Fieberkrampf oder Status epilepticus

  • Moin in die Runde,


    bei einem Kind ist ein 60-minütiger erster Krampfanfall bei Fieber / Bronchitis aufgetreten. Die Gretchenfrage ist nun: Fieberkrampf als Nebendiagnose mit der Bronchitis als Hauptdiagnose oder Status epilepticus als Hauptdiagnose und Bronchitis als Nebendiagnose?


    Eigentlich eine einfache Frage, ich bin dennoch überfragt (;-((.


    Beste Grüße

    wertschätzende Grüße an
    alle Gesundmacher(innen)
    und Gesundmacher(innen)bezahler(innen),
    Dr. S. Siefert
    Medizinmanagement und Arzt
    Kath. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift
    Freie und Hansestadt Hamburg

  • Hallo,
    also für mich sind Fieberkrampf und Status epilepticus zwei völlig unterschiedliche Krankheitsbilder.
    Zu einem Status epilepticus gehört für mich die Diagnose einer Epilepsie.
    Ein Fieberkrampf ist aber (noch) keine Epilepsie, ein 60minütiger Fieberkrampf ist dann "nur" ein sog. komplizierter Fieberkrampf.
    So zumindest meine Theorie aus Kinderklinikzeiten...


    Daher ja auch im ICD in zwei verschiedenen Kapiteln und hier also die Bronchitis HD und Fieberkrampf als ND lt. DKR.

    Liebe Grüße aus Sachsen
    D. Zierold

    Einmal editiert, zuletzt von D. Zierold ()

  • Ich versuche mal das Gegenargument: Ein Diabetiker, der im hypoglykämischen Schock einen 60mehr als 15-minütigen KA erleidet, hätte demnach auch keinen Status epilepticus?
    Beste Grüße!

    wertschätzende Grüße an
    alle Gesundmacher(innen)
    und Gesundmacher(innen)bezahler(innen),
    Dr. S. Siefert
    Medizinmanagement und Arzt
    Kath. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift
    Freie und Hansestadt Hamburg

  • Hallo,
    ja - würde ich auch "nur" mit R56.8 als ND darstellen.


    Aber vielleicht sind Neurologen hier unterwegs???

    Liebe Grüße aus Sachsen
    D. Zierold

  • hallo!


    Ein Status epilepticus ( SE ) liegt vor, wenn die epileptischen Krämpfe 30 min oder länger anhalten.
    Für einen SE muss man keineswegs eine Epilepsie haben, früher nicht und auch jetzt nicht. Anhaltende epileptische Entäußerungen genügen, wie der Name SE schon sagt.
    Nicht einmal die Hälte der SEs ist in der 1. Welt durch eine Epilepsie bedingt, in Infektionsgebieten, zb subtropisches Afrika, keine 10% ( SE/ Fieberkrämpfe bei Malaria )
    ( Wer das nicht glaubt >> ilae.org )


    hallo siefert!
    Warum eine derart ungenaue Fallbeschreibung?
    Falls das Kind zuhause eine Bronchitis mit Fieber hatte, zuhause anfing zu krampfen und dann zur stat. Aufnahme gebraucht wurde, ist die HD natürlich SE.
    Nur wenn das Kind wegen der Bronchitis mit Fieber stationär aufgenommen wurde und auf der Station den ersten Krampfanfall bekam, ist HD Bronchitis, ND SE.


    Ein Patient mit einem 15 min KA bei Hypoglykämie hat keinen Status. Therapie ist hier nicht das Thema, nur Kodierung.

    mfg ET.gkv

  • Hallo ET,



    Definition und Klassifikation (Leitlinie Status epilepticus)


    Begriffsdefinition
    Ein Status epilepticus (SE) ist ein prolongierterepileptischer Anfall bzw. durch rezidivierende, d.h. mindestens 2 epileptische Anfälle ohne zwischenzeitliche Wiedererlangungdes vorbestehenden neurologischen Befundes in einem umschriebenen Zeitraum gekennzeichnet. Dies gilt für allesemiologischen Formen des SE. Es gibt operationale und konzeptionelle Definitionen, wie lange ein epileptischerAnfall dauern muss, um einem SE zu entsprechen. In epidemiologischen Studien wird in der Regel eineMindestdauer von 30 Minuten gefordert, um eine hohe diagnostische Sicherheit zu erzielen. Im klinischen Alltagist jedoch eine operationale Definition sinnvoller, nach der ein epileptischer Anfall bereits nach 5 Minuten Dauer einenSE definiert. Da eine spontane Terminierung eines epileptischen Anfalls nach dieser Dauer zunehmendunwahrscheinlich wird, sollte eine pharmakologische Intervention spätestens 5 Minuten nach Beginn des SEerfolgen.


    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie


    Als Status epilepticus (in der Neurologie oft kurz Statusgenannt) werden ein außergewöhnlich lange andauernder epileptischer Anfall oder eine Serie von Anfällen bezeichnet, wenn dasIntervall zwischen den einzelnen Anfällen so kurz ist, dass der Ausgangszustand bei der Bewusstseinslage und anderen Körperfunktionen nichtmehr erreicht wird.
    Ein Status epilepticus kann grundsätzlich bei allen Artenvon epileptischen Anfällen auftreten. Je nach Art der Anfälle und Dauer des Status kann dieser zuschweren Schädigungen führen und auch lebensbedrohlich werden.


    Status epilepticus - DocCheck Flexikon


    Definition
    Als Status epilepticus bezeichnet man einen persistierenden epileptischen Anfall.
    ….
    Bezüglich ..
    ..... ist hier nicht das Thema, nur Kodierung bin ich mir ganz sicher, dass kein Gutachter einen Status ohne Epilepsie anerkennen wird. Selbst mit Kommentaren und Leitlinien aus den USA und Co...


    Gruß
    ochpowi

  • hallo ochpowi!


    Zuerst mal vielen Dank für die ausführlichen Abschriften.
    Der Kürze wegen wiederhole ich die von DocCheck:
    Als SE bezeichnet man einen persistierenden epileptischen Anfall.


    Trotzdem schreiben Sie nur 1 Zeile tiefer:
    ... dass kein Gutachter einen Status ohne Epilepsie anerkennen wird.


    Sie ersetzen < epileptischen Anfall > einfach durch < Epilepsie >!
    Kann es sein, das Sie denken, das sei das gleiche?
    Kann es sein, das Sie den Unterschied zwischen einem epileptischen Anfall und Epilepsie nicht kennen?
    Kann es sein, Sie denken, wer einen epileptischen Anfall habe, der habe eine Epilepsie?


    Unser Diabetespatient hier im thread hat ein gesundes Gehirn, ist kein Epilepsie-Patient. Trotzdem bekommt er in der Hypoglykämie einen epileptischen Anfall ( im Deutschen nennt man das einen Gelegenheitsanfall ).
    Abhängig von der Dauer des Anfalls ist die Kodierung:
    unter 30 min: epileptischer Anfall pos. / 30 min neg. / Epilepsie neg. >> R56.8
    30 min und länger: epileptischer Anfall pos. / 30 min pos. / Epilepsie neg. >> G41.-
    ( man beachte auch die Exkl. unter G40.- )


    Auch ich hoffe, das kein Gutachter einen Status epilepticus ohne epileptischen Anfall anerkennen wird.


    Nachtrag zu Fieberkrämpfen: In der MonatschrKinderheilkd 2013; 161: 953-961 findet sich diese Definition
    " Fieberkrämpfe sind epileptische Gelegenheitsanfälle."


    mfg ET.gkv

    Einmal editiert, zuletzt von ET.gkv ()

  • Hallo,


    nun muss ich auch noch meinen Senf dazu geben. Ebenfalls im DocCheck (Fieberkrampf und Krampfanfall bei Fieber war ja mal der Ausgangspunkt) findet man unter 3.2 Komplizierte Fieberkrämpfe: "Komplizierte Fieberkrämpfe gehen als Komplikation häufiger in einen Status epilepticus über". Somit scheint eine Epilepsie nicht unbedingt Voraussetzung für einen Status epilepticus zu sein, wenn man denn dem DocCheck vertrauen kann. Noch so am Rande, ein Fieberkrampf ließe sich auch spezifisch mit einer R56.0 abbilden. Warum die R56.8 bemühen?


    MfG findus

    MfG findus

  • Hallo Findus,


    mit der R56.0 wird der Fieberkrampf kodiert - hier geht es jedoch um den Status...
    Darum bin ich auch der Meinung keinen Status epilepticus kodieren zu dürfen. Jedoch werden da die Meinungen auseinandergehen...


    Ich habe schon seit Jahren ein interessantes Buch, das seit einiger Zeit kostenlos als PDF-Datei gedownloadet werden kann... (ich hoffe das der Link eingestellt werden darf) - über Google gefunden -> Direktlink - http://www.diskussionszentrum.…diagnoseepilepsie.doc.pdf


    @ ET.gkv
    kann es sein, das Sie denken, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben?
    kann es sein, ein spezieller Fachmann in sämtlichen Bereichen der Kodierung zu sein?
    .... dann helfen Sie mir doch bitte bei Entschlüsselung, der von mir kürzlich entdeckten Kodierung.... R14 mit der G46.8*
    Ich danke Ihnen...


    Mit freundlichem Gruß
    ochpowi

  • Hallo ochpowi,
    dann haben sie wohl meinen Post falsch verstanden. Wenn es ein "einfacher" Fieberkrampf" war, dann wäre als Diagnose R56.0 und nicht R56.8 (wie sie bei D. Zierold und ET.gkv auftauchen) anzugeben.


