akute oder chron. Phase? bei Guillain-Barré-Syndrom

  • Guten Tag,


    in nachfolgendem Sachverhalt bitte ich um Ihre Sichtweisen:


    75 jähriger Patient mit in kürzester Zeit aufgetretener schlaffer Tetraparese.
    Die Abklärung ergab Guillain-Barré-Syndrom.


    Nach erfolgter Therapie (Immunglobulingabe, Plasmapherese,etc.) wird Patient 4 1/2 Wochen später ohne wesentliche neurologische Befundänderung in die Frühreha verlegt.
    Eine Beatmung war nicht notwendig. Kodiert wurde G61.0 ( Guillain-Barré-Syndrom) mit der Tetra als akut (G82.30) = DRG B61Z.


    5 Wochen später wird Pat. wegen akuter Verschlechterung der Atmung bei nachgewiesener beidseitiger Pneumonie von der REHA zu uns zurückverlegt. Eine intermittierende Beatmung war jetzt erforderlich.


    Außerdem traten weitere Komplikationen seitens des autonomen Nervensystems (z.B. Schrittmacherimplantation bei Herzrhythmusstörung).
    Die schlaffe Tetraparese bestand unverändert fort. Im verlauf verstirbt der Patient an den Folgen seiner Grunderkrankung.


    Frage:
    Wie ist die schlaffe Tetraparese im 2. Aufenthalt unter Berücksichtigung der DKR 1910d zu kodieren?
    Von uns wurde jetzt die Tetra als chronisch angesehen und auch so kodiert mit G82.32.
    Bei erfolgter Beatmung ergab sich eine Beatmungs-DRG.


    Die Kasse wünscht eine akute Tetra, damit keine Beatmungs-DRG entsteht!
    Eine MDK-Überprüfung ist bereits anberaumt!


    Bin nun sehr gespannt auf Ihre Antworten/Sichweisen


    Danke!
    luzzi


    Anmerkung:
    Sie haben die Frage schon in einem anderen Board unter anderer Überschrift gestellt. Da dies nicht sinvoll ist, habe ich den anderen Thread gelöscht.

    Selter

  • Guten Tag Frau Luzzi,
    eine glasklare definitorische Abgrenzung werden Sie nicht finden. Beim GBS ist auch nach > 9-wöchigem Verlauf eine spätere (und weitgehend vollständige) Rückbildung der Parese möglich, so dass ich mich hier mit der Kodierung einer \"chronischen\" Lähmung nicht so recht anfreunden könnte. Die DKR 1910 befasst sich zwar mit Rückenmarksverletzungen, liefert aber einen Hinweis der aus meiner Sicht beim GBS analog gilt: \"Die chronische Phase betrifft Patienten ... die zur Behandlung von anderen Erkrankungen aufgenommen werden, die mit ihrem Zustand in Zusammenhang stehen können oder nicht\". Fazit: ich würde hier die akute Parese kodieren.
    Viele Grüße!

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



    I'd rather have a full bottle in front of me than a full frontal lobotomy

  • Hallo,


    der Fall ist nach DKR 0603 wie eine Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese (Akutphase) zu verschlüsseln: \"Die „akute“ Phase einer nichttraumatischen Paraplegie/Tetraplegie umfasst Erstaufnahmen wegen eines nicht traumatisch bedingten Funktionsausfalls, wie zum Beispiel bei Myelitis transversa oder bei Rückenmarkinfarkt.
    Es kann sich auch um eine konservativ oder operativ behandelte Erkrankung handeln, die sich in Remission befand, sich jedoch verschlechtert hat und jetzt die gleiche Behandlungsintensität erfordert wie bei Patienten, die das erste Mal nach einem Trauma aufgenommen wurden.\"


    Gruß aus Bad Wildungen


    B. Domurath