Ergänzung zu den DRG-Entgelten

  • Hallo NG,


    aus der Vorläufigen Stellungnahme der DKG zum DRG-EinfG vom 27. Juli 2001 entstammt folgende Aufzählung (S.16):


    Regelung für die Schaffung einer gesonderten Vergütungsmöglichkeit in Ergänzung zu den DRG-Entgelten


    - Geriatrie
    - neurologische Frührehabilitation (Phase B)
    - Strahlentherapie
    - Chemotherapie
    - Palliativmedizin
    - Akutrheumatologie
    - Tuberkulosebehandlung in Lungenfachkliniken
    - spezielle Formen der Epilepsiebehandlung
    - technische Orthopädie
    - Implantation von Kunstherzen
    - bettenführende Nuklearmedizin


    Was soll das? Warum wird hier bewußt das DRG-System verlassen, bevor man es überhaupt definiert hat? Was spricht dagegen, für alle die genannten Fälle eine DRG medizinisch zu definieren und betriebswirtschaftlich zu kalkulieren?


    Kann mir da jemand helfen? Ich versteh`s nicht.


    Dazu nur 4 Beispiele, die ich schon mal selbst bearbeitet habe.


    1. Zur Geriatrie: Wie offenbar nur Eingeweihte wissen, gibt es zu einer ganzen Reihe von DRGs einen Alterssplit (B66A/B, C60A/B, E66A/B/C, E69A/B/C, E74A/B/C, E75A/B/C, F21A/B, G04A/B/C, G61A/B, H61A/B/C, I08B/C, I13B/C, I64A/B, I65A/B, I66A/B, I68A/B, I69A/B/C, I71A/B/C, I72A/B, I73A/B/C, I74A/B/C, I75A/B/C, I76A/B/C, J60A/B, J62A/B/C, J64A/B, J65A/B, K62B/C, L60B/C, L63A/B/C, N11A/B, Q62A/B, T61A/B, T63A/B, U63A/B, X04A/B, X60A/B/C, X62A/B, X64A/B, Y02A/B, Y62A/B, Z64A/B) und ansonsten werden auch alte Menschen mit ihren Erkrankungen, wie man sieht, in die vorhandenen MDCs einsortiert.


    Für die nicht Eingeweihten sei hier noch einmal betont, dass bei allen o. g. DRGs *allein das Alter* zur Zuweisung eines wesentlich höheren Kostengewichts führt, womit das Thema Geriatrie hoffentlich erschöpfend behandelt wäre.


    2. Zur neurologische Frührehabilitation (Phase B): Entweder die Reha ist Teil einer Phase A+B-Pauschale und muß dann intern aufgeteilt werden oder sie erhält eine eigenständige DRG ggf. unterschieden nach "normal" und "sameday". Die entsprechenden DRGs lauten: Z60A/B/C Rehabilitation mit katastrophalen oder schweren Komplikationen und Begleiterkrankungen, bzw. ohne, bzw. Tagesklinik und die Relativgewichte sind in etwa 3,5/2,5/0,3.


    3. Zur Strahlentherapie und Chemotherapie: die zugehörigen DRGs sind R64Z und R63Z, wobei 100 Mio AUS$ 98/99 allein für Chemotherapie umgesetzt wurde (160.000 Behandlungstage). Ob man hier jedes beliebige Chemotherapeutikum ausreichend honoriert bekommt, weiß ich natürlich auch nicht. Aber hier die Sachkosten (Chemotherapeutika) in Selbstkostendeckungsmanier abzurechnen ist sicher auch problematisch. Dann sollte man schon eher etwas stärker diagnoseabhängig differenziert gruppieren und Pauschalen ansetzen, immer noch besser als tagesgleiche Pflegesätze.


    4. Zur Implantation von Kunstherzen: Wenn Herztransplantation geht, warum dann nicht Kunstherz? Im Übrigen meine ich, dass im Falle von exorbitant hohen Kosten (z. B. Kunstherz-Prototyp) der Ansatz der Herztransplantations-DRG A05Z mit schlappen 57.000 AUS$ schon mal eine gute Basis wäre. Den Rest soll die Industrie als Drittmittel zur Verfügung stellen oder ein sonstiger Forschungstopf, bis die Sache zur Serienreife gelangt. Aber das System melken mit Ausnahmeentgelten ist sicher gefährlich.


    Fazit: Eine Regelung für die Schaffung einer gesonderten Vergütungsmöglichkeit in Ergänzung zu den DRG-Entgelten ist vermutlich nur in einer viel geringeren Anzahl von Fällen erforderlich als befürchtet wird.


    Der Forderung nach Sonderregelungen auf örtlicher Ebene stehe ich sehr skeptisch gegenüber, zumindest müssten alle diese "Extrawürste" irgendwie in der Gesamtfallstatistik (Nationaler Casemix) sichtbar bleiben mit all ihren medizinischen und kalkulatorischen Daten.


    Mit freundlichen Grüßen


    Dr. Bernhard Scholz

    [center] Bernhard Scholz [/center]

  • Hallo,


    ich muß mich der Meinung von Hr. Scholz anschließen am besten ist doch die Integration ins G-DRG-System. Neben der Systemaushebelung bei zu vielen `Extrawürsten` wird das System auch mit jeder Ausnahme immer komplexer und damit auch fehleranfälliger.

    Ausserdem halte ich die Tatsache, dass hier die seltenen Kunstherzeingriffe auftauchen für ein Zeichen, wie unterschiedlich hier die Einflußnahmen der Fachgesellschaften sind.


    Gruß
    --
    Thomas Lückert
    Stabsstelle Medizinisches Controlling
    Krankenhaus Reinickendorf
    ein Haus der Vivantes

    Thomas Lückert
    Stabsstelle Medizincontrolling
    Unfallkrankenhaus Berlin