Ivertiertes Papillom der Nasenhaupthöhle

  • Guten Tag zusammen,


    mit welchem ICD-10 verschlüsselt man am besten ein invertiertes Papillom vom Transitionalzelltyp der Nasenhaupthöhle?


    Bis jetzt habe ich nur ein Nasenpapillom gefunden, welches aber in der ICD-10 eher unter gutartig fällt


    VLG

  • Es ist eigentlich ganz einfach:


    Ein bösartiger Tumor der Nasenhöhle erhält den Code C30.0
    Ein gutartiger Tumor D14.0
    Ein Tumor unbekannter Dignität D38.5


    Mit freundlichen Grüßen,


    Markus Hollerbach

  • Hmm, dann können Sie mir sicherlich auch sagen was invertiert bedeutet, denn im Pschyrembel habe ich die Bedeutung nicht finden können!


    Danke Gruß aus Saarbrücken

  • Liebe Codiererin,
    bei solchen Beispielen zweifel ich immer wieder daran, ob es sich die ärztlichen Kollegen nicht zu einfach machen, das Kodieren zu delegieren. Was ich im folgenden versuche zu erklären, wird nicht nur den HNO-Kollegen sondern auch den Pathologen Kopfschmerzen bereiten.


    Histologie-Bezeichnungen können im Anhang der ICD-10 "Morphologie der Neubildungen" nachgeschlagen werden, allerdings finden Sie dort keine Synonyme, diese sind aber in der sogenannten ICD-0-3 (Onkologie-Version der ICD-10, Hrsg. WHO / DIMD I) enthalten.


    Der Begriff "Papillom" bedeutet nicht automatisch "gutartiger" Tumor!
    Für "Papillom, invertiert" finden Sie den Morphologie-Schlüssel M 8053/0 (0 bedeutet gutartig). Ihr Pathologiebefund lautet aber "invertiertes Papillom vom Transitionalzelltyp". Hierzu finden Sie das Synonym "Transitionalzell-Papillom, invertiert" , entsprechend "Übergangszell-Papillom, invertiert" mit dem Kode M8121/1 (1 bedeutet Tumor unsicheren oder unbekannten Verhaltens). Also wäre dieser Tumor in der Nasenhaupthöhle mit D38.5 zu kodieren, statt mit D14.0. Dies kann zu völlig unterschiedlichen DRGs führen. Ich schätze mal, dass dies von 95% der Kodierer z.Zt. falsch verschlüsselt wird.
    Folgendes macht mich allerdings stutzig: Transitionalzell-Tumore kommen üblicherweise im Bereich der ableitenden Harnwege vor. Ist sich der Pathologie mit diesem Befund wirklich sicher ? Wenn Sie aufgrund einer fehlerhaften Histo-Befundung hier eine erlössteigernde Fehlkodierung vornehmen, ist der Pathologe dafür verantwortlich !
    Beste Grüße aus Berlin, der Hochburg der Kodiersoftware!
    --
    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    DGCH, Berlin

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen, gibt es seit den letzten Einträgen von 2004 zu diesem Thema Neuigkeiten?
    Ich habe das invertierte Papillom als NB unsicheren Verhaltens D38.5 kodiert mit dem Hinweis, daß dies als Präkanzerose eine solche ND unsicheren Verhaltens im wahrsten Sinne des Wortes ist.
    MDK und Kasse sehen das natürlich anders und wollen gutartige NB.
    Ich hätte nicht schlecht Lust, die Sache einzuklagen. Gibt es das Erfahrungen?


    Gruß und frohes Schaffen - M.P.M.

  • Hallo Dr. M, auch zwittrig seien Sie herzlich begrüßt in diesem Forum!


    Es haben sich keine neuen Gesichtspunkte seit 2004 ergeben, das invertierte Papillom wird weiter unter dem Morphologie-schlüssel M8053/0 in der ICD-10 gelistet, also als gutartiger Tumor klassifiziert. Eine Präkanzerose an sich ist aus Sicht der Pathologie noch kein \"Tumor unsicheren Verhaltens\" - so sind auch bestimmte Dysplasien noch nicht einmal als Neubildungen klassifizierbar (z.B. Prostata PIN 1. Grades etc.).
    Der MDK liegt somit völlig richtig, eine Klage halte ich berechtigterweise für völlig aussichtslos.
    Beste Grüße und viel Spaß hier im Forum!

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin