Hauptdiagnose Rheuma

  • Liebes Forum,
    mich würde interessieren,wie in anderen Häusern kodiert wird: Der Kodierleitfaden Rheumatologie (aus Münster) sagt, dass bei einem Rheumapatienten, der nur zur Behandlung einer Manifestation des Rheumas kommt(in diesem Beispiel die Bakerzyste)und bei dem die Grunderkrankung nicht behandelt wird, die Bakerzyste die Hauptdiagnose und das Rheuma die Nebendiagnose ist. In unserem Haus wird zum Beispiel die sekundäre Coxarthrose immer Hauptdiagnose, das Rheuma ND. Aber egal, wie herum man kodiert, bei den großen OP's wie Hüft- und Knie- TEP's landet der Patient immer in derselben DRG, da hier die Hauptprozedur ausschlaggebend ist.
    Wo ich immer Probleme habe, sind die kleineren Eingriffe: wenn ich z.B. bei Vorfußkorrekturen aufgrund von Rheuma sekundäre Arthrose im Bereich des Fußes oder Deformitäten,erworben,als Hauptdiagnose angebe und das Rheuma als ND, dann kommt der Fall in eine Z-DRG (Eingriffe am Fuß),die weniger erlösrelevant ist als wenn ich den Fall umgekehrt kodiere mit Rheuma als HD (DRG I69,glaube ich, habe leider im Moment die Unterlagen nicht zur Hand).
    Um zum Anfang zurückzukehren: Was bedeutet: Die Grunderkrankung wird behandelt...? Reicht der Cortisonstoß peri-operativ, oder muss tatsächlich der Internist kommen und die Basistherapie umstellen? Oder reicht einfach das Fortführen der Basistherapie? Sollte nämlich besagter Cortisonstoß ausreichen, dann müßte man folglich auch die sekundäre Cox-oder Gonarthrose als ND nehmen und das Rheuma als HD!?
    Für Erleuchtung wäre ich dankbar! Viele Grüße
    Christiane

  • Christiane hallo,


    Meiner Meinung nach hilft hier die Kodierrichtlinie D002b schon weiter, und hier Bsp. 4. Wenn die zugrundeliegende Krankheit bekannt ist, und das Symptom beahndelt wird, wird auch das Symptom HD. Rheuma macht therapeutischen Aufwand (Cortison) und erfüllt damit die ND-Definition.


    Meiner Meinung nach ist es immer gefährlich zuerst auf die "gewünschte" DRG zu schielen, und dann die Kodierung drumherum zu basteln oder gar die Therapie passend zu machen (Zitat: "...oder muss tatsächlich der Internist kommen und die Basistherapie umstellen...").


    Wäre der Pat in Ihrem Fall zur Umstellung der Basistherapie gekommen, und man hätte dann nebenbei eine OP geamcht lägen Sie vieleicht richtig, hätten tatsächlich aber auch einen deutlich höheren Ressourcenverbrauch.


    Ich muss aber gestehen, dass ich mich mit Rheumatologie überhaupt nihct auskenne.
    --
    Liebe Grüße


    HR

    mfg


    Reeka

  • Hallo, Herr Reeka,
    Sie haben natürlich Recht, wenn Sie sagen, dass man nicht zuerst eine bestimmte DRG anpeilen sollte und sich dann den Fall so basteln, dass er am meisten Erlös bringt. So hat es sich bei mir bisher auch nicht zugetragen. Ich bin eher zufällig darauf gestoßen, nach dem ein Orthopäde hier im Haus als Hauptdiagnose das Rheuma genommen hat. Nun möchte ich’s natürlich möglichst genau wissen, denn man will ja auch kein Geld verschenken…
    Ich werde jetzt noch mal präzisieren:
    Pat. kommt zur Vorfußkorrektur bei Rheuma.
    Möglichkeit 1:


    HD M 19.27 sek. Arthrose/ Fuß
    ND M 05.87 seropos. CP/ Fuß


    Proz:
    5-788.11 OP an Metatarsale u. Phalangen des Fußes…
    5-800.5q Offen chir. Revision eines Gelenkes, Synovialektomie, Metatarsophalangealgelenk
    5-854.1a Rekonstruktion von Sehnen…
    5-859.1a andere OP an Muskeln, Sehnen, Fascien…


    führt in die DRG I20Z, Eingriffe am Fuß, RG 1,010


    Möglichkeit 2:


    HD M 05.87
    ND M19.27
    Proz. wie oben


    führt in die DRG I12C, Knochen- u. Gelenkinfektion/ -entzündung mit versch. Eingriffen am Muskel- Skelettsystem u. Bindegewebe, RG 1,485


    Wie schon erwähnt, ist es bei größeren OP’s egal, wie herum die Diagnosen eingegeben werden ( zum Beispiel bei Hüft- TEP’s bei Rheuma)- der Fall landet dann immer in der I03 (Ersatz des Hüftgelenkes).
    Im Kodierleitfaden Rheumatologie aus Münster steht unter anderem:
    „Haben wir uns ausschließlich auf die Behandlung des Symptoms oder der Manifestation konzentriert, wird die Manifestation zur HD. Erfolgte aber auch eine Diagnostik oder Behandlung der Grunderkrankung, wird immer die Grunderkrankung zur HD.“
    Was heisst das nun? Fast jeder Rheumatiker bekommt Cortison, perioperativ wird der Cortisonstoß gegeben, was ja genau genommen eine Veränderung der Basistherapie ist.
    Kann man dann das Rheuma als HD nehmen?
    Viele Grüße Christiane

  • Hallo Christiane,


    Ich kenne wie gesagt Rheumatologie eher weniger. Den zitierten Kodierleitfaden habe ich nie gesehen. Ich versuche mich immer an den Kodierrichtlinien zu orientieren, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.


    Meiner Meinung nach beschreiben Sie eindeutig den Fall, dass ein Pat. mit bekannter zugrundeliegender Krankheit (Rheuma) zur Behandlung eines Symptoms (Arthrose) stationär aufgenommen wird. Hätte er diese Beschwerden nicht, wäre es nicht zur Aufnahme gekommen. Das zugrundeliegende Rheuma verursacht therapeutischen Aufwand (Definition der ND) und kann somit als ND kodiert werden. Das Rheuma wird aber nicht grundlegend therapiert, um zB eine Verringerung der Folgeerkrankungen zu erreichen. Das ursprüngliche, bewährte Regime wird nicht angetastet. Es wird lediglich ein prophylaktischer Cortisonbolus verabreicht, wenn ich das richtig verstanden habe.


    Nehmen Sie den Pat aber wegen seines Rheumas auf, um ihn einzustellen, oder einen akuten Schub zu therapieren, und beheben Sie in gleicher Sitzung eine sekundäre Fehlstellung, dürften Sie meiner Meinung nach so verfahren und müssten es eben sogar, wie von Ihnen beschrieben.


    Den von Ihnen zitierten Kodierleitfaden finde ich hier, ebenso wie Sie, alles andere als eindeutig. Um eine Dg als ND kodieren zu dürfen, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden, und das sind eben u.a. genau die in der Passage zitierten, rechtfertigt aber noch lange nicht die Kodierung als HD. In Beispiel 6 der DKR 002 b/c wird der in Ihrem Kodierleitfaden gemeinte Sachverhalt erläutert. Da wird eindeutig die zugrundeliegende Krankheit therapiert, und erfordert nicht nur therapeutische Maßnahmen, wie in Ihrem Fall.


    Ich wollte nihct unterstellen, das Sie sich Ihre DRGs basteln, bin aber immer noch der Meinung, das es hilft die DKR konsequent zu beachten, ohne die Erlösseite zu betrachten.


    Und vieleicht liege ich mit meiner Meinung zu dieser Fallkonstellation völlig falsch und stehe alleine da. Warten wir vieleicht, ob sich noch jemand meldet.
    --
    Liebe Grüße


    HR

    mfg


    Reeka

  • Hallo Christiane, hallo Herr Reeka,


    Na gut, ich melde mich, bin aber auch kein Rheumatologe.


    Ich glaube Rheuma zu codieren, ist eine Wissenschaft für sich. Denn die verschiedenen Formen des echten Rheumatismus kommen an vielen Stellen der ICD vor. Hier wird man wohl genau nachsehen müssen. Vielleicht könnten hier auch mal codierkundige Internisten sich zu Wort melden und eine Aufstellung abgeben, wann welche Codes relevant sein können.


    Ob nun M05.87 richtig ist, oder M05.80 (mehrere Lokalisationen – Primär Chronische seropositive Poly-Arthritis; hier übertreibt meines Erachtens die ICD in der 5. Stelle; aber man kann sich ja auf das behandelte Gelenk einigen, sofern das Rheuma weniger systemisch sondern nur lokal behandelt wurde). Aber selbst dann hege ich meine Zweifel, die nur durch einen Blick in die Krankengeschichte ausgeräumt werden können.


    Ist hier nicht eher ein Hallux Rigidus nach Hueter Mayo behandelt worden also M20.2 + 5-788.11 (die von Ihnen erwähnten 5-8er Codes wären im Bereich des Metatarso-Phalangealgelenkes (MP-Gelenk) der Großzehe enthalten – „... und Weichteilkorrektur“), oder handelt es sich bei den 5-8er Codes um echte Zusatzcodes, weil das bei Ihnen übliche Verfahren nach Hueter Mayo überschritten wurde und noch weitere Op-Teile hinzukamen. Aber auch dann wäre zu diskutieren, ob diese Zusätze im Bereich des Vorfußes nicht unter 5-788.4 fallen würden.


    Wenn es „nur“ ein Hallux rigidus war, wäre das Rheuma eine echte Nebendiagnose, oder wurde eine wirkliche sekundäre Arthrose des Hallux MP-Gelenkes ohne Hallux rigidus (s. Exclusiva bei M19.-) behandelt, was extrem selten wäre, dann wäre die M19.27 richtig.


    Vielleicht schauen sie doch mal genau in die Krankengeschichte.


    Das wäre also mein Senf dazu.


    Mit freundlichen Grüßen


    Thomas Winter
    Berlin

  • Hallo,Herr Winter, Herr Reeka,
    da werde ich dann wohl im Einzelfall nachfragen müssen, ob es sich "nur" um einen Hallux rigidus handelt; unsere Orthopäden schreiben gerne "rheumatische (Gelenk-)Destruktion, was so im Diagnosenthesaurus auch nicht zu finden ist...
    Herr Reeka, mit Ihren Ausführungen bestätigen Sie eigentlich auch meinen Eindruck.
    Vielen Dank einstweilen und ein schönes Wochenende
    Christiane