Symptom oder eigenständige Erkrankung?

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich wende mich mit einer Frage zu folgendem Sachverhalt an Sie:


    Ein Patient hat sowohl eine pulmonale Hypertonie (I27.8 ) als auch eine EAA (I67.0). Beide Diagnosen erfüllen die Kriterien der Hauptdiagnose und werden behandelt.
    Kann hier die Regelung \'konkurrierende HD\'s\' angewendet werden?


    Nach Ansicht eines gerichtlichen Gutachters ist die I27.8 nur ein Symptom der I67.0. Wir sehen diese jedoch bestenfalls als Folgeerkrankung.
    Spielt die Ätiologie der Erkrankungen bei \'konkurrierenden HD\'s\' eine Rolle? (Kreuz Stern trifft hier ja nicht zu)


    vielen Dank für Ihre Antwort
    mit freundlichen Grüßen
    Roman

  • Hallo Roman,


    nur zur Korrektur:
    Farmerlunge - EAA ist J67.0 nicht I67.0 [= Sonstige zerebrovaskuläre Krankheiten].


    Ich halte die pulmonale Hypertonie für Folge der EAA, also eine sekundäre PAH.
    m.E. also
    HD: J67.0
    ND: I27.8 - Sonstige näher bezeichnete sekundäre pulmonale Hypertonie.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lunge - Internist / Pneumologe

  • Vielen Dank
    Ich meinte natürlich J67.0


    Aber warum nicht I27.8 als HD?
    Wenn´s doch mehr Aufwand macht.
    Ätiologie ist doch nur bei Kreuz Stern von Belang.


    mfG
    Roman

  • Hallo,


    aus Interesse: Welchen (Mehr)Aufwand haben Sie für die PAH?
    Wegen der EAA können Bodyplethysmographie, Compliance, CT-Thorax, Bronchoskopie und ggf. Lavage, ggf. Biopsie, Serologie (AK-Bestimmung) sowie therapeutisch Kortikosteroide (und ggf. Immunsuppressiva) zum Einsatz kommen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lunge - Internist / Pneumologe

  • Hallo Roman,


    ich möchte nochmal spez. nachhaken:
    ist dies denn wirklich so, dass wenn ein Symptom einer Erkrankung (welches nicht unter der Kategorie \"R\" abgebildet ist), sowie die Erkrankung während des stat. Aufenthalts behandelt wird, das Symptom jedoch mehr Aufwand verursacht, ich dieses als HD wählen darf?


    z.B. VHF bei einer Hyperthyreose.


    Oder habe ich das mit dem Ätiologie und Manifestationskode falsch interpretiert?


    Vielen Dank :)

  • Hallo allerseits,


    der Begriff \"Symptom\" bedeutet soviel wie \"Krankheitszeichen\". Eine eigenständige Erkrankung (wie Herzrhythmusstörung, pulmonale Hypertonie etc.) kann natürlich schon grundsätzlich kein Symptom sein (worauf auch der MDS in seinen Empfehlungen hinweist).


    Die Reihenfolge der Ätiologie-/Manifestationsverschlüsselung hingegen gilt expressis verbis ausschließlich für das Kreuz-Stern-System (siehe DKR D012i) und darf gerade nicht auf andere Sachverhalte übertragen werden! Ansonsten wäre bspw. bei einem Patienten mit Lungenembolie die verursachende Thrombose (bzw. eine evtl. bestehende Hyperkoagibilität) als Hauptdiagnose zu verschlüsseln.


    Wenn es also um die Frage geht, welche von zwei bei Aufnahme bestehenden Erkrankungen als Hauptdiagnose zu wählen ist, gilt (sofern keine andere spezielle Kodierrichtlinie greift) ausschließlich die entsprechende Regelung in DKR D002.


