Anämie versus respiratorische Insuffizienz

  • Hallo miteinander,
    wir nahmen einen Patienten mit unklarer Dyspnoe (Einweisungs- und Aufnahmediagnose) zur weiteren Diagnostik/Therapie auf. Diagnostiziert wurde eine (Blutungs-) Anämie (aufwendige unterschiedliche Laboruntersuchungen und Focussuche, Gabe von Ery- Konz.) und eine respiratorische Insuffizienz (Gabe von O2 und VO eines Konzentrators). Der Gutachter kann die Wahl der HD nicht nachvollziehen. Begründung ist, dass erst in den Laboruntersuchungen die Anämie festgestellt wurde. Laut MDK ist als HD J96.1 als Grundlage für die zur Aufnahme führenden Dyspnoe zu kodieren. :d_neinnein:
    Unsere Ärzte werteten die Dyspnoe als ein Symptom der Anämie. Gemäß DKR (zwei Diagnosen die gleichermaßen der Definition der HD entsprechen) entschied der behandelnde Arzt, dass die Anämiediagnostik-/Therapie mehr Ressourcen verbraucht hat und benannte sie so als HD. :d_niemals:
    Wie sehen Sie die Problematik? Gibt es Argumente besonders aus ärztlicher Sicht für oder gegen unsere Sicht der Dinge? :augenroll:


    Vielen Dank für Ihre Bemühungen!
    Herzliche Grüße
    medcont


    PS: Ich habe die Suchfunktion bemüht, aber so recht nichts gefunden. Hab ich`s übersehen? Dann bitte ich um die entsprechenden Info´s.

  • Guten Tag,



    http://www.buchhandel.de/WebAp…MmoId=2995805&mmoType=PDF



    siehe Seite2



    http://www.ukaachen.de/go/show…oad&NAVID=4779194&NAVDV=0



    Folien 4 und 18, 42, 43



    vom Gutachter wird eine unspezifische Diagnose (chronisch!!) angegeben, owohl die diagnostizierte und behandelte Anämie der Hauptdiagnosendefinition entspricht.




    Bitten Sie den Gutachter um Literatur
    Thema:
    Behandlung der Dyspnoe - chron. respiratorischen Insuffizienz (J96.1) mit Erythrozytenkonzentraten



    Kommentar:


    Von Prof. Sawicki wird folgender Ausspruch berichtet:


    „beruht die Haltung auf Boshaftigkeit oder Unkenntnis?“





    Gruß


    E Rembs

  • Zitat


    Original von medcont:
    Der Gutachter kann die Wahl der HD nicht nachvollziehen. Begründung ist, dass erst in den Laboruntersuchungen die Anämie festgestellt wurde.


    Nach dieser Logik ist also Dyspnoe immer die HD, egal was man als Ursache herausgefunden hat!


    Dass ein solcher Gutachter (!) auf die KHs losgelassen wird, ist schon äußerst bedenklich!
    Hat eigentlich MDK überhaupt irgendwelche interne Regeln oder QS-Maßnahmen zur Vorgehensweise bei der Erstellung eines Gutachens??


    Gruß
    Ordu

  • Hallo Herr Rembs,


    dies ist ein guter Vorschlag :d_zwinker: wenn ich Arzt wäre .... :lach:


    Zitat:
    Bitten Sie den Gutachter um Literatur
    Thema:
    Behandlung der Dyspnoe - chron. respiratorischen Insuffizienz (J96.1) mit Erythrozytenkonzentraten[/code]


    Vielen herzlichen Dank für die Links. Dürfte man (natürlich unter Angabe des Verfassers) aus einem Vortrag zitieren?


    Hallo Herr Ordu,
    das ist aber böse. Vielleicht gab es eine Schulung beim MDK? Nach der Klarstellung zur Kodierung von Symptomen in den DKR? Es ist doch immer ein Versuch wert. Und es würde die Erfolgsquote positiv beeinflussen, denn die Ersparnis liegt bei knapp 52%. Das müssen doch die Krankenhäuser (-Mitarbeiter) verstehen :d_gutefrage:


    Herzliche Grüße
    medcont

  • Hallo allerseits,


    bevor es völlig ins polemische abgleitet, könnte man sich ja auch mal die Frage stellen, ob vielleicht herauszufinden ist, was denn nun die Ursache der Dyspnoe war: O2 hat der Patient ja vermutlich sofort bekommen. Ist die Reaktion darauf dokumentiert? Wurde die Dyspnoe erst nach der EK-Gabe besser, ist damit die Anämie als Ursache ja so gut wie bewiesen, dann stellt sich die Frage der konkurrierenden HDs erst gar nicht mehr.
    DIe Verordnung des Konzentrators zeigt aber auch, dass die respiratorische Insuffizienz irgendeine Bedeutung gehabt haben muss. Ist denn für die Insuffizienz eine Ursache gefunden worden, die fällt ja auch nicht vom Himmel...?


    Verschneite Grüße


    MDK-Opfer

  • Guten Tag,


    in den DKR 002f steht:
    Zwei oder mehr Diagnosen, die gleichermaßen der Definition der Hauptdiagnose entsprechen
    Wenn zwei oder mehrere Diagnosen in Bezug zu Aufnahme, Untersuchungsbefunden und/oder der durchgeführten Therapie gleichermaßen die Kriterien für die Hauptdiagnose erfüllen und ICD-10-Verzeichnisse und Kodierrichtlinien keine Verschlüsselungsanweisungen geben, muss vom behandelnden Arzt entschieden werden, welche Diagnose am besten der Hauptdiagnose-Definition entspricht. Nur in diesem Fall ist vom behandelnden Arzt diejenige auszuwählen, die für Untersuchung und/oder Behandlung die meisten Ressourcen verbraucht hat. Hierbei ist es unerheblich, ob die Krankheiten verwandt sind oder nicht.


    Luftnot als Symptom kann viele Ursachen haben (vgl. den von Hr. Rembs zitierten Vortrag). Es ist keinesfalls ungewöhnlich, daß zwar eine respiratorische Patialinsuffizienz besteht, der zusätzliche Hb-Abfall dann aber erst die Luftnot auslöst. Die HD Blutungsanämie ist völlig korrekt.


    P.S. @ Hr. Rembs: wie finden Sie immer Ihre treffenden Links? :i_respekt:

    Mit freundlichen Grüßen aus dem Rhein-Neckar-Delta


    Dr. Wolfram Stark
    Internist / Pneumologe / Beatmungsmediziner / Kardiologe
    OA der Medizin. Klinik III
    Theresienkrankenhaus Mannheim

  • Hallo miteinander,


    polemisch wollte ich bestimmt nicht sein. Wenn es so verstanden wurde entschuldige ich mich.


    Unsere Überlegungen zur Festlegung der HD haben wir genau so diskutiert, wie Herr Dr. Stark es beschrieben hat. Vielen Dank hierfür.


    Herzliche Grüße
    medcont