Sturz:Äthiologie

  • Ich habe folgendes Kodierproblem: Eine 90-jährige
    Patientin stürzt am Wochenende(Freitag)und zieht sich
    Rippenfrakturen und multiple Hämatome zu.Sei hat diverse
    Begleiterkrankungen:Herzinsuffizienz,Pleuraerguss,
    Harnwegsinfekt,Enzephalopathie mit Vigilanzstörung.
    Sie ist auffällig schläfrig,klart aber im Verlauf auf.
    Sie wird eine Woche konservativ chirurgisch therapiert.
    An unserem Haus ist am Wochenende kein CT verfügbar.
    Auf Grund des reduzierten AZ und der fehlenden
    Konsequenz wird auf ein auswärtiges CT verzichtet.
    Am Montag wird dies hier nachgeholt und ein frischer
    ischämischer Insult diagnostiziert.
    Wegen Abklärung einer Anämie wird die Patientin noch
    für 14 Tage auf die Innere Abteilung verlegt.Dort wird
    eine autoimmunhämolytische Anämie durch Kälteantikörper
    festgestellt.
    Frage:Kann ich den frischen ischämischen Insult als
    Hauptdiagnose eingeben,obwohl dieser nur höchstwahrscheinlich,
    aber nicht absolut sicher als Sturzursache anzunehmen ist?



    :defman: :defman: :defman: :defman:

  • Guten Morgen Frau/Herr BMey,


    wenn es vor der Tür in unseren Breitengraden wiehert, ist es ein Pferd und kein Zebra. In diesem Sinne ist meines Erachtens der Schlaganfall durchaus als Hauptdiagnose zu nehmen, zumindest, wenn die Schläfrigkeit, die unbekannte Sturzursache eine mindestens genauso grosse Rolle gespielt hat, diese Patientin aufzunehmen. Sollte die Pat. eher wegen der Verletzungen in Kombination mit den aufgezählten primär bekannten Begleiterkrankung aufgenommen worden sein, sind die Verletzungen zur Hauptdiagnose zu erklären.
    Eine weitere Bemerkung: "If you don´t take a temperature, you can´t find a fever". Wenn ein CT ohne Konsequenzen bleibt, warum führen Sie dies dennoch durch? Warum wird im DRG-System die Anämie über 14 Tage abgeklärt? Auch hier vermute ich im voraus eher geringe therapeutische Konsequenzen, aber hohe Kosten, die im DRG-System in diesem Fall das Haus zu tragen hat. Dies nur zur Diskussionsanregung innerhalb des Hauses. Das soll nicht heißen, dass ein solcher Fall sich nicht auch bei uns hätte abspielen können.


    Gruß


    A.Chandra

  • Hallo bmey,


    dies ist ein typisches "Henne-Ei" Problem, wie es bei den DRGs oft vorkommt.
    Nach einigen uns vorliegenden MDK-Gutachten sollte man vorsichtig mit sogenannten Kausalketten sein, da sonst fast jede Aufnahme in der Chirurgie nach Sturz zu internistischen HDs führt.


    Ich schliesse mich AChandra in soweit an, dass bei einer durchgängigen Argumentation (die sowohl in der Akte als auch im Brief erklärt ist und im Zweifelsfall gegenüber dem MDK vertreten werden kann) der Schlaganfall die HD sein kann.


    Um auch mal ein Zitat aus dem ersten klinischen Semester zu bringen: Häufiges ist häufig, seltenes ist selten. :rotate:


    Wenn aus Ihrem Entlassbericht hervorgeht, Patientin kam wegen der beim Sturz erlittenen Verletzungen, ist eine der Verletzungen (im Zweifelsfall die schwerwiegendste) die Hauptdiagnose.


    Die Frage "Ist die Patientin wegen des Schlaganfalles gestürzt und deshalb der Insult die HD" ist schon nahe an der oben beschriebenen Kausalkette und m.E. sollte man hier (das erlauben übrigens DKR und ICD) im Falle, dass man die Frage sicher mit ja beantworten kann die Ökonomie sprechen lassen :rolleyes:


    Gruss aus München


    Michael Wilke :smokin:

  • Hallo,


    ich sehe bei diesen Huhn-Ei Problemen ebenfalls oft den bereits genannten Tatbestand erfüllt:


    DKR D002 Hauptdiagnose
    ...
    Zwei oder mehr Diagnosen, die gleichermaßen der Def. der HD entsprechen
    ...


    Im Übrigen muss in diesem Sinne der frische isch. Insult nicht einmal für den Sturz verantwortlich gewesen sein. Es reicht m.E. aus, diesen bei Aufnahme als Verdachtsdiagnose zu dokumentieren (letztendlich dann sogar bestätigt), die Symptome zum Aufnahmezeitpunkt lassen sich ja entsprechend interpretieren.


    mfG


    C. Hirschberg