Reihenfolge der Nebendiagnosen und Upcoding ?

  • Hallo Forum,
    folgende Konstellation:
    Hauptdiagnose: I11.0
    Nebendignosen:
    (1)I20.8,(2) 167.4,(3) E11.91,(4) N18.8
    In genau dieser Reihenfoge groupern ergibt die DRG: F62A.
    Ändert man jedoch die Reihenfolge, nämlich die E 11.91 als 1. ND und die I 20.8 an 3. Stelle, bekommt man die F62B.
    Das ist passiert, weil wir bei der Kodierung die Nebendiagnosen möglichst nach medizinischer Logik ordnen, auf unserem Entlassungsschein, der an die Kasse geht, die Nebendiagnosen ( EDV-technisch bedingt) aber alphabetisch sortiert erscheinen. Die Kasse prüft und groupert - und siehe da, es wurde geschummelt - aber nein, beim telefonischen Vergleich stellt sich heraus, das nur die Reihenfolge unterschiedlich eingegeben wurde. Und jetzt ist guter Rat teuer: die Medizincontrollerin sagt, sie hat recht, schließlich steht die Hauptdiagnose Hypertensive Herzkrankheit in unmittelbarem Zusammenhang mit Angina pectoris und Hypertensiver Enzephalopathie und Diabetes und Niereninsuffizienz sind sekundär, also ist unsere Reihenfolge richtig und die F 62 A berechtigt. Das findet die Kasse aber gar nicht, denn es geht um fast 1000 € und wo steht, wer und wie die Reihenfolge ganz genau festzulegen ist?
    Wir schicken jetzt erstmal einen korrigierten Entlassungsschein, aber wie klärt man dieses Problem generell?
    Viele Grüße aus dem Norden
    Katrin Mügge

    Mit freundlichen Grüßen
    Katrin Mügge

  • Hallo Frau Mügge,
    Ihre Controllerin hat eindeutig Recht.
    In den DKR (D003b) steht zwar zunächst, dass es keine Kodierrichtlinie für die Reihenfolge der Nebendiagnosen gibt. Konkretisierend wird aber angemerkt, dass die bedeutenderen Diagnosen, insbesondere Komplikationen und Komorbiditäten zuerst angegeben werden.


    Viele Grüße
    St. Zacher

  • Hallo Frau Mügge,


    das Problem ist bekannt und hier auch mal irgentwo diskutiert worden und beruht auf dem Exklussionsalgorithmus im Grouper, der nur nach vorne schaut und nie nach hinten.


    Auch die Softwarehersteller kümmern sich schon um dieses Problem und integrieren in den sogenannten DRG-Prüfprogrammen die Prüfung nach der Reihenfolge.
    Unter der Kodierrichtlinie D003b ganz am Schluß steht eindeutig:
    "Es gibt keine Kodierrichtlinie, die die Reihenfolge der Nebendiagnosen regelt."
    Dannach geht es weiter mit "Jedoch sollten die bedeutenderen Nebendiagnosen ...." Hier handelt es sich um einen Vorschlag; man kann, muss aber nicht!!
    Daraus folgere ich, dass man als Krankenhaus IMMER die Reichenfolge abrechnen sollte, die den höheren Erlös hat.


    Damit ist den Streiterreien Tür und Tor geöffnet.
    Ich würde an Ihrer Stelle auf die Reihenfolge bestehen!!!


    Aus dem bewölkten Lingen
    --
    MfG


    Thomas Schroeder

    MfG


    Thomas Schroeder

  • Hallo,


    hier ist der Link.


    Gruß
    --
    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Liebes Forum, Liebe Frau Mügge,


    meines Erachtens handelt es sich hier um einen echten Fehler im Algorhythmus des Groupers, wie Herr Schröder auch schon andeutet.


    Im Sinne des Erfinders ist doch wohl, dass die Reihenfolge der ND keinen Einfluss auf das Ergebnis haben darf! Oder höre ich da andere Meinungen????


    Der Grouper schaut nach, ob Nebendiagnosen sich sehr ähneln und somit nicht 2x erschwerend berechnet werden sollen. Wie macht er das?


    Er klappert jede mögliche Paarung der angegebenen Nebendiagnosen ab (der Reihe nach = rekursiv) und betrachtet, ob die eine Diagnose mit der anderen kombiniert noch "berechnungsfähig" bleibt.
    Dazu schaut er in einer Liste: Wenn ich A habe, gilt B dann noch?


    Das setzt aber voraus, dass das Gleiche heraus kommt wenn man die beiden Diagnosen anders herum aufreiht (Wenn ich B habe, gilt A dann noch?), und daran scheitert es in Ihrem Beispiel, Frau Mügge.


    Ich glaube, es liegt in der Kombination Diabetes - Enzephalopathie:


    Groupen Sie mal mit dem online Grouper von 3M HD I67.4 (Enzephalopathie) mit ND E11.91 (Diabetes):
    Beide Diagnosen bekommen [mark=green]CCL = 2[/mark]
    Jetzt versuchenSie mal HD E11.91 (Diabetes) mit ND I67.4 Enzephalopathie):
    Die Enzephalopathie hat jetzt [mark=red]CCL = 0[/mark] und ich meine, das ist das Problem!


    Der Grouper geht davon aus, dass wenn A mit B erlaubt ist, dass dann auch B mit A erlaubt ist. Und das ist auch logisch, nicht wahr?


    Aber es fehlen offensichtlich ein Paar Angaben der entsprechenden Liste und jetzt scheint die Situation so zu sein:

    • Diabetes als ND verhindert, dass Enzephalopathie die Fallschwere zusätzlich erhöht.
    • Enzephalopathie als ND erlaubt aber, dass Diabetes die Fallschwere zusätzlich erhöht.


    Und jetzt spielt plötzlich die Reihenfolge der ND ein Rolle...


    Ich glaube, es so richtig dargestellt zu haben, aber ich gebe zu, dass ich etwas unsicher bin. ?(
    Ich freue mich wenn mich jemand eines Besseren belehren kann...?


    Einen schönen Tag wünscht


    R. Salomé
    Medizinmanager

  • Schönen guten Tag Herr Salomé!


    Wenn Sie Nebendiagnosen mit verschienenen Hauptdiagnosen groupen, dann ist es relativ klar, dass sie unterschiedliche CCL-Werte erhalten, denn der CCL-Wert einer Diagnose bezieht sich auf die DRG und kann dementsprechend je nach herauskommender DRG unterschiedlich sein.


    Schönen Tag noch,
    --
    Reinhard Schaffert


    Medizincontroller
    Facharzt für Chirurgie
    Krankenhausbetriebswirt(VWA)
    Kliniken des Wetteraukreises




  • Hallo,




    Ich habe Zweifel, ob die Diagnose hypertensive Encephalopathie (I67.4)in Kombination mit I11.0 korrekt ist.


    Hierbei handelt es sich um ein schweres eigenständiges Krankheitsbild.


    „Zum Zeitpunkt der neurologischen Symptomatik hat die Hypertonie im allgemeinen das maligne Stadium mit retinalen Blutungen, Exsudaten, Papillenödem und Zeichen einer renalen und cardialen Beteiligung erreicht...
    Mikroskopisch finden sich kleine Blutungen ...
    Der Ausdruck hypertensive Encephalopathie sollte nur dieses Syndrom reserviert bleiben und nicht bei chronisch rezidivierenden Kopfschmerzen, Müdigkeit, epileptische Anfälle, rezidivierende TIA, oder kleinen Insulten, die oft zusammen mit hohem Blutdruck auftreten, verwendet werden.“


    Harrisons Innere Medizin



    Gruß


    E Rembs

  • Hallo Forum.


    Eine sehr interessante Konstellation von Nebendiagnosen (nicht unbedingt im medizinischen Sinne; ich musste meinen guten Freund Pschyrembel ;D fragen, was eine hypertensive Enzephalopathie eigentlich ist )
    Unser Grouper zeigt das gleiche Ergebnis, und ich werde in Zukunft ( will heissen bei Anfragen der KK bezüglich A oder B) auch ein Auge auf die Reihenfolge der Kodes werfen.


    Daher vielen Dank an Frau Mügge.:rotate:

    Gruß
    papiertiger


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