Praktisches Kodierproblem - Wochenrhythmus

  • Liebes Forum,


    vielleicht sehe ich nur den Wald vor lauter Bäumen nicht:


    Erbrachte Therapieeinheiten sind behandlungswöchentlich in OPS-Schlüssel zu übersetzen oder auch \"zwischendurch\", wenn ein Wechsel zwischen Regel-, Intensiv- und Komplexbehandlung erfolgt. In welchem Rhythmus soll nach einem solchen Zwischendurch-Wechsel weiterkodiert werden? Im ursprünglichen Behandlungswochenrhythmus oder beginnt dann ein neuer 7-Tage-Rhythmus?


    Bsp:
    Di - Pat. kommt
    ...
    Di - zurückliegende 7 Tage werden kodiert
    ...
    Fr - Pat. wechselt von Intensiv- zu Regelbeh. > Kodierung zwischendurch
    ...
    Di - Soll jetzt hier wieder kodiert werden (alter Rhythmus)?
    ...
    Fr - oder erst hier (neuer Rhythmus)?


    Fragende Grüße
    Artur Speck

  • Schönen guten Tag,


    im Hinweis zu den OPS Kodes 9-60 bis 9-63 steht:


    Zitat

    Als erste Woche gilt die Zeitspanne vom Tag der Aufnahme bis zum Ablauf der ersten 7 Tage, usw.


    Somit ist die \"Kodiereinheit\" immer 7 Tage ab Aufnahmedatum.


    Also z. B (für ärztliche Therapieeinheiten):


    Tag 01-07: 3 TE Intensivbeh. --> 9-610.1
    Tag 08-14: 1 TE Intensivbeh., 2 TE Regelbeh., 2 TE Intensivbeh. --> 9-910.1 + 9-600.0


    Also immer für die Kodiereinheit von 7 Tagen die TE der jeweiligen Behandlungsstufe zusammenzählen.


    Ich wünsche noch einen schönen Tag,

  • Liebe Betroffene,


    ich hatte den 7-Tage-Rhythmus beim DIMDI angefragt und soeben folgende tel. Auskunft erhalten, die ich ungefiltert weitergeben möchte:


    1.
    9-6er Kodes für TE-Zählung: es ist immer bei Wechsel zwischen Regel-, Intensiv- und Komplexbeh. zu kodieren (datumsgenau), spätestens jedoch nach 7 Tagen. Soweit bekannt. ABER: Nach jedem Wechsel beginnt ein neuer 7-d-Rh.!!! Der 7-d-Rh. wird NICHT konsequent von der Aufnahme bis zur Entlassung \"durchgezogen\".


    Da hatte ich mit meiner urspr. Vermutung leider doch Recht. Es steht im OPS eigentlich auch so drin. Schade Herr Schaffert, Ihr Weg wäre dokumentationstechnisch viel einfacher gewesen.


    Es ergaben sich noch weitere Erkenntnisse wie folgt:
    2.
    Das DIMDI geht von folgender inhaltlicher Deckungsgleichheit aus:
    - Regelbeh. nach Psych-PV = Regelbehandlung 9-60...
    - Intensivbeh. nach Psych-PV = Intensivbeh. 9-61...
    - Psychotherapie nach Psych-PV = Psych. Komplexbeh 9-62...
    Wenn also der Psych-PV-Bereich derart wechselt, wechselt die TE-Zählung entsprechend mit.


    2a.
    die Psych-PV-Kodes sollen \"irgendwann\" abgeschafft werden, seien aber zunächst noch vom Gesetzgeber gefordert.


    3.
    die Intensivbehandlung wird aufwandsseitig am höchsten eingeschätzt, steht sozusagen über den Komplexbehandlungen. Dem Dimdi ist bewusst, dass in Akutfällen mit Intensivbehandlung weniger 25-min-TEs erbracht werden können, deshalb wird in der Intensivbehandlung (9-61...) ein höheres \"Grundrauschen\"/Sockelleistungsanteil... enthalten sein (wenn die Kalkulation das bestätigt).


    4.
    der \"mind.-20%-ärztl./psychoth.-TE-Anteil-pro-Woche\" bei den Komplexbehandlungen kann nur retrospektiv bestimmt werden. Kompliziert wirds aber erst richtig, wenn die TEs von weniger als 7 Tagen (siehe Ursprungsproblem unter 1.) zu verschlüsseln sind: Dann muss dieser 20%ige Anteil anteilig bestimmt werden...


    Ohne Softwareunterstützung geht dass (mit vertretbarem Aufwand) nicht mehr!



    Bitte bei Ihren Antworten bedenken: Ich bin nur der Bote...


    Artur Speck

  • Schönen guten Tag Herr Speck,


    Zitat

    Bitte bei Ihren Antworten bedenken: Ich bin nur der Bote...


    Obwohl es eine alte Tradition ist, den Boten für die schlechten Nachrichten zu hängen, will ich Sie diesmal am leben lassen....
    :d_zwinker:
    ...ganz im Gegenteil, ich bedanke mich sogar ausdrücklich für Ihre Mühe. Ich denke die Aussagen bringen uns doch ein paar wesentliche Informationen.


