Leistungszulagensystem im Krankenhaus

  • Hallo und guten Morgen!


    Wer hat Erfahrungen mit einem leistungsbezogenem oder tätigkeitsbezogenem oder der Qualifikation entsprechendem Zulagensystem im Krankenhaus (besonders auf die Pflege ausgerichtet) ???


    Wir wollen ein System entwickeln indem höherwertige Pflegetätigkeiten mit einer finanziellen Zulage vergütet werden. Besonders denken wir an Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten.


    Kann mir jemand mit Informationen weiterhelfen? Oder hat schon jemand solch ein System entwickelt?


    Schöne Grüße aus Sachen
    Fröschin :augenroll:

  • Hallo Fröschin,
    was sind ärztliche Tätigkeiten.
    Sind das \"genuine ärztliche Tätigkeiten\", die möglicherweise delegierbar sind (Extrembeispiel kleine Operationen) oder sind das Tätigkeiten, die Ärzte machen, weil es niemand sonst bisher macht (Bsp. Röntgenbilder suchen, Blutdruckmessen).

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Guten Morgen und willkommen im Forum,


    zu Ihrer Frage kann ich zwar keine konkrete Antwort geben, aber vielleicht einige Hinweise:
    Wenn Sie überlegen, Zulagen für besondere Leistungen auszuloben, scheren Sie unter Umständen aus Ihrem Tarif aus. Das sollten Sie sich gut überlegen (oder die Leitung Ihres Hauses). In der Diskussion um besonders herausragende Leistungsträger kenne ich die Argumente sehr wohl; man muß nur bedenken, daß man dieses Geld irgendwie erwirtschaften muß. Konsequenterweise müßte man also ein solches System auch in der Weise modifizieren, daß auch Mitarbeiter, die in der entgegengesetzten Richtung unterwegs sind, anders vergütet werden. Heißt: einem Bonus-System sollte auch immer eine Malus-Komponente entgegenstehen. Soviel zur leistungsabhängigen Vergütung. Wenn Sie neue Tätigkeitsbereiche schaffen, können Sie zunächst überlegen, ob sie diese - in welchem Tarifraster auch immer - in den vorhandenenn Eingruppierungen unterbringen können. Freie Vereinbarungen auf breiter Front sind sicher nicht möglich, es sei denn, Sie möchten als Haus mal einen kaum zu behebenden Konflikt mit Ihrer Personalvertretung anzetteln.

    Gruß aus DU
    Dr. med. Andreas Sander
    Evangelisches und Johanniter
    Klinikum Niederrhein

  • Hallo und danke für die Antwort,


    mit ärztlichen Tätigkeiten sind \"delegierbare\" gemeint.


    Beispiele: Die urodynamische Messung im Beckenbodenzentrum hat bisher ein Arzt übernommen, dies wird jetzt komplett an geschultes Pflegepersonal übergeben.
    weiteres Beispiel: Im OP- OTA übernimmt Tätigkeiten während der OP, die sonst ein Weiterbildungsassistent oder Arzt übernahm, Haken halten, eventuell letzte Naht, ect. oder auch \"kleine chir. Versorgungen.



    Herzliche Grüße
    Fröschin

  • ... vielleicht noch eine Ergänzung:


    Das Problem der Delegation ärztlicher Tätigkeiten auf nicht-ärztliches Personal ist ein vieldiskutiertes solches. Dabei muß man die juristischen Fragen sicher separat ausführlich beleuchten. Es gibt aber nicht sehr viele Tätigkeiten, die aus prinzipiellen Gründen nicht delegiert werden dürfen. Die Aufklärung über einen Eingriff ist so ein schönes Beispiel.
    Wenn Sie diesen Weg beschreiten, dann arbeiten Sie auch an der Schaffung eigener beruflicher Zweige. Von ärztlicher Seite habe ich an vielen Stellen bei einem solchen Konzept große Bedenken, auch wenn ich die dahinter steckenden Überlegungen gut nachvollziehen kann.

    Gruß aus DU
    Dr. med. Andreas Sander
    Evangelisches und Johanniter
    Klinikum Niederrhein

  • Hallo Fröschin, hallo Herr Sander,
    ich finde das Thema sehr interessant und empfehle dazu das Studium des TVöD- Tarifvertrages. Da ist nämlich vieles schon festgeschrieben, was Sie Herr Sander in ihrem ersten Beitrag noch in Frage stellen.
    Außerdem empfehle ich in Amazon oder ähnlichem Anbieter unter den Stichworten \"Leistungsentgelt TVöD\" zu suchen. Eines der mittlerweile zahlreichen Bücher kann ich sehr empfehlen.
    Ich will hier keine Werbung machen aber es ist von einem Autor, der zu der Thematik viel publiziert hat.

    mfG
    Thomas Heller
    QMB/Med Co/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken

  • Zitat


    Original von Thomas_Heller:


    hallo Herr Sander,
    ich finde das Thema sehr interessant und empfehle dazu das Studium des TVöD- Tarifvertrages. Da ist nämlich vieles schon festgeschrieben, was Sie Herr Sander in ihrem ersten Beitrag noch in Frage stellen.


    Guten Tag,


    ich möchte nicht belehrend wirken, aber ich habe in meinem Beitrag \"unter Umständen\" geschrieben. Ich will nicht in Abrede stellen, daß es in einzelnen Konstruktionen Lösungsmöglichkeiten gibt (das wissen wir sehr wohl), allerdings besteht immer die Gefahr, daß man bei freizügiger Anwendung von Tarifregelwerken Schieflagen erzeugt, die man nicht wieder geraderücken kann.
    Unabhängig von dieser Problematik gibt es nicht nur den TVÖD, sondern auch andere Tarifwerke, die in deutschen Krankenhäuseren auch (und nicht zu selten) Anwendung finden. In den Tarifwerken konfessioneller Träger finden sich ab und zu deutlich mehr Hinweise für Kirchenmusiker als für innovative Krankenhausstrukturen.

    Gruß aus DU
    Dr. med. Andreas Sander
    Evangelisches und Johanniter
    Klinikum Niederrhein

  • Sorry Herr Kollege Sander,
    ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Und ich hatte nicht bedacht, dass Sie ja in einem konfessionellen Haus tätig sind.
    Öffentliche Krankenhäuser müssten sich schon (spätestens) seit 1.1.2007 mit diesem Thema beschäftigen.
    Auszug aus TVöD-K gültig seit 1.8.2006:
    § 18
    Leistungsentgelt
    (1) 1Die leistungs- und/oder erfolgsorientierte Bezahlung soll dazu beitragen, die öffentlichen
    Dienstleistungen zu verbessern. 2Zugleich sollen Motivation, Eigenverantwortung
    und Führungskompetenz gestärkt werden.
    (2) 1Ab dem 1. Januar 2007 wird ein Leistungsentgelt eingeführt. 2Das Leistungsentgelt
    ist eine variable und leistungsorientierte Bezahlung zusätzlich zum Tabellenentgelt.


    Soweit ich weiß ist aber in den wenigstens Häusern hier etwas passiert.

    mfG
    Thomas Heller
    QMB/Med Co/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken