolon transversum. Die Patientin wird direkt im gleichen Aufenthalt chirurgisch operativ versorgt und die weitere Chemo initialisiert.


    Nun stellt sich die Frage nach der Hauptdiagnose bzw. der Handhabung der Diagnosen (ob mit oder ohne "O-Codes"): Die junge Frau kam ja primär nicht zur Geburt, sondern wegen der B-Symptomatik, somit könnte ja das Karzinom als HD gewählt werden (zumal bei Gleichzeitigkeit dann der höhere Aufwand auch dem Karzinom zuzurechnen wäre). Für das Karzinom jedoch ist nun zu entscheiden, ob ich die C18.4 als HD nehmen kann, oder unbedingt eine O-Diagnose erforderlich ist. Die Beispiele in der DKR 1510 sind hier wenig hilfreich; welche Krankheit in der Schwangerschaft ist hier nicht komplizierend? Auch im Abschnitt "Schwangerschaft als Nebenbefund" könnte man sagen, dass eine Fraktur durchaus die Situation der Schwangerschaft kompliziert, warum sind die Einschränkungen hier nicht vorhanden, aber bei einem Asthma dagegen schon? Und kann eine Schwangerschaft ein "Nebenbefund" sein, wenn letztlich doch eine Entbindung stattfindet?

    Worauf ich hinaus will: die Wahl einer O-Diagnose als HD führt in die O02A, eine im Vergleich schlecht bewertete Entbindungs-DRG, während die C18.4 in die G02B führt, was den med. Sachverhalt ja "eigentlich" adäquat abbildet - 2,078 vs. 3,383 RG in diesem Fall.

    Ich bin z.Zt. etwas ratlos, wer kann mir hier helfen?


    Herzliche Grüße aus Südhessen!

    Hallo,


    Ihre Frage ist zwar schon eine Zeit lang her, aber da das Thema sicherlich einige Kollegen betrifft, kurz eine (vielleicht etwas "platte") Antwort:
    Kommunikation ist alles!
    Die sehr, sehr allgemein gehaltene Gestaltung der Datenlieferung für WBE-Anträge lässt einem unheimlich viel "gestalterischen" Freiraum, der Ärztekammer aber auch viel Freiraum zu einer negativen Bewertung. Mein Tipp: In den Ärztekammern gibt es meist nur ein oder zwei Personen, die die WBE-Anträge betreuen, sprechen Sie mit diesen und fragen nach, wie Sie welche Formulierung zu verstehen haben. Auch den Mitarbeitern der Ärztekammer ist es angenehm, einen Kontakt für Rückfragen zu haben, zumal sicher hier und dort Personen mit dieser Aufgabe befasst sind, die ein eher eingeschränktes Verständnis für medizinische Zusammenhänge haben (aber dennoch bemüht sind, alles korrekt zu machen).


    Herzlichen Gruß
    Lars Nagel

    Guten Morgen,


    ich habe bislang über die Suchfunktion keine vergleichbare Anfrage finden können, was mich etwas verwundert: Bei uns (hessisches KH) werden in letzter Zeit alle DRG-Rechnungen mit einer Geriatrischen Komplexbehandlung von einer großen Krankenkasse in Bayern (!) abgewiesen, mit folgender Begründung:
    "Wir bitten um Erfüllung Ihrer Informationsobliegenheit nach § 301 Abs. 1 S. 1 Nr. 8 SGB V (u. a. Angaben über die im Krankenhaus durchgeführten Leistungen zur medizinischen Rehabilitation). Wir verweisen diesbezüglich auf die HKG- Mitteilung Nr. 097/2015 sowie auf die BSG-Entscheidungen vom 14.10.2014 (Az. B 1 KR 25/13 R und B 1 KR 26/13 R). Die Zahlungs- und Prüffrist beginnt erst nach Zugang der entsprechenden Angaben. Eine Übermittlung in Papierform ist selbstverständlich möglich. Gerne auch per Fax: 0xxx/ xxxxxxx"
    Alle Diskussionen sind bislang zwecklos. Leider existiert im Anhang A (zum Schlüssel 2) zu Anlage 2 des §301 tatsächlich eine umfangreiche Schlüsselsammlung für "rehabilitative" Leistungen. Der Informationsgewinn geht für die Krankenkasse sicherlich gegen Null; unser Hinweis, dass der OPS-Code 8-550.- gerade eine zusammenfassende Darstellung nicht nur von Anzahl und Art der Leistungen, sondern zudem auch noch der Strukturvoraussetzungen ist, und dass sie sich doch bitte bei der hessischen Schwesterkasse die Ergebnisse der regelmäßig erfolgten MDK-"Strukturprüfungen" besorgen sollen, führt nicht weiter, die Kasse besteht auf diese Angaben. Der Hinweis, eine solche Übermittlung sei für die Geriatrie im Rahmen des DTA nach §301 sicherlich nicht intendiert, da nur max. 10 Datenfelder für die Therapien zur Übermittlung bereitstehen, wird mit der lapidaren Aussage gekontert, wir könnten die Angaben ja auch in Papierform übermitteln.
    Da wir im Grenzgebiet zu Bayern liegen und eine geriatrische Fachabteilung haben, würde dies einen erheblichen Aufwand bedeuten. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und wie geht er/sie damit um?


