Beiträge von E. Rah.

    Hallo Kodiere_nosill,


    die Entscheidung ist in der Tat im psychiatrischen Bereich besonders schwierig.

    Ich würde auch nicht in Richtung der zugrunde liegende Erkrankung argumentieren, das ist psychiatrisch ja häufig gar nicht so leicht festzustellen.

    In der Definition der HD (PD002a) geht ja um die "Veranlassung des Aufnahme". Wenn bereits in der Aufnahmesituation klar war, dass sowohl die F10.2 als auch die F60.31 vorliegt und behandelt wird, ist bei "konkurrierende Diagnosen" tatsächlich diejenige mit dem höheren Ressourcenverbrauch als HD kodierbar. Wenn die Symptomatik und Behandlungsbedürftigkeit der F60.31 auch so (möglichst am Aufnahmetag) dokumentiert ist, spräche einiges für die F60.31 als HD. Ich würde den Aufwand auch nicht erst in einer DBT sehen, sondern ggf. auch schon während des Entzuges durch stimmungsstabilisierende Gespräche/Maßnahmen.


    Wenn allerdings - so wie sie es beschreiben - der Patient "erstmal" zur QE kam und erst später innerhalb des Aufenthaltes ein spezifischer Aufwand für eine F60.31 notwendig wird, dann wäre aus meiner Sicht die F10.2 die Veranlassung der Aufnahme und damit die HD.



    Ich freue mich auch über gegenteilige Einschätzungen, da wir auch immer wieder vor ähnlichen Fragen stehen.


    Schöne Grüße

    Vielen Dank Herr Horndasch und Herr Schaffert für die schnelle, fundierte und wirklich nachvollziehbare Antwort.

    Es ist wirklich sehr hilfreich, Sie als Fachleute als Ansprechpartner im Forum zu haben.


    Freundliche Grüße

    Hallo zusammen,


    ich hänge mich nochmal an dieses Thema an, es ist zwar eine neue Fragestellung, hat aber viel mit dem bisher gesagten zu tun:


    Es geht um die Frage ob, und wenn ja, wann überhaupt im PEPP System ein G30.x+/F00.x* als Hauptdiagnose kodiert werden kann.

    Wir haben das bisher so gehandhabt, wenn beim Patient die Alzheimer Demenz mit ihren verhaltensbezogenen Folgen krankenhausbehandlungsbedürftig wurden, und dies natürlich Veranlassung des Aufenthaltes war und kein Delir im engen Sinne vorlag.


    Das Gegenargument lautet, dass wir zwar die Folgesymptomatik spezifisch behandelt haben, aber da die Stern-Diagnose F00.x nicht alleine stehen kann, wir die G30.x als Kreuz-Diagnose kodieren müssen und somit zur Hauptdiagnose machen.

    Für diese läge aber kein spezifischer Aufwand vor. Deshalb sei eine F07.8 Hauptdiagnose. Gegen diese Argumentation spricht für mich, dass so spezifisch wie möglich zu kodieren ist, und bei F07.8 es sich "allgemein" um Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen bei aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns handelt ohne den Zusammenhang mit einer demenziellen Entwicklung.


    Kodiertechnisch gesprochen: Muss bei der Kodierung von Kreuz-Stern Diagnosen neben dem Aufwand für Stern-Diagnose auch ein Aufwand für die Kreuz-Diagnose vorliegen?

    Falls ja, dürften wir G30.x nur dann kodieren, wenn die G30.x im stationären Aufenthalt neu gestellt wird und damit durch die Diagnostik Aufwand verursacht hat?


    Wie wird das gesehen und welche Erfahrungen gibt es?