    Eine Anmerkungen dazu von mir:


    Zu 1.
    Das habe ich inzwischen auch von unserem Softwarehersteller erfahren, die ja in engem Kontakt mit dem InEK stehen. Ich muss also meine Aussage revidieren: Neubeginn der 7-Tage-Zählung nach jedem Wechsel der Einstufung (auch wenn ich den Wortlaut des OPS immer noch anders lese...)


    Zu 2.
    Das ist aus der gleichen Begrifflichkeit zu schließen...


    Zu 2a.
    ...weshalb die Streichung der PsychPV-OPS zu erwarten ist.


    Zu 3.
    Da lässt sich das DIMDI ja zu mutigen Aussagen hinreißen. Wesentlich ist hier:

    Zitat

    (wenn die Kalkulation das bestätigt).


    Zu 4.

    Zitat

    Ohne Softwareunterstützung geht dass (mit vertretbarem Aufwand) nicht mehr!


    Ich möchte hier nicht vorgreifen, aber wir werden auf dem Treffen der hessischen Medizincontroller am Donnerstag auch über die Psychiatrie sprechen. Ich habe dafür eine - sagen wir mal - Anforderung an die Software vorbereitet, die ich dann nach der Veranstaltung auch hier einstellen werde. Vorerst soviel: Letztlich ergibt sich für jeden (angebrochenen) 7-Tage-Abschnitt eine (bis zu) 7-Tage Matrix aus Psych-PV-OPS und durchgeführten Leistungen (Diagnostik, Therapie oder Mehraufwand-Einheiten) pro Berufsgruppe. Die OPS ergeben sich dann aus der Kombination der Psych-PV-Einstufung und den durchgeführten Leistungen. Voraussetzung ist eine berufsgruppenbezogene Leistungserfassung. Diese muss/sollte jedoch lediglich Berufsgruppe, Dauer, Art der Maßnahme, bei Gruppen die sonst noch teilnehmenden Patienten und ggf. ein Freitextfeld für eine kurze! inhaltliche Bemerkung enthalten.


    Ich wünsche noch einen schönen Tag

  • Hallo Herr Speck,


    mich würde interessieren, mit wem Sie beim DIMDI telefoniert haben. Der OPS ist absolut eindeutig: \"Als erste Woche gilt die Zeitspanne vom Tag der Aufnahme bis zum Ablauf der ersten 7 Tage, usw.\" Ein 7-Tages-Block reiht sich also an den anderen. Wechselt der Pat. innerhalb eines solchen Blockes z.B. von Regel- auf Intensivbehandlung, bekommt er in diesem 7-Tages-Block zwei anteilige Therapiekodes.


    Ich habe vor Wochen selber mit Frau Dr. XY (DIMDI) telefoniert, die mir das so bestätigt hat.


    Softwarehersteller, die Ihr Kodiertool bei uns vorstellten, haben Ihr Tool ebenfalls so ausgerichtet.


    Ehrlich gesagt, ich gehe über Ihre Brücke erstmal nicht.


    Freundliche Grüße
    vom Caseschnüffler.


    [c=#ff0048]P.S. Ich habe gerade mit Frau Dr. XY noch einmal telefoniert. Bei jedem Wechsel der Behandlungsart beginnt der 7-Tages-Block von neuem.[/code]Na gut, ich lese das aus dem OPS nicht heraus, aber DIMDI ist hier verbindlich, und die Softwarehersteller und viele Kliniken dürften Einiges über den Haufen werfen.
    In der Summe der Therapieeinheiten ändert sich allerdings nichts. Die lassen sich nach beiden Verfahren exakt ermittlen.

  • Liebes Forum,
    ich fange gleich an zu weinen :totlach:
    Meine Kollegen werden mich bestimmt mit Tomaten bewerfen, wenn ich denen jetzt mitteilen muss, dass sie doch nicht stur nach Aufnahmetag kodieren dürfen, sondern bitte auch genau prüfen sollen, ab wann der Patient für wie lange in welcher Pseudo-OPS war.
    Ich finde nämlich auch, dass im OPS die Definition der 7-Tage-Woche anders als das DIMDI es jetzt festlegt zu verstehen war. Wir hatten uns das vor einigen Wochen sogar telefonisch bestätigen und heute leider erneut telefonisch widerlegen lassen.
    So bleibt es immer wieder spannend.
    Herzliche Grüße,
    greenhorn

  • Schönen guten Tag allerseits!


    Wie versprochen finden sich unter http://www.medco-hessen.de/the…m-in-der-psychiatrie.html eine Präsentation und Dokumente zum derzeitigen Stand des Entgeltsystems der Psychiatrie sowie mein Versuch, die Anforderungen an das KIS zur Psychiatrischen Leistungsdokumentation zu formulieren.


    Wie immer: Anregungen und Kritik sind willkommen. Nutzung und Weiterentwicklung (freundlicherweise mit Angabe der Quelle) gestattet (Open Source)


    Ich wünsche noch einen schönen Tag,

  • Hallo Zusammen!