    Wenn ferner die Komplikation eines "komplizierten" Fieberkrampfes ein Status epilepticus sein kann, dann wäre m.E. nicht die R56.0 zu kodieren, denn die wäre m. E. im Status epilepticus dann schon drin. Aber das ist sicher, wie sie schon schrieben, Ansichtssache.


    Und um ET.gkv mal zu unterstützen. Dies ist ein Diskussionsforum. Unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen sind kein Grund beleidigend zu werden. Das ist nicht nur kontraproduktiv, sondern dürfte auch gegen jegliche Nettiquette sein.


    MfG findus

    MfG findus

  • Hallo,


    ich gebe Ihnen vollkommen Recht!


    somit eine Entschuldigung meinerseits ... !!!!


    Mit freundlichem Gruß


    ochpowi

  • Hallo ochpowi,


    auch wenn ich den Beitrag von ET ebenfalls ein wenig provokant empfinde, muss ich ihm zustimmen. Eine Epilepsie und ein epileptischer Anfall sind zwei verschiedene Dinge. Ich würde o. g. Fall auch mit einem Status kodieren. Sie finden in der Klassifikation die Nummer für einen Status auch nicht unter denen für die Epilepsie:


    G40 Epilepsie
    G41 Status epilepticus


    Vieleicht kann ein Neurologe sich noch einmal dazu äußern.


    Liebe Grüße



    Nachtrag:


    Ich habe mir Ihre pdf-Datei einmal angesehen. Dort wird ebenfalls unterschieden:



    Gelegenheitsanfälle


    Gelegenheitsanfälle sind epileptische Anfälle, die nur bei bestimmten Gelegenheiten auftreten und deswegen nicht mit einer Epilepsie gleichzusetzen sind. Sie werden durch besondere Bedingungen ausgelöst oder haben einen erkennbaren Anlass, weshalb sie auch provozierte oder akut symptomatische Anfällen genannt werden.


    Die häufigsten Formen von Gelegenheitsanfällen sind im Kleinkindesalter


    epileptische Fieberanfälle („Fieberkrämpfe“ siehe S. 25)



    Status epilepticus


    Als Status epilepticus (Mehrzahl Status epileptici oder epileptische Staten) werden länger als eine halbe Stunde anhaltende einzelne epileptische Anfälle oder rasch aufeinander folgende Anfälle bezeichnet, bei denen es zwischenzeitlich nicht zu einer Erholung kommt. Wie bei den verschiedenen Formen epileptischer Anfälle gibt es epileptische Staten mit und ohne Krampfen („konvulsiver“ bzw. „nichtkonvulsiver“ Status) und solche mit und ohne Bewusstseinsverlust (z.B. „Grand-mal“-Status und Status fokaler Anfälle ohne Bewusstseinsstörung).



    Nachtrag 2:


    Fieberkrämpfe sieht man vorwiegend bei 3-5 Jahre alten Kindern (selten auch Säuglingen) in Verbindung mit Fieber ohne Zeichen einer sonstigen Beteiligung des Nervensystems oder einer anderen nachweisbaren Ursache. Bis zu 4% aller Kinder sind betroffen, wobei eine genetische Disposition besteht bei bis zu 40%. 'Benigne' oder 'einfache' Fieberkrämpfe sind flüchtig, vereinzelt und generalisiert; 'komplizierte' Attacken sind entweder vom fokalen Typ, dauern länger als 15 min oder wiederholen sich mindestens zweimal in < 24 h. Fieberkrämpfe sind epileptische Gelegenheitsanfälle, die im Säuglings- und Kleinkindesalter in Verbindung mit Fieber (ab 38,5° C) auftreten, ohne daß ein Hinweis auf eine intrakranielle Infektion oder eine andere definierte zerebrale Ursache vorliegt. Fieberkrämpfe sind von Epilepsien abzugrenzen, welche durch das wiederholte Auftreten afebriler Krampfanfälle gekennzeichnet sind. Kurzdauernde, generalisierte und isoliert während einer Fieberperiode auftretende Anfälle als werden als "einfache" oder "unkomplizierte" Fieberkrämpfe bezeichnet. Diesen werden "komplexe" oder "komplizierte" Fieberkrämpfe gegenübergestellt, die länger als 15 Minuten anhalten, fokal ablaufen oder wiederholt während einer Fieberperiode auftreten. Das Risiko des Kindes, durch einen Fieberkrampf zu versterben oder bleibende neurologische und mentale Folgeschäden zu erleiden, ist sehr gering und auf die Fälle beschränkt, die einen stundenlangen febrilen Status epilepticus erleiden. Insgesamt ist das Auftreten von Fieberkrämpfen mit einer leicht erhöhten Inzidenz von späteren afebrilen Krämpfen verbunden (2% entwickeln eine Epilepsie)


    http://www.neuro24.de/epilepsie_fieberkraempfe.htm

    3 Mal editiert, zuletzt von S.Poetzsch ()