Spaßvögel oder falsche Fachliteratur?

  • Hoffentlich wird ausser dem Pschyrembel noch andere Literatur zur Weiterentwicklung des DRG-Systems herangezogen. So wird jetzt der Uralt-Spass der 258.Auflage des Pschyrembels wieder aktuell: Petrophaga lorioti (gemeine Steinlaus), deren Biss ja auch nach wie vor mit ID Diacos als "sonstiger Parasitenbefall der Haut" mit B88.8 kodierbar ist, hat nun auch Eingang in die G-DRG 2003/2004 gefunden. Der Steinlausbefall führt zur MDC09 und kann, je nach PCCL und Dauer der Behandlung mit J67A, J67B oder J68Z abgerechnet werden. Dafür hat das InEK sogar den neuen Kode B85.5 erfunden, was wohl das DIMDI dazu sagt?

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin

  • Liebe Steinlausfreunde,


    ich glaube mit der B85.5 hat das INEK ins Schwarze getroffen. Denn man muß sich schon etwas Zusätzliches überlegen, denn in der 259. Auflage des Pschyrembel hat die P.Lorioti jede Menge Subspezies bekommen, vielleicht sogar schon früher, aber ich habe gerade die 259. zur Hand. Diese Subspezies halten sich nicht auf der Haut auf. Da die Steinlaus auch keine "Laus" im üblichen Sinne, sondern das kleinste Nagetier ist, ist ein neuer Code vielleicht gar nicht so schlecht. Das DIMDI sollte dann aber auch die Überschrift zum B85 ändern "...und andere Nager".


    dies nur als Vorschlag


    Mit freundlichen Grüßen


    Thomas Winter
    auch Berlin

  • Die Steinlaus wird in der Literatur oft fälschlicherweise als zur "Gattung der Nagetiere" gehörend bezeichnet; das ist natürlich Unsinn. Die Gattung ist Steinlaus (Petrophaga), die Ordnung Fabelnager (Rodentia inexista).


    Das med. Interesse beschränkt sich auf die
    Nieren-St. (Petrophaga nephrotica),
    Blasen-St. (Petrophaga vesicae),
    Gallen-St. (Petrophaga cholerica).
    Die Eingruppierung in die
    DRG J67 Leichte und moderate Hauterkrankungen
    DRG J68 Hauterkrankungen, ein Belegungstag
    ist mir nicht nachvollziehbar und scheint auf einem "Mapping-"Fehler zu beruhen. Wer sagts dem IneK ?


    mfG


    C. Hirschberg

  • Hallo Steinlaus-Fans,


    könnten die verschiedenen Subspezies nicht versuchsweise auch mal therapeutisch eingesetzt werden, wie z.B. die Maden zur Wundreinigung? Ich denke an den enormen Appetit dieser Tierchen, die ca. 28 kg pro Tag verzehren. Wenn man z.B. eine Gallensteinlaus endoskopisch in die Gallengänge einführen würde, könnte sie dort und in der Gallenblase die Steine fressen und würde anschließend wieder heraus geholt. Ggf. müßten mehrere Exemplare eingesetzt werden, falls eine alleine zu fett würde und mit dem Endoskop nicht mehr geborgen werden könnte. Weitere Anwendungen wären statt Nierenlithotripter die Nierensteinlaus und statt Sialektomie die Speichelsteinlaus einzusetzen. Hier sind natürlich vor allem die Forscher in den Universitätskliniken gefordert. Es könnten dann eine ganze Menge Operationen erspart werden z.B. aus der MDC 07 die H02 bis H04. Link zur Fachliteratur: http://de.wikipedia.org/wiki/Steinlaus



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    Einen freundlichen Gruß vom MDA aus Schorndorf

    [size=12]Freundlichen Gruß vom Schorndorfer MDA.

  • Hoppla,


    da ist im ICD-10-GM Version 2004 doch der separate Code für den Steinlaus-Befall mit B85.5 wieder heraus genommen worden. Also weiter B88.8 etwas ungenau, aber WIR wissen ja, was gemein(t) ist.



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