Interspinöser Spreizer wird nicht anerkannt

  • Hallo Community,


    hat jemand Erfahrung mit der Implantation von interspinösen Spreizern (OPS 5-839.b0)?

    Bei uns wird diese Methode teilweise verwendet, insbesondere bei Spinalkanalstenose u. Spondylolisthesis nach Dekompression des Spinalkanals (ergänzend) zur weiteren Aufrichtung und Stabilisierung (statt beispielsweise Schrauben-Stab-Spondylodese).


    Aktuell erhalten wir ständig ablehnende gutachterliche Stellungnahmen des MDK (eines individuellen Gutachters), der den OPS 5-839.b0 strittig stellt, als medizinisch nicht sachgerecht ansieht und den OPS + ZE streicht.

    In der "Begründung" wird lediglich aufgeführt: [...] formal erbracht, sozialmedizinisch nicht begründet [...].


    Auf Nachfrage wurde die Streichung des OPS (interspinöser Spreizer Modell Coflex F+) mit der pauschalen Begründung einer nicht wirksamen Methode, nicht ausreichender Studienlage und nicht geeignetem Evidenzgrad bzgl. Überlegenheit, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit im Vergleich zur Standardtherapie für das konkrete Behandlungsziel vorgenommen.

    Ferner wird eine Ausnahmesituation i. S. des &2 Abs. 1a SGB V gefordert.


    Es ist uns jedoch nicht bekannt und wird auch nicht mitgeteilt, auf welche Literaturstellen hier MDKseits Bezug genommen wird.
    Tatsächlich scheint die Literaturrecherche dahingehend beim MDK nur rudimentär, unvollständig u./o. nicht aktualisiert zu sein, da sich ad hoc bei einer von uns vorgenommenen Recherche (Cochrane Library) genügend ausreichende RCT´s, prospektive- und Follow up- Studien mit ausreichendem Evidenzlevel (z. B. Oxford level of evidence LOE I)und Probandenzahl finden. Die aktuellen Publikationen der letzten anderthalb Jahre sprechen sich klar (Funktionsscores, Blutverlust, OP-Zeit, Aufenthaltsdauer, Komplikationsraten, Genesungszeit...) für interspinöse Spreizer aus. Dies gilt sowohl für Spondylolisthesen (im Vergleich zu Schrauben-Stab-Systemen und PLIFs) als auch für Spinalkanalstenosen (Dekompression plus Spreizer vs. alleinige Dekompression ohne Implantat).

    (Angemerkt sei insbesondere ein sehr differenzierter 2016er Artikel aus dem International Journal of Spine Surgery mit den ISASS (International Society for the Advancement of Spine Surgery)-Empfehlungen zur Verwendung interspinöser Spreizer bei Spinalkanaldekompressionen. Die dortigen sehr detaillierten Empfehlungen beruhen auf einer umfangreichen und bewerteten Literaturübersicht.)


    Da also unseres Erachtens (und auch des zuständigen Wirbelsäulenchirurgen) zunächst kein obsoletes und auch kein nicht wirksames Verfahren i. S. des MDK vorliegt, würde ich mich über Rückmeldungen zu dieser Thematik aus dem Forum freuen.

    Anträge auf Nachverfahren sind gestellt, parallel stehen wir kurz vor einer (dann aber lang dauernden) sozialgerichtlichen Klärung. Es interessieren Eure Erfahrungen mit dieser Problematik.


    VG

    geoff

  • Hallo geoff,

    wir haben mit der Abrechnung der Spreizer bisher keine Probleme gehabt. Möge es so bleiben!

    Freundliche Grüße


    E. Kosche

  • Zitat

    Möge es so bleiben!

    Das wünsche ich Euch auch.

    Es zeigt sich hier mal wieder das unterschiedliche Maß, mit dem beim MdK gemessen wird. Gleichzeitig erhärtet sich der Eindruck, dass wir "Opfer" eines vor Jahren einmalig erarbeiteten und nach Literatur mittlerweile veralteten (MdK-)"Standards" sind, den aktuell jemand hervorkramt, der noch nicht einmal fachärztlich in dieser Sektion unterwegs ist.


    VG

    geoff