Deutsche Verweildauer?

  • Hallo aus Gelsenkirchen


    immer wieder gibt es in der Argumetation mit den Kassen Hinweise auf bestimmt Verweildauern für bestimmte Behandlungsgruppen (Bremer Liste etc.) Ich habe mich nun entschlossen in einem offenen Projekt unsere Zahlen zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Da ich noch nicht sehr weit bin dachte ich in diesem "ruhigen" Expertenforum Hilfe und Kritik zu bekommen. Unter Medicbase.de ( dann bitte auf DOC klicken) könnt ihr einen Vorgeschmack erhalten.
    Gleichzeitig hier ein Aufruf:
    Es ist kein Problem jeden beliebigen Datensatz im IMC Format einzupflegen und somit die statistischen Angaben auf eine breite Basis zu stellen.
    Ich finde die Sache hat ein gewisses Potential und erwarte eure Meinungen.


    M. Kilian


    --
    Michael Kilian
    Med. Informations-u. Qualitätsmanagement
    Evangelische Kliniken Gelsenkirchen

    Michael Kilian


  • Hallo Herr Kilian,


    völlig in Ordnung, Ihr Vorschlag. Sie greifen allerdings mit der VWD nur eine der möglichen Informationen heraus, die in Zukunft, so denn dem australischen Beispiel gefolgt wird, in Deutschland ohnehin jeder im Internet nachlesen kann.


    Für diejenigen, die jetzt nicht auf Anhieb wissen, was ich meine, hier der Link auf die neuesten australischen Verweildauern nebst Kostendaten aller DRGs:
    http://www.health.gov.au/casem…ng/graph_table/puw_r4.pdf


    Anm.: LOS=length of stay=VWD


    Wem dies nicht ausführlich genug ist, findet unter
    http://www.health.gov.au/casemix/costing/costmain1.htm

    diverse Zusammenstellungen nach Jahrgang, Größe und Art des Krankenhauses, Bundesstaat etc.


    Die Kassen sollten m. E. mithelfen, das DRG-System aufzubauen, statt veralteten Bremer Listen nachzutrauern.
    Ich habe auch nichts gegen IMC (außer dass es teuer ist). Aber Sandkastenspiele spielen ist das eine, endlich richtige Daten sammeln (bundesweit), wäre sinnvoller, vielleicht hilft das IMC hierbei mit seiner Erfahrung und die Finanzierung der Datensammlung und Datenauswertung übernimmt offiziell und pflegesatzfähig die Krankenkasse (sie zahlt ja auch jetzt schon, oder wo nehmen Sie das Geld für derartige Projekte her?).


    Wenn aber tatsächlich offiziell nichts weitergehen sollte, müsste man auf Ihren Vorschlag zurückkommen.
    --
    Mit freundlichen Grüßen


    Dr. Bernhard Scholz
    DRG-Beauftragter
    Kliniken des Landkreises Freyung-Grafenau gGmbH

    [center] Bernhard Scholz [/center]

  • Zitat


    Ich habe auch nichts gegen IMC (außer dass es teuer ist). Aber Sandkastenspiele spielen ist das eine, endlich richtige Daten sammeln (bundesweit), wäre sinnvoller, vielleicht hilft das IMC hierbei mit seiner Erfahrung und die Finanzierung der Datensammlung und Datenauswertung übernimmt offiziell und pflegesatzfähig die Krankenkasse (sie zahlt ja auch jetzt schon, oder wo nehmen Sie das Geld für derartige Projekte her?).


    Wenn aber tatsächlich offiziell nichts weitergehen sollte, müsste man auf Ihren Vorschlag zurückkommen.


    Sie treffen meine Intention. Ich will genau die von ihnen angesprochene Datensammlung anstossen. Ansonsten gibt es zur Zeit eben keine FREIEN deutschen Sammlungen. Ich verarbeite den vollständigen IMC Datensatz mit allen INFOs also auch mit den Groupingergebnissen und werde nun Schritt für Schritt diese Daten auch präsentieren. Bekäme ich weitere Datensätze aus anderen Häusern sind genau ihre Statistiken (Jahresentwicklung, Hausgrösse etc möglich). Alterstrukturen folgen in den nächsten Wochen, genauso wie eine "Korrelations-Abfrage" nach dem Muster: "wenn ein Patient mit dieser Diagnose behandelt wurde welche Nebendiagnosen und Prozeduren waren damit vergesellschaftet etc."


    IMC hat diese Daten und könnte sie veröffentlichen. Tun Sie aber nicht! Kann sie jemand besorgen?


