Wunsch-Sectio

  • Hallo Forum,
    mich beschäftigte heute die Frage:
    Eine Mutter möchte ihr Kind per Sectio zur Welt bringen.
    Grund dafür ist eine Fehlbildung ihres ersten Kindes und die Angst vor der natürlichen Geburt.
    Wenn es einen anderen ICD aus dem Kapitel Geburt gibt, kodiere ich die O 82 Schnittentbindung nicht.
    Kann ich die psychische Belastung, bzw. einen Angstzustand der Mutter als Hauptdiagnose kodieren?

  • Hallo Frau Mori,


    die O82 ist die HD bei einer Sektio a.w.d.P., die Z87.5 als ND, psychische Belastung würde ich als F43.0 (oder F43.2) als ND kodieren. Wobei ich die Kodierung davon abhängig mache, wie intesiv die Pat betreut wurde ( ggf. psychiatrisches Konsil, Klinikpsychologe eingeschaltet, Einzelgespräche, Paargespräche usw....) und natürlich alles dokumentiert!!!
    Der Fall bleibt in O01D - Sektio ohne CC8o 8o 8o 8o 8o :D :-p


    Gruße aus Nürtingen
    Daniela Bahlo-Rolle

    Mit freundlichen Grüßen aus Nürtingen


    D. Bahlo-Rolle :d_niemals: :d_pfeid: :sonne:

  • Hallo Forum,
    ich möchte die Aufmerksamkeit gerne auf die rechtlichen Aspekte einer Wunsch-Sektio lenken.
    Dürfen wir den Krankenkassen überhaupt die teure Sektio-Fallpauschale in Rechnung stellen, wenn der Grund hierfür die Angst vor der natürlichen Geburt ist, d.h. wenn keine medizinische Indikation vorliegt?
    Widerspricht dies nicht dem berühmt-berüchtigten §12 des SGB V (Wirtschaftlichkeitsgebot), in dem es heißt: Leistungen dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig ... sind, dürfen Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen. Oder § 39: Hier heißt es in Abs. 1 Satz 3 "Die Krankenhausbehandlung umfasst ... alle Leistungen, die im Einzelfall nach Art und Schwere der Krankheit für die medizinische Versorgung der Versicherten im Krankenhaus notwendig sind, insbesondere ärztliche Behandlung ....
    Hat hier jemand Erfahrungen mit der Abrechenbarkeit von Wunsch-Sektiones und sollten diese überhaupt mit Geldern aus der Solidargemeinschaft bezahlt werden?


    Grüße aus Höxter
    Siegfried Stephan

  • Hallo Forum,


    dem Beitrag von Herrn Stephan ist aus Sicht der gesetzlichen Krankenkasse nichts hinzuzufügen.


    In der Tat wird eine Sectio nur bezahlt, wenn sie medizinisch notwendig ist. Schwerwiegende psychische Gründe mögen eine Indikation darstellen - ich wage aber nicht zu prognostizieren, welcher MDK bei einer Beurteilung im Nachhinein zu welchem Ergebnis kommt.


    Als ungehobelter Laie würde ich sagen, dies sollte rechtzeitig abgeklärt werden, wobei rechtzeitig bedeuten würde, vor der Befruchtung, denn einer Frau sollte bewusst sein, was im Falle der "Spontan"-Geburt auf sie zukommt. Also sollte auch die Frage der Kostenübernahme einer anderen Methode im Vorfeld abgeklärt werden.


    Klingt blöd, ich weiß - wäre aber theoretisch der sicherste Weg, auch für das Krankenhaus. Spätestens bei oder nach evtl. Vorgesprächen würde ich eine Klärung mit dem zuständigen Kostenträger anstreben.


    Eine nachträgliche Prüfung könnte so ein Roulettespiel werden, bei dem es nur Verlierer geben kann.


    Gruß aus dem Bergischen Land



    ToDo

    Freundliche Grüße




    ToDo


    Wir lieben die Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - falls sie das gleiche denken wie wir.
    (Mark Twain)

  • Hallo,





    Ich würde wie folgt kodieren :



    HD 0.99.3
    ND Z37.0
    ND z.B. F43.1 (genaue Diagnose nach Kenntnis des Falles)


    Prozedur: 5-740.0







    Natürlich muß man den Gesamtfall kennen,
    hier pauschal von einer Wunschsektio zu sprechen halte ich für nicht zutreffend:
    Angst ist auch eine med. Indikation für eine Sektio



    siehe hierzu:
    Extreme fear of birth pain forces women to miscarry


    In Großbritannien steigt die Zahl der unter Tokophobia leidenden Patientinnen seit Jahren stark. Das berichten britische Gynäkologen und Psychologen.
    Tokophobia ist laut Nicky Lidbetter von der National Phobics Society (NPS) "eine starke und oft irrationale Angst vor der Geburt".



