Hauptdiagnose: Erstdiagnose Pankreaskarzinom oder Peritonealmetastase mit Ileus?

  • Hallo zusammen,


    Pat. kommt zur Aufnahme wegen therapieresistenter Diarrhoen und V.a. Colitis.
    Die weitere Diagnostik ergibt allerdings ein metastasierendes Pankreaskarzinom. Ursache für die "paradoxen" Diarrhoen waren partiell stenosierende Peritonealmetastasen im Ileozökalbereich, die letztendlich eine Hemikolektomie erforderlich machten!


    Frage nach der HD :rolleyes: ?
    Unter Berücksichtigung der DRK0201n....
    - das erst diagnostizierte Pankreaskarzinom (Beispiel 1) sozusagen am Beginn der Erkrankung stehend
    oder
    - die paradoxe Diarrhoen verursachenden partiell stenosierenden Peritonealmetastasen im Ileozökalbereich (Beispiel 5 oder Beispiel 8 höhere Ressourcen!), die eine Resektion erforderlich machten?


    Besten Dank :thumbup:

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg

  • Hallo!
    Ich würde die Metasen in die HD setzten, da diese den höchsten Ressourcen Verbrauch eingenommen haben.
    Den Primärtumor (gemäß DKR 2017) sowie die funktionelle Diarrhoe in die ND.

  • Bei der Erstdiagnose eines Karzinoms würde ich nach DKR 0201 regelhaft den Primärtumor als HD zuordnen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Tja, wat nu ?(
    Aufnahmegrund waren ja die metastatisch/ileusbedingten paradoxen Diarrhoen, die operativ behandelt wurden.
    Sollte dies nicht doch die HD sein?
    Ich weiß, keines der Beispiele der DRK0201n passt wirklich.
    Oder ist Erstdiagnose Pankreaskarzinom sozusagen das alles bestimmende Argument :?:


    Gruß

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg

  • Hallo,


    das mit der Erstdiagnose finde ich schön pragmatisch, es steht aber nicht so eindeutig in der DKR.


    Problem aus meiner Sicht ist, dass "Malignom" und "Tumor" doch sowohl der Primärtumor als auch die Metastasen sein können.
    DKR besagt: erfolgt die Aufnahme zur Diagnostik/Behandlung des primären Malignoms ist das primäre Malignom HD. Im nächsten Satz steht dann aber nicht mehr primäres Malignom, sondern nur noch Malignom. War das Absicht, bedeutet dieses Malignom auch Metastase?
    Und es steht an einer anderen Stelle: Wenn ein Pat. sowohl zur Behandlung des Primärtumors als auch von Metastasen aufgenommen wird, dann ist nach Ressourcenverbrauch zu gehen.
    Eigentlich wird der Patient ja hier mit einem Symptom zunächst zur Diagnostik aufgenommen; man fand einen Primärtumor als auch Metastasen; die Behandlung der Metastasen hat mehr Ressourcen verbraucht.
    Problem ist hier, dass immer beschrieben wird, dass der Patient zur Behandlung des Tumors aufgenommen wird. Ist hier wirklich gemeint, dass der Patient zur Behandlung (also bei bekanntem Tumor) aufgenommen wird oder ist hier auch die Diagnostik gemeint. Dann wäre hier über den Ressourcenverbrauch die Metastasen die HD.


    Gruß
    B.W.

  • Hallo!


    Gab es einen Aufwand für das Pankreas-CA oder nur die Hemikolektomie aufgrund der Metastasen?


    Das Ganze ist wirklich nicht so einfach. Auch die SEG-4- Empfehlungen scheinen nicht ganz eindeutig zu sein. Ich habe zwei Empfehlungen gefunden, die meiner Ansicht nach, auf den Sachverhalt übertragbar wären, da ähnliche Situation:
    SEG-4-Kodierempfehlung 94 und
    SEG-4-Kodierempfehlung 188
    Ich hoffe, es hilft irgendwie, aber so ganz die Lösung ist es meines Erachtens auch nicht.


    VG
    wurmilein

    Manchmal bist du die Taube und manchmal das Denkmal. :whistling:

  • Hallo wurmilein,


    wichtiger Hinweis, danke, hatte ich vergessen :rolleyes:


    SEG-4 94 bezieht sich speziell auf das CUP-Syndrom, passt also hier weniger.
    SEG-4 188 auf ein bekanntes Mammaca. und neu aufgetretene Metastasen mit Symptomen, die behandelt werden, passt auch nicht ganz :whistling:


    Wir haben ein zufällig erstdiagnostiziertes Pankreaskarzinom im Rahmen abzuklärender paradoxer Diarrhoen, die metastasenbedingt waren und durch OP saniert wurden.


    Ich tendiere weiter zur Peritonealmetastase als HD, selbst wenn der Pat. noch einen Port zwecks CTx für das Pankreasneoplasma bekommt.


    Echt schwierig :cursing:

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg

  • Guten Morgen,



    ich finde Beispiel 8 der DKR 0201 trifft den Sachverhalt hier am ehesten. Und da der größte Ressourcenverbrauch hier unzweifelhaft durch die Peritonealmetastasen verursacht worden sein dürfte, würde ich diese auch als HD nehmen.



    Schöne Grüße


    Dr. Angela Klapos

  • Hallo Frau Klapos,


    ich hatte zu Beginn auch schon Beispiel 8 in Erwägung gezogen und werden entsprechend argumentieren.


    Danke für die Zustimmung :thumbsup:

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg

  • Guten Abend!


    Pat. wird mit dem CT-Verdacht auf eine Peritonealkarzinose in der Inneren aufgenommen.
    Umfangreiche internistische Diagnostik (Sono, Endosono, Gastroskopie, Coloskopie mit Polypabtragung (benigne)). Kein Primarius gefunden.
    Verlegung in die Chirurgie.
    Chirurgisch Laparoskopie, Laparotomie und Peritonealbiopsien. Histo: Metastasen eines Adeno-CAs.


    Ist nun C80.0 (CUP)oder C78.6 (Peritonealkarzinose) die HD?

    Freundlicher Gruß
    Gefäßchirurg

  • Hallo Gefäßchirurg,


    ich würde die C80.0 nehmen, da kein Primärtumor gefunden wurde.


    Viele Grüße
    JAD

  • Guten Morgen,



    ich finde Beispiel 8 der DKR 0201 trifft den Sachverhalt hier am ehesten. Und da der größte Ressourcenverbrauch hier unzweifelhaft durch die Peritonealmetastasen verursacht worden sein dürfte, würde ich diese auch als HD nehmen.

    Das ist genau die Schwierigkeit. Je nach Erlös ist mal der Primärtumor und mal die Metastase als HD angenehmer. Eigentlich müsste aber eine klare Regelung her, bei der finanzielle Erwägungen nebensächlich sind.
    Mein pragmatischer Ansatz daher : bei der Erstdiagnose den Primärtumor als HD zu kodieren

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier