D65.0: Afibrinogenämie oder Hypofibrinogenämie

  • Da hätte ich eine kurze Frage an Ozy: Wo genau steht in den DKR, daß das Systematische Verzeichnis "bindend" ist? Dem Anhang A "Grundregelungen zur Verschlüsselung (WHO)" kann ich das nicht entnehmen und finde dazu auch an anderer Stelle in den DKR nichts. Helfen Sie mir daher bitte auf die Sprünge.


    Vielen Dank,

    V. Blaschke

    _____________________
    Dr. med. Volker Blaschke

  • Sehr geehrter Herr Blaschke,


    vielleicht meint er DKR D014d mit dem Satz "Maßgeblich für die Kodierung ist stets das systematische Verzeichnis".


    Beste Grüße

    AnMa

  • Guten Tag,

    bitte den gesamten text der DKR beachten:

    Das Alphabetische Verzeichnis der ICD-10-GM unterstützt die Verschlüsselung nach dem Systematischen Verzeichnis inkl. des Kreuz-Stern-Systems und der Zusatz¬schlüssel-nummern. Die im Alphabetischen Verzeichnis verwendeten formalen Vereinbarungen sind dort beschrieben. Maßgeblich für die Kodierung ist stets das Systematische Verzeichnis. Soweit das Alphabetische Verzeichnis zu einem unspezifischen Kode (z.B. „.9-Kode“) führt, ist deshalb im Systematischen Verzeichnis zu prüfen, ob eine spezifischere Kodierung möglich ist.


    Und jetzt reden wir darüber ob ein erniedrigtes Fibrinogen (D65.0) oder eine sonstige Gerinnungsstörung (D68.4) OHNE Nennung des Fibrinogens spezifischer ist.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo,

    im alphabetischen Verzeichnis gibt es in der mir vorliegenden Version 3 Möglichkeiten (außerhalb der Geburtshilfe), um eine Hypofibrinogenämie zu kodieren:

    Hypofibrinogenämie D68.8

    – erworben D65.0

    – familiär D68.20


    Nummer 1 für: ich weiss nicht mehr
    Nummer 2 für: erworben

    Nummer 3 für: angeboren

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Ok, vielen Dank für den Hinweis. Allerdings ist der m. E. auch nicht eindeutig. Hier wird die Systematik nur herangezogen, wenn das alphabetische Verzeichnis zu einem unspezifischen Kode führt. Im vorliegenden Fall führt das alphabetische Verzeichnis durchaus auch zu spezifischen Kodes. Aber so ist das halt: Einfache Dinge sind einfach, über die komplexen kann man lange diskutieren und die kommen dann auch mal vor Gericht.


    Viele Grüße,

    V. Blaschke

    _____________________
    Dr. med. Volker Blaschke

  • Hallo,


    vielleicht noch einmal zur Verbindlichkeit des alphabetischen ICD. Dieser beinhaltet die weiteren Inklusiva des systematischen Verzeichnisses:


    DKR D013: "Die Liste der Inklusiva ist keineswegs erschöpfend; alternative Diagnosebezeichnungen sind im Alphabetischen Teil aufgeführt. Bei der Verschlüsselung einer vorgegebenen Diagnose sollte als erstes dort nachgeschlagen werden."


    ... Soweit das Alphabetische Verzeichnis zu einem unspezifischen Kode (z.B. „.9-Kode“) führt, ist deshalb im Systematischen Verzeichnis zu prüfen, ob eine spezifischere Kodierung möglich ist.


    Und jetzt reden wir darüber ob ein erniedrigtes Fibrinogen (D65.0) oder eine sonstige Gerinnungsstörung (D68.4) OHNE Nennung des Fibrinogens spezifischer ist.

    Ein "unspezifischer" Kode ist einer mit der Bezeichnung "nicht näher bezeichnet". Von den genannten Kodes handelt es sich bei keinem um einen "unspezifischen" Kode, der vorgenannte Überprüfung im systematischen Verzeichnis, ob dort ein spezifischerer Kode vorhanden ist, erforderlich machen würde. D.h., diese Regel ist hier nicht einschlägig.


    Ob unter den genannten drei Kodes einer spezifischer ist als die beiden anderen, ist eine andere Frage.


    Viele Grüße


    M2

  • Hallo,

    ich habe eine Frage zum Thema der Hypofibrinogenämie.

    Die Diagnose D65.0 befindet sich im Kapitel D65.ff Dissiminierte intravasale Gerinnung (Defibrinationssyndrom).
    Kann ein nur erniedrigter Laborwerert ohne die klinische Symptomatik für die Kodierung einer eigentlich so schweren Erkrankung ausreichend sein?

    MFG AlterEgo

  • Hallo,

    Ähnliche Problematiken gibt es aber auch in anderen Kapiteln:

    Die bösartige Neubildung der Milz ist bei C26.- (Bösartige Neubildung sonstiger und ungenau bezeichneter Verdauungsorgane). Ist die Milz ein Verdauungsorgan?

    Zu den Kategorien schreibt das DIMDI:

    Das zentrale Element des Systematischen Verzeichnisses der ICD-10 ist die dreistellige Kategorie, der Dreisteller. Die Überschrift der Kategorie wird als Klassentitel bezeichnet, dem Klassentitel ist ein dreistelliger alphanumerischer Kode zugeordnet

    .....

    Die unter einer Kategorie des Systematischen Verzeichnisses aufgeführten Bezeichnungen sind nicht abschließend; sie dienen als Beispiele für den Inhalt der Kategorie und als Hinweise für deren Umfang und Abgrenzung. Dabei werden sog. Vorzugsbezeichnungen verwendet. Das zugehörige Alphabetische Verzeichnis dagegen enthält neben diesen Vorzugsbezeichnungen auch viele andere, zurzeit gebräuchliche Diagnosenbezeichnungen, also z.B. Synonyme.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo Herr Dr. Blaschke,


    DKR D014d:

    "Das Alphabetische Verzeichnis der ICD-10-GM unterstützt ......Maßgeblich für die Kodierung ist stets das Systematische Verzeichnis. ....."


    DKR toppen doch im stationären Bereich den ICD, oder nicht?


    LG

  • Hallo Ozy,


    Achtung, zitieren Sie die DKR komplett:


    • "Die im Alphabetischen Verzeichnis verwendeten formalen Vereinbarungen sind dort beschrieben. Maßgeblich für die Kodierung ist stets das Systematische Verzeichnis. Soweit das Alphabetische Verzeichnis zu einem unspezifischen Kode (z.B. „.9-Kode“) führt, ist deshalb im Systematischen Verzeichnis zu prüfen, ob eine spezifischere Kodierung möglich ist."


    Die Sätze sind nicht durch einen Absatz getrennt, es ist von "deshalb" die Rede.


    Und ja, die DKR stehen hierarchisch über den ICD-Regeln.


    Viele Grüße


    M2

  • Hallo,


    die FoKA hat die Frage mit Anfrage 0235 auch schon beantwortet und schreibt, dass ein erworbener Fibrinogenmangel, der nicht durch eine DIC verursacht wurde, mit dem Kode D68.4 Erworbener Mangel an Gerinnungsfaktoren zu verschlüsseln sei. Gibt es denn dafür eine andere Begründung als die Vorrangigkeit des Wortlautes der entsprechenden Kodes?

    Grüße