    “The study, to be published next year in the Royal College of Obstetricians' and Gynaecologists' year book, found that one in five women, when pregnant for the first time, reported extreme fear about childbirth, while 6 per cent described a fear that was 'disabling'. Almost one in seven of the 370 childless, non-pregnant women interviewed by Hofberg reported a morbid dread of childbirth sufficient to postpone or avoid pregnancy altogether.â€
    It's a pathological terror that, in its most extreme form, can result in women taking steps to abort by behaving recklessly, abusing alcohol or drugs, or even punching their own abdomens."



    http://www.guardian.co.uk/medi…ory/0,1129,619563,00.html






    Gruß


    Eberhard Rembs

  • Hallo Herr "Kassenfürst",


    bevor ich eine schwängere, sende ich sie also zur Krankenkasse?
    Ach, bin ich heute wieder sarkastisch!


    --
    Einen freundlichen Gruß vom MDA aus Schorndorf

    [size=12]Freundlichen Gruß vom Schorndorfer MDA.

  • Hallo Freunde,
    sehr lustig, wie schön, das wir uns immer noch Humor behalten haben.


    Meiner Meinung ist die medizinische Indikation für die Sectio die Angst der Patientin. Entscheidend dafür ist aber, ob der Gynäkologie dies auch für sinnvoll hält ... Wenn nicht könnte die Patientin nach Absprache mit dem KH ja die Differenz bezahlen ... Das die KK darüber entscheidet, finde ich irrelevant. Sie sollten sich auf Nachwuchs freuen und auf neue Mitglieder ...


    Viele Grüsse aus Niedersachsen


    Claudia
    :chili: :chili: :chili:

  • Hallo Alle,
    ich sehe die Sache mal vom Standpunkt einer Frau, mit 2 Kindern (spontan selbst zur Welt gebracht!).
    Ich kann jede Frau verstehen, die aus Angst vor, oder nach einer traumatischen Erfahrung bei einer Geburt, eine Sektio wünscht!!!
    Ein Gyni ist in der Lage alternative Schmerztherapieen anzubieten, die eine Geburt "angenehm" werden lassen.:baby: :baby:
    Wer dennoch aus Angst eine Sektio möchte, sollte Sie bekommen O H N E Zuzahlung!!!!!
    Außerdem sollte jede Frau diese Entscheidung selbst treffen können, ohne auf :mdk: :kr: :chirurg: :icd: :ops: :defman: :jay: :vertrag


    : achten zu müssen!


    Grüße aus Nürtingen auch nach Schorndorf
    Daniela Bahlo-Rolle

    Mit freundlichen Grüßen aus Nürtingen


    D. Bahlo-Rolle :d_niemals: :d_pfeid: :sonne:

  • Hallo Herr Konzelmann,


    Zitat


    Original von Guenter_Konzelmann:


    bevor ich eine schwängere, sende ich sie also zur Krankenkasse?


    ...und danach will sie nicht mehr. Kassengespräche sind nunmal nicht sehr stimulierend ;).


    Im Übrigen denke ich, dass der MDK keine Probleme machen wird.


    Grüße
    C.Lehmann

    Viele Grüße
    C.Lehmann

  • Einen wunderschönen guten Morgen,


    wer kann denn im Gesundheitswesen ohne Sarkasmus leben und arbeiten?


    Zu meinem Beitrag:


    Ich teile den Ärger, den einige Forumsteilnehmer an verschiedenen Stellen über MDK und Kassen äußern. Deshalb wage ich von meinem Arbeitsplatz aus nicht zu beurteilen, welche Kasse und welcher MDK eine angstbegründete Wunsch-Sectio wie beurteilt.


    Dazu war der Teil meines Posts ernst gemeint, im Rahmen von Vorgesprächen (nicht vor der Schwangerschaft sondern vor der stationären Aufnahme), Kreißsaalbesichtigungen, Vorbereitungskursen oder was weiß ich, eine entsprechende Aufklärung zu betreiben, damit die Mütter sich rechtzeitig bei ihrer Krankenkasse erkundigen.


    Ich mein´s doch nur gut mit Ihnen, damit Sie sich hinterher nicht mit den Mühlen der Bürokratie rumschlagen müssen.



    :smokin: :smokin:


    Gruß aus dem Bergischen Land,



    ToDo

    Freundliche Grüße




    ToDo


    Wir lieben die Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - falls sie das gleiche denken wie wir.
    (Mark Twain)

  • Zitat

    Original von ToDo:
    wer kann denn im Gesundheitswesen ohne Sarkasmus leben und arbeiten?


    Wir rauchen für Gesundheit und tanken für die Rente, was soll da noch überraschen? ;)


    Gruß
    --
    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau