Richtlinie zur Qualitätssicherung: Frühestmögliche Versorgung einer hüftgelenknahen Femurfraktur

  • Guten Tag,

    der Pressemitteilung des GBA habe ich die o.g. Richtlinie entnommen. Auf der Seite des GBA habe ich sie nicht gefunden - oder ich stelle mich ungeschickt an.

    Kennt jemand die RL im Wortlaut, bzw. einen Verweis dazu?

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo Herr Horndasch,


    konnte die RL bislang auch nicht ergoogeln. Es kommt beim G-BA leider zuletzt häufiger vor, dass per PM neue Regelungen angekündigt werden, die dann nicht parallel online verfügbar gemacht werden. Der Umstand, dass die RL noch durch das BMG abgesegnet werden muss, hat bei anderen RL nicht dazu geführt, dass man diese nicht schon veröffentlicht hat. Soviel zur Transparenzoffensive... :|


    MfG, RA Berbuir

  • Hallo DRG-Schlumpf,

    genau die, aber nicht die Pressemitteilung, sondern die Richtlinie.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo Herr Horndasch


    auf der G-BA-Seite unter den Beschlüssen, allerdings erst auf der zweiten Seite an letzter Stelle der Beschlüsse vom 22.11.2019:

    https://www.g-ba.de/downloads/…_QSFFx-RL_Erstfassung.pdf


    Die tragenden Gründe sind noch nicht dabei.


    Schönen Tag noch

  • Guten Abend


    §4(5) dürfte das Ende für etliche Versorger sein. Hier isb. das Wort "täglich"

    Laut Statistik der BÄK gibt es in D 1714 stationär tätige Geriater. 360 KH haben eine Geriatrie, bei denen bislang nie die tägliche Anwesenheit gefordert war. Auch nicht für GKB. Je KH mit Geriatrie also 4,7 Ärzte, falls alle genau dort arbeiten würden. Diese Ärzte müssten nun alle am WE zum Rufdienst erkoren werden. Das war bislang nie notwendig, meine Vermutung ist: Das machen die nicht mit.

    Es gibt übrigens 420 Unfallchirurgien und 409 Orthopädien.

    Im Jahr 2017 wurden laut DESTATIS 150.000 Patienten mit den einschlägigen Diagnosen behandelt.


    Gruß

    merguet

  • Hallo,

    erstmal Dank an Herrn Schaffert.

    Dann gibt es noch die Übergangsregelungen in §12. Also hat das KH noch ein paar Jährchen Zeit.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Ich fürchte nur, dass auch in 6 Jahren Geriater noch nicht auf Bäumen wachsen werden. Und die "tägliche Verfügbarkeit" geht ja sogar über die Kriterien des Geri-Komplex-OPS hinaus.

    Mir graut etwas bei dem Gedanken an die Folgen: Landauf, landab müssten außerhalb der Ballungszentren Patienten zur Unzeit von A nach B verschippert werden, weil A die formalen Kriterien nicht erfüllt. B dürfte unter diesem Aspekt auch häufig ziemlich weit weg sein.

    Wer solche Patienten schon mal versorgt hat, weiß, wie schmerzhaft da meist Umlagerung und Transport sind. Da braucht es häufig nicht unerhebliche Mengen an Opioiden, die dann wiederum die Anwesenheit eines Akademikers beim Transport erforderlich machen, was dessen Verfügbarkeit auch nicht gerade verbessert. Also weitere Verzögerungen und AZ-Verschlechterung des Patienten durch einen mehr oder minder schmerzhaften Transport und mehr oder minder große Mengen zentral dämpfender Substanzen.

    Sollte die Richtlinie die Versorgung nicht eigentlich verbessern??

  • Guten Morgen,

    es geht nicht um die Verbesserung der Versorgung. Es geht um die Bereinigung der KH-Landschaft durch die kalte Küche, ohne dass jemand den Mut aufbringen muss, konkrete KH-Schließungen zu verordnen. Dass dabei wahllos Schäden bei großen und kleinen Versorgern entstehen, wird in Kauf genommen.

    Siehe dazu auch diesen Artikel

    Gruß

    merguet

  • Ehrlich gesagt, habe ich gegen eine Schwerpunktsetzung in der Notfallversorgung gar nix einzuwenden - ich war schon immer der Ansicht, dass eine Viertelstunde *Primär*-Transportverlängerung sich locker rechnet, wenn man dann am Zielort auf ein eingespieltes Team trifft statt auf einen Assistenten im 2. Ausbildungsjahr, der erst mal Facharzt und MTRA ins Haus holen muss.

    Aber mit dieser Regelung (Geriater auch am Wochenende) wird es so viele Probleme geben, dass wahrscheinlich auch etliche mittelgroße Häuser weiterverlegen müssen, mit entsprechend langen Transporten. Und den Schaden haben dann eben nicht nur die Versorger, sondern die Patienten. Und zwar meiner Befürchtung nach nicht nur beim Komfort, sondern bei den Überlebenschancen: Der klassische Schenkelhals-Kunde (85, multimorbide) hat sicherlich schlechtere Karten, wenn man erst mal ne Verlegung organisiert, ihn dann eine Stunde auf der Landstraße stresst und dabei mit Analgetika abfüllt , statt ihm schlicht und einfach möglichst zügig sein Ersatzteil einzubauen. Aber aufgrund der Übergangsregelung hat der GBA ja noch ein bisschen Zeit, nachzubessern...