Nebendiagnose Niereninsuffizienz

  • Hallo Forum,


    ich habe auch mal wieder eine Frage.


    Eine Nebendiagnose kann ja kodiert werden, wenn Sie therapeutischen Aufwand verursacht. Wie sieht es denn im Falle der bekannten Nierenisuffizienz aus, wenn während des stationären Aufenthaltes eine Dialyse erfolgt?


    Durch die Nebendiagnose wird eine höherwertige DRG angesteuert. Andererseits verursacht diese Nebendiagnose einen Aufwand, der neben der DRG gesondert abgerechnet wird, nämlich die Dialyse. (Zusatzentgelt)


    Ist das nicht ein doppelter Erlös für eine Erkrankung? Kann dann die Niereninsuffizienz dennoch als Nebendiagnose angegeben werden, bzw. welche Voraussetzungen neben der Dialysepflicht müssen erfüllt sein, damit sie kodiert werden kann/darf?


    Gruß aus dem bergischen Land,



    ToDo

    Freundliche Grüße




    ToDo


    Wir lieben die Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - falls sie das gleiche denken wie wir.
    (Mark Twain)

  • Schönen guten Tag ToDo!


    Schön, wieder etwas von Ihnen zu hören, ich hatte schon befürchtet, Sie seien wieder ausgestiegen.


    Entschuldigen Sie, wenn ich Ihre Aussage korrigieren muss, aber eine Nebendiagnose muss eine diagnostische oder therapeutische Maßnahme zur Folge haben, von "Aufwand" ist bei diesen Punkten nicht die Rede. Die Dialyse ist sicherlich eine therapeutische Maßnahme und daher kann die Niereninsuffizienz meiner Meinung nach verschlüsselt werden. Allerdings haben Sie insofern Recht, dass die Gefahr der Doppelvergütung bestünde, wenn es nur um die Dialyse ginge.


    (Nebenbei: Was ist daran so schlimm? Schließlich gibt es auch eine ganze Reihe Maßnahmen, die nicht oder nicht sachgerecht vergütet werden und die wir den Patienten trotzdem nicht vorenthalten (dürfen). Maßstab ist doch sowieso das Budget, und nicht der Einzelfall!)


    Ein Dialysepatient verursacht aber auch noch andere diagnostische und therapeutische Maßnahmen und vor allem einen nicht unerheblichen Betreuungs-, Pflege- und Überwachungsaufwand (nur hier steht etwas von Aufwand) und rechtfertigt daher meiner Ansicht nach durchaus die Verschlüsselung der Nebendiagnose.


    Schönen Tag noch,
    --
    Reinhard Schaffert


    Medizincontroller
    Facharzt für Chirurgie
    Krankenhausbetriebswirt(VWA)
    Kliniken des Wetteraukreises

  • Hallo ToDo,


    beim DRG-system handelt es sich ja nicht um eine GOÄ-ähnliche-Einzelleistungsvergütung von CCL-Diagnosen beim einzelnen Patienten, sondern um eine Mischkalkulation von Fällen mit ähnlichem Diagnosenspektrum.


    Daher ist es meines Erachtens nicht statthaft für die einzelne Diagnose nachzurechnen ob der exakte Zusatzaufwand durch diese ND (der im übrigen kaum sauber zu ermitteln ist) im Einzelfall auch der Differenz z.B. zwischen A/B DRG im Einzelfall entspricht . Der PCCL ist ein berechneter Wert nach Auschluss redundanter Diagnosen und nicht die Summe einzelner CCLs. Die Niereninsuffizienz kann ja durchaus einen Zusatzaufwand verursachen der über die Dialyse hinausgeht.


    Im Einzelfall mag die Vergüttung zu hoch im anderen zu niedrig sein, es ist ggf nachzuweisen, dass eine systematische Überfinanzierung durch eine ND NI bei dialysierten Pat. erfolgt und dann entsprechend der Ausschluss aus der PCCL-Berechnung in dieser Konstellation erfolgen muss.
    Das ist Aufgabe des InEK, schlagen sie doch vor diese Konstellation zu untersuchen und ggf. eine CCL Anpassung vorzunehmen. Die ND einfach nicht anzuerkennen ohne dies mit Zahlen zu belegen, ist im lernenden DRG-System methodisch nicht notwendig.


    Doppelfinanzierung:
    Für die bundesweite DRG-Kalkulation / die BFW-berechnung muß das zu Grunde liegende Budget um die Dialysen bereinigt werden. Diese ausgegrenzten Kosten werden über das Zusatzentgelt verteilt. Daher kann es auch zu keiner Doppelfinanzierung kommen, das DRG-Entgelt erfolgt aus dem DRG-Budget.


    mfg


    SG

  • Hallo,


    danke für die gewohnt prompten und fundierten Antworten.


    Deshalb frage ich ja - um zu lernen - bevor ich einfach etwas ablehne oder nicht anerkenne. Dass der Aufwand über die eigentliche Dialyse hinausgeht, habe ich mir auch schon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gedacht - fragen wollte ich´s trotzdem.


    Herr Schaffert:


    Ach wissen Sie, ich komme nicht mehr so häufig dazu, das Forum zu besuchen. Es gibt da eine Gattung von Leistungserbringern, die Fälle produzieren ohne Ende... ;D


    Gruß,



    ToDo

    Freundliche Grüße




    ToDo


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    (Mark Twain)