    Mit freundlichen Grüßen


    Markus Hollerbach

  • Hallo
    und Danke mhollerbach - genauso seh ich das auch.
    Zur Klärung- die PAH wurde auf Bosentan eingestellt. (ca. 14 Tage)
    (was Bosentan kostet, brauch hier sicher nicht erwähnen)
    Für die EAA wurde \"nur\" Body und BSK gemacht.


    vielen Dank für Ihre Antworten

  • Hallo Herr Roman,


    eine medizinische Frage, bitte:
    Liegt in Ihrem Fall nicht eher eine sekundäre PAH (bei EAA) vor? Ich kannte Bosentan bislang in seiner Zulassung für die primäre PAH und die PAH bei Systemischer Sklerodermie, nicht jedoch für andere sekundäre Formen.
    Monatliche Behandlungskosten von ca. 3.500 € sind nicht gerade ein \"Schnäppchen\" - auch diesbezüglich stand die Behandlung der Grunderkrankung (einschließlich Ausschaltung der Allerge) im Vordergrund.
    Und diagnostisch ist das Spektrum m.E. zu erweitern um AK-Bestimmungen, DLCO, Ergospirometrie, Thorax-CT.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lunge - Internist / Pneumologe

  • Hallo Herr Hollerbach,


    also heisst es, dass wenn ich z.B. eine Herzinsuffizienz aufgrund von VHF kodiere, ich die HD hier nach Ressourcenaufwand wählen kann und nicht nach der med. Ursache? (meine Kollegen argumentieren hier meist, dass ohne das VHF keine Herzinsuffizienz entstanden und es deshalb nicht zur Aufnahme gekommen wäre...ich interpretiere die D002 jedoch so, dass die Herzinsuffizienz maßgeblich für den stat. Aufenthalt gewesen ist...)


    Ich bin momentan etwas verwirrt bzgl. dieser doch simpel wirkenden DKR. Ständig höre ich von verschiedenen Leuten verschiedene Auslegungen...

  • Hallo DRG_Fan,


    Zitat

    also heisst es, dass wenn ich z.B. eine Herzinsuffizienz aufgrund von VHF kodiere, ich die HD hier nach Ressourcenaufwand wählen kann und nicht nach der med. Ursache?


    genauso ist es: wenn der wesentliche Ressourcenaufwand für die Rekompensation der Insuffizienz geleistet wurde, dann wird diese auch als Hauptdiagnose kodiert. Etwas anderes geben die DKR auch nicht her.


    Mit freundlichen Grüßen


    Markus Hollerbach

  • Hallo nochmal, Herr Hollerbach,


    Ihre Aussage ist für mich logisch und nachvollziehbar, allerdings verwirrt mich der Wortlaut des Beispiels der D002:


    Zitat


    Entscheidend für die Auswahl der Hauptdiagnose sind die Umstände der Aufnahme. Somit ist
    der Myokardinfarkt die Hauptdiagnose, weil dieser die Aufnahme hauptsächlich veranlasste.


    wieviel Wertschätzung muss ich denn nun dem Aufnahme-Veranlassungsgrund widmen?


    Als Beispiel:


    Pat. kommt mit einem Herzinfarkt, welcher definitiv Grund zur Aufnahme gewesen ist, dieser wird auch behandelt. Nebenbefundlich hat der Pat. eine andere Erkrankung, welche definitiv nichts mit dem Herzinfarkt zu tun hat (z.B. eine simple Fraktur mit \"ambulantem Potential\"), welche jedoch einen größeren Aufwand verursachte.


    Was ist nun die HD? Veranlasst wurde die Aufnahme durch den Herzinfarkt, allerdings hat die Fraktur, welche theoretisch ambulant behandelt werden könnte (wäre der Herzinfarkt nicht eingetreten), einen größeren Aufwand verursacht.



    Vielen Dank für jegliche Hilfestellung zur Sortierung meiner Gedanken

  • Hallo DRG_Fan,


    alle Aussagen in DKR D002 stehen \"unterhalb\" der grundsätzlichen Vorgabe der Hauptdiagnosedefinition. Anders gesagt: der Abschnitt \"Zwei oder mehr Diagnosen, ...\" steht explizit unter dem Vorbehalt, dass beide Diagnosen gleichranging für die Aufnahme des Patienten verantwortlich sind.


    Das bedeutet: eine Erkrankung, welche die Aufnahme des Patienten nicht veranlasst hat (etwa weil sie ambulant behandelt worden wäre, wie die von Ihnen genannte Fraktur), kommt erst gar nicht als Hauptdiagnose in Betracht. Bei der Kombination \"Akute Tachykarde Rhythmusstörung / Dekompensierte Herzinsuffizienz\" sieht es hingegen anders aus: hier liegen zwei diskrete Erkrankungen vor, von denen auch jede einzelne zur Aufnahme geführt hätte. Daher wird hier die Regelung der \"konkurrierenden\" Hauptdiagnose nach Ressourcenverbrauch angewendet.


    Nun alles klar?


    Mit freundlichen Grüßen


    Markus Hollerbach