    Vielen Dank und freundliche Grüße


    E. Rah.

    Hallo zusammen,


    ich möchte mal kurz die Aufmerksamkeit auf einen ähnlichen Code, diesmal aber aus dem psychiatrischen (§17d) Bereich lenken.
    Möglicherweise hat man die "Formulierungsschwächen" beim Code 8-985ff erkannt und bei dem Code "9-647 Spezifische qualifizierte Entzugsbehandlung Abhängigkeitskranker bei Erwachsenen" folgende Formulierung gewählt:



    "...Mindestmerkmale (für den stationären Gesamtaufenthalt zu erbringende Maßnahmen):

    • Ggf. somatischer Entzug
    • Therapiezielorientierte Behandlung durch ein multidisziplinär zusammengesetztes Behandlungsteam mit mindestens 3 Berufsgruppen (z. B. Ärzte, Psychologische Psychotherapeuten oder Suchttherapeuten, Sozialpädagogen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Pflegefachpersonen)
    • Differenzierte somatische und psychiatrische Befunderhebung mit Diagnostik und Behandlung von Folge- und Begleiterkrankungen
    • Information und Aufklärung über Abhängigkeitserkrankungen, Förderung von Veränderungsbereitschaft, soziale Stabilisierung, Motivierung zur problemspezifischen Weiterbehandlung
    • Standardisiertes suchtmedizinisches und soziales Assessment
    • Ressourcen- und lösungsorientiertes Therapiemanagement unter Einsatz differenzierter Therapieelemente patientenbezogen in Kombination von Gruppen- und Einzeltherapie: z. B. psychoedukative Informationsgruppen, medizinische Informationsgruppen, themenzentrierte Einzel- und Gruppentherapie, Ergotherapie, Krankengymnastik/Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren
    • Ggf. Angehörigeninformation und -beratung
    • Information über externe Selbsthilfegruppen, ggf. Informationsveranstaltungen von Einrichtungen des Suchthilfesystems
    • Ggf. Eingliederung des Patienten in das bestehende regionale Suchthilfesystem"

    Durch das Wort "Ggf." ist der Code auch dann kodierbar, wenn der Patient diese Eingliederung nicht wünscht.


    Mit freundlichen Grüßen

    Hallo,


    genau das müsste man diskutieren. Es steht nämlich nicht da, dass sich "vollkommen" auf die Zeit, hier also die gesamten 24h bezieht.
    Man kann das auf die Tätigkeit, also "vollkommene" Übernahme beziehen, in dem Sinne, dass der Patient nicht selbst tätig sein konnte.
    Systematisch kann man auch argumentieren, dass bei anderen Intensivmerkmalen der Zustand auch nicht über die gesamten 24 Stunden
    vorhanden sein muss, um das Merkmal zu kodieren.


    Viele Grüße

    Hallo Kodier-Assi,


    ein Unterschied besteht darin, dass ersterer im Häusern mit Geltungsbereich §17b und zweiterer in Häusern mit Geltungsbereich §17d KHG Anwendung findet.


    Freundliche Grüße

    Hallo DRGLÜ,



    Unter F05.1 ist der Hinweis zu finden:


    "Diese Kodierung soll für Krankheitsbilder verwendet werden, die die oben erwähnten Kriterien erfüllen, sich aber im Verlauf einer Demenz entwickeln (F00-F03)."


    Das bedeutet nach meinem Verständnis, es werden alle Fälle, in denen eine Demenzdiagnose vorliegt und ein die Kriterien für ein Delir erfüllender Zustand vorliegt, das Delir kodiert.


    Insgesamt gibt es einen weiteren Hinweis unter F06.


    "Exkl. In Verbindung mit Demenz, wie unter F00-F03..."








    D.h. unabhängig davon, ob die Halluzination Begleiterscheinung des Morbus Parkinson ist, soll bei jeglicher vorliegenden Demenz (F00-F03) kein F06 Code kodiert werden.


    Bitte um Aufklärung wenn ich mich auf dem Holzweg mit meiner Argumentation bewege.


    Beste Grüße


    E. Rah.

    Hallo zusammen,


    da ich vor Jahren den Thread eröffnet habe, melde ich mich auch mal wieder.


    Ich würde tatsächlich auch F05.1 + G30.1 *F01 kodieren, allerdings aus einem anderen Grund.


    Die F06 umfasst ja auch "Folgen von primär zerebralen Erkrankungen" und man könnte ja hier argumentieren, dass es sich ja bei Demenz um eine primär zerebrale Erkrankung handelt und hier also auch damit ein wahnhafte Störung F06.3 vorläge.


    Allerdings gibt es auch den Grundsatz, so spezifisch wie möglich zu kodieren. Das ist für mich die F05.1 + G30.1 *F01., weil ich hiermit den direkten Zusammenhang mit der Demenz innerhalb der F05.1 darstelle und nicht mit "irgendeiner" primär oder sekundär zerebralen Erkrankung wie bei einer F06.


    So verstehe ich auch im ICD 10 den Info Text bei F05.-


    "Ein ätiologisch unspezifisches hirnorganisches Syndrom, das charakterisiert ist durch gleichzeitig bestehende Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses, der Psychomotorik, der Emotionalität und des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Dauer ist sehr unterschiedlich und der Schweregrad reicht von leicht bis zu sehr schwer"


    bzw. F05.1: "Diese Kodierung soll für Krankheitsbilder verwendet werden, die die oben erwähnten Kriterien erfüllen, sich aber im Verlauf einer Demenz entwickeln (F00-F03)."


    Leider wenig sonnige Grüße

    Hallo Herr Fischer,


    vielen Dank, dass Sie einen Austausch anregen.
    Wir versuchen auch die Intensivkriterien anhand praktischer Alltagssituationen auf der Station zu erklären. Wir sind allerdings nicht ganz so sehr in die Details gegangen, sondern haben uns recht allgemein auf die Formulierung geeinigt:


    Zusätzlich zum Wortlaut des OPS Textes muss der Zustand des Patienten zusätzliche spezifische Maßnahmen/Handlungen/Hilfestellungen notwendig machen, damit Intensivkriterien zutreffen.


    Das mündet in der Praxis tatsächlich ungefähr in die Kriterien, die Sie so gut detailliert zu jedem einzelnen Merkmal beschrieben haben.
    Ausnahme hierbei ist das Merkmal "besondere Sicherungsmassnahmen", bei dem wir nach wie vor in der Findungsphase sind: Bisher sollte daneben eben auch noch ein weiterer Aufwand erkennbar sein ( intensivierte Beziehungsarbeit). Im OPS 2016 ist dies nicht mehr zu finden, stattdessen ist die ärztliche Anordnung ergänzt. Wir diskutieren gerade, ob für dieses Merkmal jetzt alleinige ärztliche Anordnung reicht, also weiterer Aufwand nicht dokumentiert sein muss.


    Insgesamt haben festgestellt,dass es doch recht große Unterschiede zwischen den Häusern gibt wie "streng" und damit wie häufig bzw. selten Intensivkriterien vergeben werden. Wir zählen uns da eher zu den Häusern mit "engen" Kriterien, d.h. es sollen damit wirklich nur Patienten eingegrenzt werden, die deutlich mehr Behandlungsressourcen benötigen.


    Freundliche Grüße

    Hallo Herr Gohr,


    auf ihre Frage an mich: theoretisch haben Sie selbstverständlich recht.


    Die Praxis sieht jedoch ungefähr so aus:
    Sicherlich wird Funktionsniveau und Hilfebedarf festgestellt und die Planung bei uns gemacht, jedoch nicht in der Systematik, wie es in dem Kode beschrieben wird. Die Planung läuft z.B. in Behandlungsplanungen, Visiten etc. und die Dokumentation dieser Planung dazu entsprechend "verstreut", die Überprüfung findet quasi permanent statt und bei nicht umzusetzenden Plänen neue Lösungen gesucht. 1-3 Tage vor Entlassung wird nichts mehr überprüft, da dann im Prinzip schon alles stattgefunden haben muss. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass dieser Kode praxisfern formuliert ist und der Aufwand Prozess und Doku so umszustellen, dass er zum Kode passt, uns nicht angmessen erscheint.


    Ich hoffe es ist jetzt etwas verständlicher, was gemeint war...


    Schöne Grüße

    Hallo Kai,


    ich hätte gerne Ihre Fragen beantwortet, aber wie Sie schon richtig vermuten, "haben wir keinen komplexen Entlassaufwand". Das heißt bei uns, dass wir diesen faktisch schon haben, jedoch aufgrund der unklaren Formulierung (siehe Diagnostik des Funktionsniveaus) und unpraktikablen Mindestmerkmalen ("Überprüfung des Entlassunsplanes 1-3 Tage...") dies nicht als kodierbaren OPS umsetzen.


    Viele Grüße