Placentainsuffizienz - O36.5?

  • Hallo werte Gemeinde,


    ich benötige die Hilfe von geburtshilflich Erfahrenen.


    Eine Schwangere (39. SSW+1) wird bei vorzeitigem Blasensprung aufgenommen, spontane Wehen, PDA, dann im Verlauf im CTG stark eingeschränkte HF Oszillation und späte Decelerationen, sekundäre Sectio, die unstrittig ist.


    Geburt, männlich, Gewicht 2700 g, Länge 48,5, Kopfumfang 33 cm.


    Neben der O68.0 wurde die O36.5 (u.a. Placentainsuffizienz) kodiert. Seitens der Gynäkologen wird ausgeführt, dass die CTG-Veränderungen unter der Geburt unter anderem Ausdruck der Placentainsuffizenz waren und zur sekundäre Sectio veranlasst haben.


    Ist das eine stichhaltige Argumentation oder betrifft die Kodierbarkeit der O36.5. tatsächlich nur Gegebenheiten, bei denen anderweitiger Aufwand wegen Wachstumsretardierung betrieben wird?


    Bin dankbar für Hilfe.


    Viele Grüße


    Medman2

  • Hallo medman2.


    Wenn die klinische Dokumentation explizit beschreibt/beinhaltet, dass die sekundäre Sectio (oder irgendetwas anderes, was dem Begriff Aufwand nach DKR 201X D003 entspricht) infolge der Plazentainsuffizienz erfolgt ist - kodieren und kein Problem.


    Weist die klinische Dokumentation derlei nicht auf ist die O36.5 m. E. nicht kodierbar.

    Es fehlt am dafür erforderlichen Aufwand.

    Der Zustand, welchen der Kode O36.5 voraussetzt, ist gegeben

    Kind hat ein Geburtsgewicht von 2700 g und ist damit 3. Perzentile (zu leicht für das Gestationsalter).

    Die Geburtslänge liegt auf der 6. Perzentile (grenzwertig zu klein für das Gestationsalter).

    Der Geburtskompfumfang liegt auf der 4. Perzentile (grenzwertig zu klein für das Gestationsalter).

    Die Symmetrie (sprich sowohl zu klein, zu leicht und zu 'kleinkopfig') spricht in der Tat für eine Plazentainsuffizienz.

    Zum Nachrechnen siehe http://www.pedz.de


    Das passt auch zur Beschreibung von O36.5:

    Zitat
    Betreuung der Mutter wegen fetaler Wachstumsretardierung

    Betreuung der Mutter wegen festgestellter oder vermuteter fetaler Retardierung:

    • Plazentainsuffizienz
    • zu klein für das Gestationsalter [Small-for-dates]
    • zu leicht für das Gestationsalter [Light-for-dates]

    Der Knackpunkt ist die 'Betreuung' der Mutter und der hierfür erforderliche Aufwand.


    Idealtypisch wäre in der klinischen Dokumentation z. B. zu finden:

    Sectio wg. Dip II und V.a. Plazentainsuffizienz.


    Die CTG-Anomalien (Dezelerationen II wohl) werden über die O68.0 dargestellt. Der Aufwand ist ja über die Sectio fix.


    Vielleicht als 'interne Diskurs-Brücke':

    Medizinisch sind die Angaben der Gynäkologischen Kolleginnen und Kollegen absolut plausibel.

    Sozialmedizinisch (abrechnungstechnisch) infolge der Aufwandsregelung der DKR 201X D003 für Nebendiagnosen aber nicht ohne weiteres (Aufwand). Eine Thrombozytenzahl von 80000/µL ist medizinisch eine Thrombopenie (oder ein Durchfallen in jeder Art von medizinischer Prüfung). Ohne dokumentierten Aufwand bezogen auf die 80.000/µL Thrombos ist das für das DRG-System gar nichts.


    Gruß

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    Dr. med. A. Christaras
    FA Kinder- & Jugendmedizin

  • Hallo Herr Dr. Christaras,


    vielen Dank für die prompte und umfassende Antwort.


    Gibt es hier andere Meinungen?


    Viele Grüße


    Medman2

  • Hallo Medman2,

    Ich stimme Herrn Christaras zu. Die Diagnose O36.5 liegt vor, der Betreuungsaufwand für die Mutter ist zu belegen.

    Noch ein Aspekt: Gemäß der GBA Richtlinie für Neugeborene ( QFR-RLVolltext hier) sollen Schwangere mit einem Wachstumsretardierten Kind mindestens in einem Level 3 ( Perinataler Schwerpunkt) Krankenhaus geburtshilflich betreut werden. Wenn die Frau also speziell in so ein Level 3 Zentrum eingewiesen wird, könnte das m.E. Schon die geforderte Betreuung darstellen. In einer Geburtsklinik ( Level 4) kann dagegen der Kode in der Regel nicht abgerechnet werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Hallo Herr Breitmeier,


    vielen Dank. Es ging mir um die Konstellation fetale Wachstumsretardierung als Ausdruck einer Placentainsuffizienz, pathologisches CTG und eilige Sectio, die Grundlage der Kodierung O36.5 sind.


    Viele Grüße


    Medman2