    Herzliche Grüße aus Südhessen


    edit: Im Anhang habe ich einmal diese sinnvollen (?) §301 Schlüssel dargestellt.

    Hurra, wir haben es ja bereits geahnt:
    Auszug Terminbericht zum 10.3.2015 (vollständig hier)


    2) Die Revision der beklagten Krankenkasse ist iS der Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht erfolgreich gewesen. Die klagende Krankenhausträgerin hat korrespondierend mit dem Behandlungsanspruch der Versicherten einen Vergütungsanspruch gegen die Klägerin nur für eine erforderliche, wirtschaftliche Krankenhausbehandlung. Das Wirtschaftlichkeitsgebot gilt für alle Leistungsbereiche des SGB V. Behandelt ein Krankenhaus einen Versicherten unwirtschaftlich, hat es lediglich Anspruch auf die Vergütung, die bei fiktivem wirtschaftlichem Alternativverhalten anfiele. Kam bei gleicher Eignung neben zwei getrennten Krankenhausaufenthalten auch die Behandlung innerhalb eines einzigen, und sei es auch länger dauernden Behandlungszeitraums in Betracht, musste die Klägerin die kostengünstigere Behandlung wählen, ggf also die Gesamtbehandlung innerhalb eines einzigen, nach DRG J23Z zu vergütenden Behandlungszeitraums. Ob dies der Fall war und ggf welche Vergütung für eine fiktive wirtschaftliche Behandlung zu zahlen wäre, kann der Senat mangels ausreichender Feststellungen des LSG nicht beurteilen.

    SG Hamburg - S 35 1194/09 -
    LSG Hamburg - L 1 KR 21/11 -
    Bundessozialgericht - B 1 KR 3/15 R -


    Jetzt brauchen wir alle ein fallbegleitend kodierendes Case-Management, dass während der Visite alle Eventualitäten abklärt und die entsprechend kostengünstigste Behandlungsart "anordnet" (natürlich ohne Eingriff in die Arztwahl-Freiheit des Patienten und Therapiefreiheit des Arztes, versteht sich...)

    Hallo Luna,


    ich würde hier KEINEN weiteren Versuch wagen (und z.B. auf einen anderen Gutachter bestehen, denn wenn man so etwas als KH einfordern muss, wird der zweite Gutachter erst recht das Vorgutachten bestätigen) und den Fall zur Klage geben, die Kasse dürfte ja sicherlich bereits verrechnet haben...
    Ein klareres Argument für die elektiv stationäre Durchführung eines Kat. 1 Eingriffs sehe ich nicht (zumal mit den von Ihnen angegebenen Vorerkrankungen).


    Herzlichen Gruß und viel Erfolg!
    L. Nagel

    Hallo,
    ob die genaue Beatmungsform verpflichtend dem MDK plausibel gemacht werden muss, ist m.E. nirgendwo "verbindlich" vorgeschrieben (mit "verbindlich" schließe ich die Kodierempfehlungen ausdrücklich aus). Es sollte jedoch nachvollziehbar sein, dass tatsächlich BiPAP angewandt wurde, hierzu müssten schon ein paar Parameter dokumentiert sein. Analog reicht es ja auch nicht aus, wenn in der Pflegedokumentation vermerkt ist, dass bei einem Patienten eine Hemikolektomie durchgeführt wurde, diese aber nicht in einem OP-Bericht nachvollziehbar dokumentiert wurde. Natürlich lässt sich über Ausführlichkeit einer Dokumentation zur Plausibilisierung und Nachvollziehbarkeit trefflich streiten, bei einer solch invasiven Behandlung wie einer Beatmung sollte eine genauere Angabe als lediglich "BiPAP" schon aus haftungsrechtlichen Gründen erfolgen; die Plausibilisierung bzw. Beweispflicht einer "Beatmung gemäß DKR" gegenüber Krankenkasse/MDK liegt, wie alle gleich gelagerten Fragestellungen, beim Krankenhaus. Auch mir würde die bloße Angabe "BiPAP" nicht ausreichen, wenn ich diese Beatmungsform nicht nachvollziehen kann.
    Gruß
    L. Nagel

    Auch unsere Anwälte vertreten die Auffassung, dass das SG vermutlich immer eher an der Sachaufklärung als an formalen Fehlern interessiert ist


    Schon traurig, gerade wo die SG doch alle ausnahmslos überlastet sind...
    Jetzt gibt es endlich einmal eindeutige Regelungen, die ein Verfahren vor dem SG eigentlich schnell zum Abschluß bringen könnten, und dann macht man ohne Not ein Faß auf X(

    Guten Morgen,


    die Logik von ET.gkv bzgl. des Absolutheitsanspruches des Alphabetischen Verzeichnisses kann ich nicht teilen. Lt. DIMDI ist das Alph. Verzeichnis eine Zusammenstellung verschiedener Begriffssammlungen, wo auch ungenaue und/oder veraltete Bezeichnungen aufgeführt sind. Es gilt: "Grundsätzlich sollten Verschlüsselungen, die dem Alphabet entnommen wurden, anhand von Systematik und Regelwerk überprüft werden." Das Alph. Verzeichnis ist eine eben gerade nicht abschließende Sammlung von Diagnosebegriffen, wobei gerade die ungenauen, näher bezeichneten etc. Codes nicht aufgeführt sind.
    Eine zwingende Logik, was nicht im Alph. Verzeichnis steht, gibt es nicht - so etwas trifft nicht zu.


    Zudem muss ich sagen, dass ich beinem Blick in das Alph. Verzeichnis durchaus weitere virale Septitiden finde: so sind hier "Sepsis bei Krankheit, durch HIV", "... durch Aspergillus", "...Candidas" etc. aufgeführt. Auch dieses Argument zieht nicht.


    B00.7 bietet aber eine mögliche Lösung des Dilemmas: Im syst. Verzeichnis findet sich für die A41.- das Exklusivum B00.7, allerdings lediglich aus dem Grund, weil für den Code B00.7 explizit "Sepsis durch Herpesviren" angegeben ist, nicht weil die Sepsis generell nicht für virale Infektionen gelten soll. Die Tatsache, dass bei der B00.7 die Begriffe Sepsis und Viren gemeinsam genannt werden, sollte die Kodierung eines medizinisch nachvollziehbaren Krankheitsbildes entweder mit A41.8 + B97.8! und R65.0! (da ja offensichtlich infektiöses Geschehen) ermöglichen.


    Herzlichen Gruß
    L. Nagel

    Guten Tag,


    der komplett bioresorbierbare Koronarstent (z.B. Absorb(R) der Fa. Abbott) ist ein mögliches NUB-Entgelt, steht aber gleichzeitig auch in der ZE-Gruppe ZE101.-. Wenn Sie diesen sog. Scaffold extra vergütet bekommen möchten, so muss (nach erfolgtem NUB-Antrag beim InEK), dieses mit den Kostenträgern verhandelt werden. Ob Sie dann in der Folge ein ZE101.- und das NUB-Entgelt oder nur das das NUB-Entgelt abrechnen, liegt an Ihrem Verhandlungsergebnis und zuvor Ihrer Kalkulation. In den meisten hessischen Häusern ist m.E. ein Abrechnungsausschluss für das ZE101.- vereinbart worden.


    Mit freundlichem Gruß
    L. Nagel

    Hallo Frau Tuschke,


    nach Ihrer Schilderung hört es sich ganz danach an, dass die NIV als reguläres Beatmungsverfahren gewählt wurde und zwar in dem Sinne, wie die DKR angibt, "wenn diese an Stelle der bisher üblichen Intubation" erfolgt. Achten Sie aber auch darauf, zu Beginn der "durchgehenden" NIV den Code 8-706 anzugeben, das wäre dann sozusagen Ihr Startpunkt an Stelle der Intubation.


    Herzlichen Gruß
    L. Nagel