    Ich befasse mich im Rahem meiner Bachelorarbeit im Studiengang Health Care Management nun seit 3 Wochen intensiv mit den neuen OPS - Kodes und alten Akten aus der Psychiatrie.
    Da das Thema brand aktuell ist und sich das DIMDI sehr bedeckt hält (mir also gar nicht erst antwortet :boese: ) freue ich mich natürlich sehr, dass ich hier sowohl Informationen, als auch Meinungen und Probleme aus der Praxis bekomme!!
    Leider habe ich mir von den Änderungsvorschlägen der Selbstverwaltung mehr versprochen... Ich finde, dass es durch einen neuen, zusätzlichen Kode, der nur die TE pro Berufsgruppe abbildet noch komplizierter wird:
    Momentan braucht man einen Kode für die Behandlung nach Psych PV, und dann noch einen pro Berufsgruppe mit den entsprechenden Therapieeinheiten plus Zusatzinformation falls vorhanden.
    Mit dem neuen bräuchte man einen für die Psych PV, einen für die Behandlungsart und dann noch einen für die TE pro Berufsgruppe plus ggf. Zusatzinfo --> also 1 code mehr!!!
    Ich finde da ist die monetane Situation doch sinnvoller! Die Vergrößerung der der TE Gruppen finde ich auch nicht sehr sinnig, da bei meinen Akten jedenfalls kaum 4 oder mehr TE erreicht werden...
    Das zusammenlegen der Berufsgruppen Ärzte/ Psychologen und Spezialtherapeuten/ Pflege scheint aus meiner Sicht ganz sinnvoll, denn die Leistungen der Ärzte und der Pflege können eh so gut wie nie in TE abgebildet werden, weswegen ich mich auch schon gefragt habe, wozu es diese codes überhaupt gibt! Ob diese zusammenlegung für die Praxis gut oder schlecht ist kann ich leider nicht beurteilen...


    Weiterhin viel Spaß und einen schönen Tag noch!

    Herzliche Grüße
    Ann-Kathrin Weschenfelder

  • Sehr geehrte Damen und Herren,


    müssen eigentlich die jeweils wöchentlich oder bei Änderungen der Therapie (z.B. Übergang von Intensiv- zu Regelbehandlung) erstellten OPS auch zu diesen Terminen an die Krankenkassen übermittelt werden?


    In other words: können wir mit entsprechend guter Dokumentation die Fälle nach Entlassung kodieren, oder müssen wir quasi im laufenden Betrieb kodieren? (Letzteres fände ich wesentlich aufwendiger.)


    Vielen Dank für die bisherigen wertvollen Beiträge! Weiter so!


    Beste Grüße,
    TicTac

    There is a theory which states that if ever anyone discovers exactly what the universe is for and why
    it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable.
    There is another theory which states that this has already happened. ~Douglas Adams

  • Sehr geehrte Mitstreiter/-innen,


    es gibt einen gemeinsamen Revisionsvorschlag der DKG und Krankenkassen zu den Psych-OPS-Kodes.


    Der Vorschlag verfolgt zwei wesentliche Ansätze:
    1. Der therapeutische Aufwand wird unabhängig von den Komplexkodes kodiert.
    2. Beim Kodieren des therapeutischen Aufwands werden Ärzte und Psychologen sowie Spezialtherapeuten und Pflegefachkräfte zu je einer Gruppe zusammengefasst.


    (siehe BKG-Mitteilungen 05/2010 vom 12.03.2010:
    075 - Kodierung der Prozeduren in psychiatrischen und psychosomatischen
    Einrichtungen – Vorgesehene unterjährige Revision)


    \"DKG und Krankenkassen verständigten sich auf einige Änderungen des OPS. Die Verhandlungen hierzu waren jedoch erschwert, weil das BMG nur bei Vorlage eines gemeinsamen Entwurfes eine Prüfung vornehmen wird. Weitere Änderungswünsche bringt die DKG deshalb beim OPS-Vorschlagsverfahren für das Jahr 2011 beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ein.\"

    Dr. med. Jürgen Linz
    Weiterbildungsassistent Orthopädie/Unfallchirurgie
    Facharzt für Chirurgie (BLÄK), Sportmedizin (BLÄK)
    Diplom-Krankenhausbetriebswirt (VKD), Qualitätsmanagement (BLÄK)

  • Schönen guten Tag,


    Zitat


    Original von TicTac:
    müssen eigentlich die jeweils wöchentlich oder bei Änderungen der Therapie (z.B. Übergang von Intensiv- zu Regelbehandlung) erstellten OPS auch zu diesen Terminen an die Krankenkassen übermittelt werden?


    In other words: können wir mit entsprechend guter Dokumentation die Fälle nach Entlassung kodieren, oder müssen wir quasi im laufenden Betrieb kodieren? (Letzteres fände ich wesentlich aufwendiger.)


    Im Verfahren nach §301 SGB V enthält außer dem Datensatz für die Entlassung kein anderer DAtensatz die Möglichkeit, Prozeduren zu übermitteln. Daher werden alle! OPS erst mit der Entlassung an die Kasse übermittelt.


    Ich wünsche noch einen schönen Tag,