8-981.0/1 Monitoring, 6 Parameter

  • Hallo Jannis,


    wie in einem anderen Thread neuerlich so schön formuliert wurde, gibt es medizinische Inhalte und Abrechnungsregelungen, wobei diese Größen nicht immer Schnittmengen haben ... Gerade die Kollegen, die wegen einer einzigen fehlenden Temperaturmessung den ganzen - z.T. 3.000 Euro schweren - komplexen Kode streichen, wollen nun den OPS-Katalog auslegen und das finden, was dort drin nicht explizit steht? Nö.


    Wenn im Katalog steht: \"6-stündlicher (außer nachts) Überwachung und Dokumentation des neurologischen Befundes zur Früherkennung von Schlaganfallprogression, -rezidiv und anderen Komplikationen\", dann ist /war die Dokumentation (in abrechnungstechnischem Sinne) nachts nicht verpflichtend. Noch einmal: es geht mir nicht um die medizinischen Inhalte. Im Übrigen kann jeder, der Stationsdienst macht, bestätigen, dass überwacht öfter wird, als dokumentiert.


    Für jedes Jahr gibt es Regelwerke. Ab 2010 wäre der Einwand korrekt, aber eben nur dann.


    Alles IMHO.


    Gruß
    GenS

  • Aus der Stellungnahme des Vorstandes der DSG und der DRG-Kommission der DGN für Neurologie zum OPS 8-981:


    \"In vielen Kliniken wird die Intervallbreite nachts mit 12 Stunden definiert. [...] In der Zwischenzeit ist für den OPS-Katalog 2010 eine Präzisierung vorgenommen worden. Aus fachlicher Sicht stimmen die DSG und DGN dieser Präzisierung und der dort vorgeschlagenen Intervallbreite zu [...].


    Eine einseitige Interpretation durch Einzelne ist einer vertrauensvollen Zusammenarbeit nicht zuträglich. Eine rückwirkende Aberkennung der OPS aufgrund dieser einseitigen Auslegung wird daher von der DSG und DGN strikt abgelehnt.\"


    Mit Hinweis auf diese Stellungnahme haben wir einige MDK-Einwände bzgl. des nächtlichen Intervalls zurückgewiesen (Fälle 2009). Einige bleiben trotzdem bei ihrer Auffassung. Da hilft dann nur der Klageweg.


    Warten wir auf den nächsten Stolperstein...


    Viele Grüße
    Lara

    Freundliche Grüße


    S.d.R.

  • Nach meiner Einschätzung ist hier die Fachgesellschaft verantwortlich für die Problematik mit dem Code. Ich habe bisher nirgends eine Studie gefunden, die belegt, dass die Messung von genau 6 Parametern das Outcome beeinflußt.
    Wie unsinnig dieser Teil der Definition ist, kann man leicht erkennen. Verlangt ist doch ein kontinuierliches Monitoring von 6 Parametern, dazu muss man regelmäßig die Temperatur bemühen und die ist kontinuierlich nur zu messen mit einer Temperatursonde! Selbst die beim MDK und bei der Fachgesellschaft verantwortlichen sehen wohl inzwischen dass das nicht jedem Patienten zumutbar ist, also wird als Erssatz ein 4 stündiges Messen verlangt. Warum kann man den OPS nicht vereinfachen? Es würde doch sicher Ausreichen wenn man verlangt, dass ein Monitoring von EKG, SaO2 und RR mit einem Gerät durchgeführt wird, das einen 24h Trendausdruck ermöglicht und die Überwachung dieser Parameter mit Alarmgrenzen erlaubt. Dass sich hier Krankenhäuser mit dem MDK und Kassen um medizinsch unsinnige Surrogatparameter der Qualität streiten und damit im wesentlichen nur den Strokeunits Gelder entzogen werden, die für die aufwendige Schlaganfallversorgung benötigt werden, wie der von den Kalkulationshäusern gemeldete Aufwand belegt, kann doch wohl kein Dauerzustand bleiben.
    Nachdem in der Klinik in der ich arbeite (BW) 50% der 8-981.x Fälle überprüft und beanstandet werden, halte ich die Finanzierung der \"Stroke\" für ernsthaft gefährdet und das ungeachtet eines qualitativ guten Ergebnisses gemessen am Outcome der Patienten. Sollten Kassen KHs, MDK und dt.neurologische Gesellschaft keine vernünftige Lösung finden, halte ich das Eingreifen der Aufsichtsbehörde oder der Sozialgerichte für zwingend erforderlich.