    Mit freundlichen Grüssen



    --
    Michael Kilian
    Med. Informations-u. Qualitätsmanagement
    Evangelische Kliniken Gelsenkirchen

    Michael Kilian

  • Zitat


    Original von Kilian:
    IMC hat diese Daten und könnte sie veröffentlichen. Tun Sie aber nicht! Kann sie jemand besorgen?


    Der Nachteil der Projekte im Stil von IMC ist ein gewisser Hang zur Geheimniskrämerei. Sehen Sie sich nur die Verträge an, die auf http://www.imc-net.de
    abgerufen werden können. Ich habe allerdings schon den Eindruck, dass ein einzelnes Krankenhaus seine eigenen Daten veröffentlichen darf.


    Noch bin ich der Meinung, dass DRGs etwas mit Transparenz zu tun haben.


    Für andere steht wohl die Angst vor Konkurrenz im Vordergrund. Konkurrenz sollte keine Angst erzeugen, sondern Ansporn zu Qualitätssteigerung sein.


    Übrigens, bei den Helios-Kliniken finden Sie noch ein paar Daten im Internet. http://www.helios-kliniken.de/

    --
    Frohe Ostern


    Dr. Bernhard Scholz
    DRG-Beauftragter
    Kliniken des Landkreises Freyung-Grafenau gGmbH


    [ Dieser Beitrag wurde von Scholz am 30.03.2002 editiert. ]

    [center] Bernhard Scholz [/center]

  • Lieber Dr. Kilian, lieber Dr. Scholz,
    Ihrer beiden Vorschläge sind der erste Schritt, um von deutlich überteuerten und wenigbietenden Auswertungen à la imc wegzukommen... Welche Macht dieses imc mittlerweile ansammeln konnte... Daten von ca. 800 Häusern in der Hand zu haben. Mir graut. Und ein gewisses, weitergehendes Interesse unterstelle ich einfach mal... Dies ist nur zu unterbinden, indem alle KHs Ihre Daten offenlegen. Dann wird der zu zahlende Preis gegen Null fallen. Wünschenswert, aber auch ich schrecke davor zurück, bzw. werde dies vermutlich nicht dürfen. Aber das scheint mir als ein Weg, diesem Irrsinn auszuweichen. Ich halte überhaupt gar nichts von den bisherigen imc-Auswertungen. Das imc lebt davon, dass es teure und anonymisierte Vergleiche zur Verfügung stellen kann. Aber deren IT-Verantwortlicher hat m. E. Zugang zu Daten, die gelinde gesagt, das deutsche Gesundheitswesen massiv beeinflussen können (Meine persönliche Meinung). Abgesehen davon, sind die sog. "Auswertungen" verwerfenswert. Auf einen Blick wird nichts geboten. Ich persönlich rate von einer weiteren Teilnahme ab, werde damit aber vermutlich sehr allein dastehen.


    Schönes Osterfest noch,
    wünscht
    B. Sommerhäuser

  • Zitat


    Original von Admin:
    ... Dies ist nur zu unterbinden, indem alle KHs Ihre Daten offenlegen. Dann wird der zu zahlende Preis gegen Null fallen. Wünschenswert, aber auch ich schrecke davor zurück, bzw. werde dies vermutlich nicht dürfen.


    Lieber Kollege Sommerhäuser


    Dürfen und Müssen sind entschieden! Im FPG ist ausdrücklich die Veröffentlichung eines strukturierten Qualitätsbericht ab 2004 im Internet vorgeschrieben. Zur Not durch die Kostenträger.
    Da alle Krankenhäuser nach KH-Statistikverordnung ab 07 / 2002 eh einen ähnlichen Datensatz an die Statistikämter der Länder, und damit an das IneK, senden müssen wäre die Zeit für eine freies Projekt das "WIR" bestimmen gegeben.
    Gerade die bisher vorherrschende Meinung diese Daten seien "Geschäftsgeheimnis" schwächt auch heute noch jede Verhandlung mit den Kostenträgern. Zeigen wir doch einmal das wir einen Schritt vorraus sind.


    mit freundlichen Grüssen




    --
    Michael Kilian
    Med. Informations-u. Qualitätsmanagement
    Evangelische Kliniken Gelsenkirchen

    Michael Kilian



  • Dem kann ich mich nur vollinhaltlich anschließen!
    T. Büttner

    Gruß aus Oberbayern


    Timm Büttner

  • Hallo Herr Büttner, hallo Forum,


    trotz aller Kritik mal etwas Versöhnliches gegenüber den Firmen IMC, 3M usw.:


