Sectio mit Komplikationen

  • Ich verstehe die DRG-Welt nicht mehr!
    Was muß bei einer Sectio denn passieren, damit sie in die Gruppierung "mit schweren Komplikationen" rutscht?


    Unser Fall:
    Sectio wg.Geburtsstillstand EP bei sehr adipöser Patientin. Postoperativ Hämatomentwicklung zwischen Blase und Uterus - Relaparotomie - wg.Verbrauchskoagulopathie erneut Blutung - Revision.
    Danach auch uterine Blutung (atonisch).
    Sie hat es alles gut überstanden dank Intensivtherapie, aber wir kämpfen mit der Codierung!


    HD ist doch wohl weiterhin die O63.0? Alle ND wie T81.4 (Blutung nch op.Eingriff), Verbrauchskoag.pathie, Anämie etc sind erfasst, und trotzdem sagt unser Grouper : "Sectio ohne Komplikationen"...???


    Was haben wir falsch gemacht?


    Auf Hilfe hofft


    Maja!

  • Hallo, Maja


    das Problem in der Geburtshilfe ist, das ansonsten PCCL-erhöhende Diagnosen wie D62 oder T81.0 hier nicht unbedingt in höherwertige DRG´s führen müssen. Haben Sie die O72.1 dabei , damit müßten Sie zumindest in O01B gelangen? Ansonsten kann ich Ihnen nur Def-Handbuch 3 zur Lektüre empfehlen, dort werden die entsprechenden Diagnosen genannt, die ggf. in O01A führen würden.


    MfG
    AnMa

  • Hallo Forum, Hallo Maja !


    Leider wirken sich die meisten der genannten ND in der geburtshilfe meist nur auf den PCCL, nicht jedoch auf die eingruppierung in eine "schwerere" DRG aus. Fallerschwerend in diesem Sinne wären z.B. die Frühgeburt (O60.1), Primäre Wehenschwäche (O62.0), vz. BS mit Beginn der WT nach ablauf v. 24h (O42.11) und andere.


    In dem von Ihnen geschilderten Fall bräuchte man noch nähere Angaben zum zeitlichen Verlauf. Würde man beispielsweise die von Ihnen geschilderte atonische Nachblutung als


    Zitat

    ICD-10-GM 2004


    O72.1 Sonstige unmittelbar postpartal auftretende Blutung
    Blutung nach Ausstoßung der Plazenta
    Postpartale Blutung (atonisch) o.n.A.


    kodieren können, so wären Sie schon mal bei O01B ....


    Vielleicht können Sie noch einmal etwas über den zeitlichen Verlauf des Falles sagen ?


    Bis dahin,


    MfG


    M. Ziebart


    P.S.:


    Zu Ihrer HD O63.0 sei noch angemerkt, daß diese nur unter Beachtung der DKR 1521a ("Protrahierte Geburt") kodiert werden darf; d.h. die Geburt darf nach mindestens 18h WT nicht unmittelbar bevorstehen.


    "Geburtsstillstand" o.n.A. ist im Diagnosethesaurus mit O75.9 bezeichnet.


    Häufig findet sich jedoch ein Grund für den Geburtsstillstand, den man dann kodieren sollte (z.B. "sek. WS" - O62.1 oder "relatives Mißverhältnis" - O65.4; sehr schön auch die "Mißlungene Geburtseinleitung" - aus O61.- ...)

  • :look:
    Herzlichen Dank für die Antworten, der Dschungel lichtet sich allmählich!
    O63.0 als HD trifft nicht zu, da Pat. ab 1.00 h Wehen hatte, die Sectio erfolgte um 13.00, in der Nacht scheiterte ein PDA-Versuch wg.der Adipositas..! (O74.6?) Bei MM 5 cm Geburtsstillstand und Pat. am Ende.. Intraop. hint.HHL ( geht da O64.0, oder wäre das nur als VE-Indikation brauchbar?)
    9 h postop. Revision wg. Hb-Abfall und Schocksymptomatik: Hämatomentleerung + Drainage, 2 h später erneut BD-Hämatom, dann atonische Nachblutung, unter Nalador sistierend (O72.1?)
    Man könnte doch auch O75.8 oder O75.9 verwenden?


    Im Moment kann ich das alles nicht "durchspielen", da ich mich zu Hause zwischen Waschküche und Herd heimlich an den Computer schleiche und hier natürlich kein DRG-Programm habe.
    Ich werde es morgen versuchen und berichten.


    Heute habe ich als HD mal T81.0 vorgeschlagen, Smiley hat nicht gemeckert, Erlös wäre ca. 6000 E, vs. 2700 E! Aber - ob die DRG X06.A zulässig wäre, da bin ich mir nicht so sicher (MDK?)


    Bis bald!


    Maja

  • Zitat

    Original von Maja:
    1)Im Moment kann ich das alles nicht "durchspielen", da ich mich zu Hause zwischen Waschküche und Herd heimlich an den Computer schleiche und hier natürlich kein DRG-Programm habe.
    Ich werde es morgen versuchen und berichten.


    2)Heute habe ich als HD mal T81.0 vorgeschlagen, Smiley hat nicht gemeckert, Erlös wäre ca. 6000 E, vs. 2700 E! Aber - ob die DRG X06.A zulässig wäre, da bin ich mir nicht so sicher (MDK?)


    Guten Morgen,


    zu 1)
    Falls Sie mal wieder "undercover" arbeiten möchten:
    Es gibt Online-Grouper (z.B. Uni-Münster) die Sie kostenfrei benutzen können.


    Zu 2)
    Wer auch immer Smiley sein mag, er hätte meckern müssen!


    D002c Hauptdiagnose
    Die Hauptdiagnose wird definiert als:
    „Die Diagnose, die nach Analyse als diejenige festgestellt wurde, die hauptsächlich für die Veranlassung des stationären Krankenhausaufenthaltes des Patienten verantwortlich ist.”


    Eine peri-/postoperative auftretende Komplikation kann schwerlich die Veranlassung des stationären Krankenhausaufenthaltes begründen!
    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Maja !


    Danke für die weitere Schilderung, hier mein Vorschlag:


    HD O64.0 (hintere Hinterhauptslage)
    ND Z37.0!
    ND O72.1 (Atonische Nachblutung)
    ND O74.6 (Mißlungene PDA, wg. Adipositas, finde ich vertretbar, MDK wahrscheinlich nicht)


    HP 5-740.1
    NP Kode für Revision zus. mit 5-983
    -> Dieser Kode hängt davon ab, ob Peritoneum erneut eröffnet wurde oder nicht. Da mir diese Information nicht vorliegt, kann ich Ihnen leider nichts genaueres sagen ...
    NP 8-930 ... Sie sprachen von Intensivüberwachung, dann dieser Kode ...


    -> Das war die "Pflicht" damit wäre man in der DRG


    O01A Sectio [...] mit mehreren komplizierenden Diagnosen


    Bleiben noch die div. weiteren ND, der Vollständigkeit halber:


    O90.2 (T81.0 geht m.E. nicht, schon gar nicht als HD (s. Def. HD DKR), da dort Excl. f. Geburtshilfe)


    O99.2 zus. mit wahrscheinlich E66.0 (Adipositas, Geburt komplizierend)


    O99.0 zus. mit D62 (Anämie, von Ihnen nicht erwähnt aber wahrscheinlich doch i.S. einer kodierungsrelevanten ND aufgetreten, oder ? Vielleicht sogar mit 8-800.2 ?


    ggf. wäre noch ein 8-910 auch für die abgebrochenen PDA denkbar, siehe hierzu die DKR P004a ...



    Wahrscheinlich war das noch nicht alles, dennoch sei erst mal Schluß,


    freundliche Grüße,


    M. Ziebart

  • :jay:
    Es hat geklappt - mit Eurer Hilfe!!


    HD O64.0 , ND T81.0, O72.1, D65.1 und D69.50, D62 und diverse andere ND====> DRG O01A!!!


    Ich habe viel daraus gelernt, bin aber froh, dass solche Fälle selten zu codieren sind....


    "Smiley" ist das Icon unseres DRG-Proofs, er weist auf Fehler oder Warnungen mit entsprechender Mimik hin, wechselt auch die Farbe dem Schweregrad angepasst. Rot ist absolute Katastrophe!
    Da hat er aber wohl geschlafen?
    Nochmal zu O62.0 (prim.Wehenschwäche) Gibt es dazu auch eine genauere Definition zeitlicher Art?
    Den Grouper der Uni Münster werde ich mir auf jeden Fall zulegen!


    Nochmal Dankeschön, vielleicht hat diese Knacknuss auch anderen nüzliche Hinweise geliefert!


    Viele Grüße
    Maja

  • Zitat


    Original von Maja:
    Nochmal Dankeschön, vielleicht hat diese Knacknuss auch anderen nüzliche Hinweise geliefert!


    Hat sie, das ist das Schöne an myDRG.


    :)


    C. Hirschberg