    Viele Grüße aus dem Allgäu

  • Hallo liebes Forum,


    wieder mal das leidige Thema der neurologische Komplexbehandlung.
    Ich hoffe, dass meine Frage hier passt und unser folgendes Problem evtl. schon einmal „durchstanden“ wurde. Ich bin für Tipps und Hinweise sehr dankbar.
    Wir haben ein aktuelles Gutachten erhalten, wo die NKB überprüft wurde.
    „IM WESENTLICHEN ERFÜLLT“ - jedoch nicht alle Mindestmerkmale. Also Ablehnung!:totlach:
    Nun haben wir ein neues Problem mit der Behandlung der neurologischen Defizite.
    Bei vorhandenen Defizite wurde am Folgetag eine Therapie eingeleitet. Doch in der Dokumentation geht nicht die Uhrzeit hervor, so dass eine Einleitung der Therapie innerhalb von 24 h nicht nachgewiesen werden kann. Also wird hier ab Aufnahmezeitpunkt (Uhrzeit) die 24 h berechnet. Beginnt die Therapie also „ fünf Minuten später“ - Pech gehabt! :d_gutefrage:
    Ist die Uhrzeitdokumentation wirklich erforderlich?:sterne:


    Mit freundlichem Gruß


    ochpowi

  • Hallo,


    gibt es dazu schon ein negatives MDK-Gutachten?? Hängt sich der Prüfer mal wieder bei den Kleinigkeiten ein ?? Ist der Patient vielleicht bei vorhandenem Defizit noch so abwesend daß er gar nicht therapiert werden kann innerhalb der ersten Stunden?? Auf jeden Fall gibt es mit Sicherheit genügend Gegenargumente!


    Wir haben mit einer privaten Kasse noch ein anderes Probelm. Schwerst betroffene Schlaganfallpatientin die nach fünf Tagen verstorben ist. Sie war knapp vier Tage auf der Stroke und wurde dann zur Intensivstation verlegt. Auf der Stroke fehlten 2 Einträge (Mittags/Abends) irgendwann am dritten Stroke-Tag. Alles andere perfekt erfüllt, nur die Einträge fehlen. Nach unserer Berechnung kommen wir auch ohne diese Einträge (minus 18 Stunden) auf ca. 74. Stunden und nun wird uns eigenwillige Berechnung usw. vorgeworfen und Umdeutung des Verlaufs (echt starker Tobak). Hat schon mal jemand was Ähnliches gehabt, wir haben schon 3 Stellungnahmen geschrieben und müssen uns dann solche Vorwürfe gefallen lassen?!?


    Sebastian

  • Hallo,


    ja, ein negatives MDK-Gutachten besteht! Patient konnte am Folgetag therapiert werden! Ist er ja auch! Auch innerhalb 24 h - doch die Uhrzeit müssen wir dokumentieren, damit wir die Einhaltung der Frist exakt nachweisen können !!!!
    MINUTENGENAU - SEKUNDENGENAU!!!!;-)

  • Hallo ochpowi,


    den Sinn oder Unsinn der Regelung mal dahingestellt. Aber zur OPS-Erfüllung ist eine Behandlung innerhalb von 24h festgeschrieben. Daher ist auch eine entsprechende Dokumentation notwendig.


    Ein fiktives Beispiel, Aufnahme Montags um 7 Uhr morgens. Nichtdokumentierte Therapie Dienstags um z.B. 17 Uhr. Schon haben Sie 34 Stunden Differenz. Ob das medzinisch relevant ist kann ich nicht beurteilen als mediz. Laie. Kodiertechnisch ist es relevant.

    Viele Grüße und einen entspannten Resttag vom
    Rheinkilometer 660

  • Hallo Ochpowi,


    ich fürchte, DRG-Rowdy ist zuzustimmen.
    Alles was nicht vollständig dokumentiert ist, gilt im Sinne der Abrechnung als \"nicht durchgeführt\", so ärgerlich das im Einzelfall auch sein mag. Vielleicht lässt sich die Therapie-Uhrzeit \"indirekt\" nachweisen? Wer hat therapiert? Wie war die Dienstzeit???


    MDK und NKB - neverending story! Wir hatten letztlich einen MDK-Einwand in dem moniert wurde, dass die Punkte der NIH-Skala nicht addiert waren - ohne Worte!


    Viele Grüße
    Lara

    Freundliche Grüße


    S.d.R.

  • Zitat


    Original von Lara:


    MDK und NKB - neverending story! Wir hatten letztlich einen MDK-Einwand in dem moniert wurde, dass die Punkte der NIH-Skala nicht addiert waren - ohne Worte!


    ohne Worte ? Ich finde es skandalös was der MDK sich da so alles einfallen läßt um den KKen u.U. unberechtigterweise Geld zurück zu erstatten. Aber es soll ja Leute geben die noch nicht mal 1 und 1 zusammenzählen können...


    Am besten wir schließen alle Stroke Units!!! Mal sehen was die KKen dazu sagen, wie das Outcome der Patienten ist und wie hoch die Folgekosten für weitere medizinische & therapeutische Behandlungen sein werden - einfach absurd!


    Sebastian

  • Zitat


    Original von Sebastian:


    Am besten wir schließen alle Stroke Units!!! Mal sehen was die KKen dazu sagen, wie das Outcome der Patienten ist und wie hoch die Folgekosten für weitere medizinische & therapeutische Behandlungen sein werden - einfach absurd!


    Sebastian



    Wenn ich polemisch antworten darf? Die Kosten sind geringer, da die Pflegeversicherung eintritt.


    Aber Spaß bei Seite. Fehlende Dokumentation ist das Eine. Erst nach 1,5 oder zwei Tagen durchgeführte Therapien das Andere (medizinischer Sinn mal im Raum stehen gelassen).


    Fakt ist, dass
    - das DRG-System nicht zwingend logisch ist
    - das DRG-System (zumindest in dem Bereich) klare Abrechnungsregeln hat


    Wenn eine OPS-Streichung der fehlenden Dokumentation zu \"verdanken\" ist, sollte man sich nicht über den MDK / KK ärgern sonder die Abläufe im Haus sortieren und die Mitarbeiter entsprechend sensibilisieren.


    Wie heißt es so schön in einer Signatur hier im Forum?
    [c=#ff002d]Quod non in actis est........ [/code]

    Viele Grüße und einen entspannten Resttag vom
    Rheinkilometer 660

  • Einspruch!


    Mal wieder. Das die Grenezn eng gesteckt wurden, hat damit zu tun, dass man halbseidenen Stroke units einen Riegel vorscheiben wollte. So weit, so gut, wenn ich auch der Meinung bin, dass man da z.T. über das Ziel hinaus schießt (So sind beispielsweise die zu erhebenden physiologischen Variabeln keineswegs evidenzbasiert, und teilweise offensichtlicher Unsinn).


    Es ist aber auch nicht zwingend erforderlich, dass die Kassen gemeinsam mit dem MDK und SMD pneilbel die 100% Einhaltung abfordern.


    Dies gilt insbesondere für Ärgernisse wie die 6-stündigen Intervalle der Untersuchung oder einzelne fehlende Variablen.


    Es ist unter klinischen Gesichtspunkten absolut unmöglich, ein 6 Stunden Intervall auf die Sekunde genau einzuhalten. Es ist auch klinisch unsinnig. Wenn der Arzt beim Nachbarpatienten etwas länger verweilt oder gerade einen Notfall versorgt, dann verschiebt sich die Untersuchung des daneben liegenden Patienten ggf. um ein paar Minuten. Es ist Unsinn, die NKB deswegen insgesamt in Frage zu stellen.
    Nicht ausgedruckte Monitorausschriften als fehlendes EKG abzulehnen, ist Unsinn.
    Das hat auch mit Versorgungsqualität nichts zu tun. Das ist Nutzung von Gelegenheiten. Gerade im Bereich der Schlaganfallversorgung wäre ein Augenmaß bei der Bewertung wünschenswert. Einige können das. Einige wollen das einfach nicht.


    Ich erhalte Gutachten mit seitenlangen Auflistungen der erfüllten Kriterien, bei einer Fehlenden Temperatur steht dann: Somit sind die Kriterien schon in diesem Punkt nicht erfüllt (ohne dass dann noch weitere folgen).
    Da könnte auch stehen: Zwar fehlt ein Temperaturmessung am... um... aber die Gesamtleistung im Sinne des wurde unstrittig erbracht. Das soll auch in anderen Bundesländern durchaus so aussehen (Sollen doch DRG auch zu einer Aufwandsgerechten Abbildung führen).


    Zu einer wohlwollenden Bewertung muss man auch kein MDK-Arzt sein.
    Leider gibt es Sachbearbeiter, die sich hier streng hinter die Formulierung \"ich bin kein Arzt\" zurückziehen.


    Auch da gibt es glücklicherweise Gegenbeispiele.


    Und wenn dasnn endlich eine wasserdichte Dokumentation eingeführt ist, fängt die Diskussion um die Indikation der Aufenthaltsdauer an. Monate später, ohne Kenntnis der Umstände und das auf einer Station, wo die Mehrzahl wegen des hohen Patientenaufkommens eher etwas zu früh, als etwas zu spät auf die Peripherie verlegt wird.


    Es ist zum Mäusemelken.


    Ich darf in diesem Zusammenhang betonen, dass ich für MDK Gutachten mit Hinweise auf Mängel in der Versorgung sogar dankbar bin, weil diese zum Nutzen der Patienten verwertet werden können.
    Der Überwiegende Teil unserer Schwierigkeiten entsteht aber aus der 100% Auslegung formaler Kriterien.



    verärgert


    merguet