    Ich meine, wir müssen zwischen zwei Dingen unterscheiden:

    • Datenqualität und -transparenz, Verfahrenstransparenz
    • Einbringen von z. T. internationaler Erfahrung, Beratungs- und Dienstleistungskompetenz


    Ersteres ist m. E. eine öffentliche, sozusagen hoheitliche Aufgabe und kann nur durch eindeutige gesetzliche Verpflichtungen zur Datenlieferung und -veröffentlichung gewährleistet werden, s. australisches Vorbild der Veröffentlichung von CaseMix- und Costing-Daten, Offenlegung des deutschen Def.Man. auch in elektronischer Form.


    Das Zweite kann m. E. von privaten Dienstleistern übernommen werden (von wem sonst, InEK, SV, hätten die nicht ihre Chance gehabt?), z. B. das BMG (Ersatzvornahme) beauftragt 3M oder SBG oder IMC, bestimmte Projekte von nationaler Tragweite durchzuführen. Finanzierung analog DRG-Systemzuschlag. Veröffentlichung der Ergebnisse.


    Darüberhinausgehende Einzelberatungen für die Krankenhäuser werden die privaten Dienstleister sicher auch dann anbieten, wenn die DRG-Daten und -Verfahren öffentlich und transparent sind.


    So oder so ähnlich könnte ich mir vorstellen, dass die Sache etwas mehr Schwung bekäme.


    Vielleicht ändert sich dann auch etwas an der beklagten Situation, dass nämlich zumindest zur Zeit noch ein krasses Mißverhältnis zwischen den Kosten für externe Schulungen, Benchmarkprojekte und Informationsveranstaltungen und deren angeblichen Nutzen, nämlich Kosten im Gesundheitswesen zu sparen, besteht.
    --
    Mit freundlichen Grüßen


    Dr. Bernhard Scholz
    DRG-Beauftragter
    Kliniken des Landkreises Freyung-Grafenau gGmbH

    [center] Bernhard Scholz [/center]

  • :bombe: IMC wäre sofort vom Markt weg, wenn es Auswertungen allgemein zugänglich machen würde. Es unterscheidet sich von 3M ja dadurch, dass die Daten ausschließlich den beteiligten KH und den beteiligten KH-Gesellschaften zur Verfügung gestellt werden. Und Ihr wisst selbst alle, wie geheimniskrämerisch alle Häuser mit ihren Daten umgehen, als ob die Kassen nicht schon alles in der Hand und ausgewertet hätten.
    Offen werden die Daten erst gehandhabt, wenn alle Daten ausgewertet werden (also frühestens Ende des Jahres), und diese Auswertung wird ja wieder einer der großen Anbieter übernehmen (also 3M oder InEK, mal sehen, wer die Ausschreibung der InEK "gewinnt", ich tippe auf IMC (unter anderem, weil sie in Berlin sind). Wenn das IMC die Daten für die InEK entgegennimmt und auswertet ist mir allerdings unklar, wie es dann mit der Abrechnung der Auswertung der schon teilnehmenden Häuser aussehen wird. Eigentlich werden die ja dann doppelt ausgewertet und doppelt bezahlt (wäre bei 3M das gleiche Problem). Aber vielleicht bekommt ja die australische Regierung den Zuschlag ;) ;) ;) , dann werten die halt unsere und ihre Daten aus, das wäre sicher ganz sinnvoll.


    Übrigens weiss ich gar nicht, weshalb ihr alle so auf das IMC schimpft: habt Ihr was besseres im Ärmel? Auch andere Auswerter kosten Geld und sind qualitativ sehr unterschiedlich. Im Grunde genommen bluten wir alle doch nur dafür, dass unsere EDV-Systeme alle die letzten 3 Jahre systematisch verschlafen haben. Und kein Mensch aus den Führungsetagen hat Ihnen mal Druck gemacht, die DKG hat sich nicht reingehängt, etc. Was meint Ihr, warum die privaten Träger uns teilweise rechts überholen? Weil die schon vor über 2 Jahren erkannt haben, wei wichtig zur Steuerung die EDV sein wird und sich entsprechend positioniert haben. Und auch die sind nicht super dran, aber uns doch um Meilen voraus...
    Es grüßt eine EDV-frustrierte Patricia (nur systemfrustriert, nicht prinzipiell):(
    --
    Patricia Klein

    Patricia Klein