Kodierung des Keimträgers Staphylococcus Aureus

  • Herr Breitmeier, lasse mich gerne überzeugen, aber wo Bitte haben Sie diese Information her?

    Über der Tabelle steht:" Alle Ausrufezeichenkodes, die in Tabelle 2 aufgeführt sind, sind obligat anzugeben".


    Lese nicht, das diese für eine Krankheit verantwortlich sein müssen.

  • Guten Morgen,

    es heißt in der DKR Tabelle 2


    Tabelle 2: Mit einem Ausrufezeichen gekennzeichnete Kategorien/Kodes, die

    obligatorisch anzugeben sind (nicht optional):


    B95.–! Streptokokken und Staphylokokken als Ursache von Krankheiten, die in anderen

    Kapiteln klassifiziert sind


    B96.–! Sonstige näher bezeichnete Bakterien als Ursache von Krankheiten, die in

    anderen Kapiteln klassifiziert sind


    B97.–! Viren als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind


    B98.–! Sonstige näher bezeichnete infektiöse Erreger als Ursache von Krankheiten, die

    in anderen Kapiteln klassifiziert sind

    etc.


    Man kann sich höchsten darüber streiten, ob das Besiedeln der intakten Haut mit Keimen, bereits eine Erkrankung darstellt. Man stelle sich eine Abstrich am Anus vor, dort findet sich garantiert ein solcher Keim. Ich denke Niemand wird da auf die Idee kommen, dass dies krankhaft sei.

    Einmal editiert, zuletzt von WofA ()

  • Ich denke Niemand wird da auf die Idee kommen, dass dies krankhaft sei.

    Medizinisch nicht, klassifikatorisch schon.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo Herr Rembs,


    Wo hat das DIMDI denn diese Aussage veröffentlicht?

    In der ICD10 steht nur, dass bei Z22- 29 potentielle Gesundheitsrisiken kodiert werden.

    Semantisch können das dann m.E. Keine Krankheiten sein.

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Guten Tag Herr Breitmeier,

    medizinisch sehe ich das genau so wie Sie (und auch einige anderen Teilnehmer). Wir diskutieren aber über die Abrechnung und nicht um die medizinischen Sachverhalte. Es gibt dabei durchaus Unterschiede. Medizinisch macht es keinen Sinn, dass ein Logopäde bei einer geriatrischen Teambesprechung über Pat. mit Schenkelhalsfraktur mit am Tisch sitzt. Abrechnungstechnisch wird das aber gefordert. Man kann diese Liste fortsetzen (Temperatur-Monitoring bei jedem Schlaganfall, SIRS-Kriterien). Die Kodierung der Keime kann man m.E. hier gut einordnen. Meinen Sie nicht?

    Viele Grüße!

  • Hallo C-3PO,


    Da Sie mich konkret gefragt haben: Ich würde weiterhin in der hier diskutierten Fallkonstellation die B95 nicht kodieren, weil der Wortlaut des Kodes nicht erfüllt ist. Das ist der Unterschied zu den von Ihnen genannten „medizischen Unsinnigkeiten“.

    Und es macht auch abrechnungstechnisch keinen Sinn, solche Kodes inflationär einzusetzen, weil sie dann spätestens in 2 Jahren als Kostentrenner bei echter Infektionen fehlen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Hallo,

    die Auffassung, dass ein Keim nur beim vorliegender Erkrankung kodiert werden kann, ist für mich gut nachvollziehbar. Ich habe dies auch einmal vertreten.


    Ich darf gleichwohl nochmals auf bereits Gesagtes hinweisen:


    Die Entwicklung der DKR spricht gegen diese Auffassung.


    In der einschlägigen Bestimmung der DKR D012 - Überschrift zu Tabelle 2 - im Jahr 2009 wurde noch ausgeführt:

    • „Alle Ausrufezeichenkodes, die in Tabelle 2 aufgeführt sind, sind bei Vorliegen bestimmter Diagnosen obligat anzugeben. Darüber hinaus können diese Ausrufezeichenkodes bei anderen Situationen angegeben werden, wenn dies aus klinischer Sicht sinnvoll ist.“
      (Unterstreichung durch Verfasser)

    Diese Anweisung wurde an gleicher Stelle der DKR im Jahr 2010 reduziert auf:

    • „Alle Ausrufezeichenkodes, die in Tabelle 2 aufgeführt sind, sind obligat anzugeben.“

    Hierbei wurde die Voraussetzung „bei Vorliegen bestimmter Diagnosen“ entfernt, sodass die Keime kraft Anweisung der DKR obligat und ohne Einschränkung zu kodieren sind.


    Anlage B der DKR 2010 weist aus, dass es sich hierbei um eine beabsichtigte Klarstellung handelt:

    • „D012i Mehrfachkodierung - Klarstellung hinsichtlich der Verschlüsselung von Ausrufezeichenkodes aus den Tabellen 1 und 2 ...“

    Daraus ergibt sich für mich, dass es keiner Erkrankung bedarf.


    Viele Grüße


    M2

  • Hallo,


    diese Diskussion haben wir seit Anbeginn der DKR. Neues wurde dort nie wirklich klärend kommuniziert, es bleiben immer die gleich Fronten: "Nur bei Infektion auch Keim" gegen "Immer Keim, wenn ich ihn kenne". Wenn man es richtig machen wollte, würde man es auch so klar in die DKR schreiben. Bei den unterschiedlichen Interessenlagen ist aber so eine Klarstellung wohl nicht konsensfähig.


    Prinzipiell stehen die unterschiedlichen Interpretation ja so aus:


    Wenn keine Krankheit vorliegt, lediglich eine Kontamination, kann nur Z22.3 angegeben werden, nicht zusätzlich der (gefundene) Keim mit z. B. B95.7. Dies sei nicht möglich, weil B95.7 im Text besagt „Sonstige Staphylokokken als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind“ und somit der Kode nur angeben werden kann, wenn der Keim auch eine Krankheit aktuell verursacht. Zudem seien Kodes aus Kapitel XXI laut dortiger Einleitung für „Diagnosen“ oder „Probleme“ anzugeben, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äußere Ursache unter der Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind. Somit liegt keine Erkrankung vor, nur eine „Diagnose“, womit auch klassifikatorisch dies nicht als Krankheit gelten könne. Ausnahmen wären nur Kodes wie z. B. U80.0, dies könne man auch mit dem Z-Kode kombinieren, da im Text kein Bezug zur Ursache einer Krankheit hergestellt wird.


    Die andere Seite:

    Die Formulierung „Sonstige Staphylokokken als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind“ könnte man ggf. auch so interpretieren: Dies beschreibt nur, dass der Keim Ursache von Krankheiten ist, welche in anderen Kapiteln klassifiziert sind. Dies ist korrekt, da der Keim diese Krankheiten auslösen kann, bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass auch eine Krankheit vorliegen muss. Daher ist auch die Kombination mit dem Z-Kode möglich, unabhängig von der im Vorwort des Kapitels XXI dargestellten Unterscheidung nach „Problemen/Diagnosen“ und „Krankheiten“ (zudem ist nach den DKR die Angabe von Keimen obligat).


    Auch ich habe das schon ausgiebig mit dem DIMDI diskutiert, mit dem Ergebnis, dass dort aus klassifikatorischer Sicht eine Keimbesiedelung (i. S. Keimträger anderer näher bezeichneter bakterieller Krankheiten) mit Z22.3 zu verschlüsseln ist, dazu dann die entsprechenden Keimkodes.


    Das wäre auch mal was für den Schlichtungsausschuss, der uns ja nicht gerade häufig mit Klärungen verwöhnt. "Obligat" meint nach unserem Duden: "durch ein Gesetz o. Ä. vorgeschrieben, verbindlich". Damit könnte man meinen, es sei alles gesagt....


    medman2 : Zu ihrer Interpretation der DKR-Formulierungsänderung bitte mal ganz vorne im Thread lesen. Das kann man anders sehen.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Selter,

    in etwa so wie Sie es darstellen trage ich es auch Fortbildungen für Richter an Sozialgerichten vor. Und immer mit dem Zusatz: die Selbstverwaltung könnte es klären, wenn sie es denn wollte. Aber die verharrt lieber in der Blockadehaltung.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • //offtopic

    genauso wie man neben DKR, ICD und OPS auch die PrüfvV und FPV längst mal klarer formulieren müsste... dann darf man sich natürlich am Ende nicht darüber beschweren, wenn Gerichte die Spielräume in die eine oder andere Richtung auslegen - gerade aus KH-Sicht erscheint mir dieses Vorgehen angesichts der Kasseler Auguren ziemlich fahrlässig. Aus dem GKV-SpV hört man zudem häufiger, dass die Blockade überwiegend von der DKG ausgehe und man grds. für klarere Formulierungen wäre. Ist doch auch ein ziemliches Armutszeugnis für die Selbstverwaltung, wenn man immer erst unter dem Druck der Rechtsprechung zu Klarstellungen bereit ist. Die Folge ist letztlich irgendwann, dass man der Selbstverwaltung diese Aspekte wieder entzieht und ob man dann mit den Vorgaben aus dem BMG besser fährt wage ich zu bezweifeln.

    MfG, RA Berbuir