Gangränöse Appendizitis

  • Hallo Forum,


    wie wird eigentlich eine als
    \"gangränöse Appendizitis mit lokaler Peritonitis\"
    beschriebene Appendizitis korrekt kodiert ?


    Mit freundlichen Grüßen


    C. Hirschberg

  • Schönen guten Tag Herr Hirschberg!


    Sofern es sich lediglich um eine leichte Begleitperitonitis ohne Abszess oder (gedeckte) Perforation handelt, bleibt es bei der K35.9.


    Der ICD definiert es in den Inclusive bzw. Exklusiva ziemlich genau:



    Schönen Tag noch,

  • Vielen Dank, vorab.


    Wie soll allerdings kodiert werden:


    \"abszedierende Appendizits mit lokaler Peritonitis\"


    KODIP verweist hier mit einem (inoffiziellen) Thesauruseintrag
    (=abszedierende Appendizitis) auf:


    K35.1 Akute Appendizitis mit Peritonealabszeß


    dieser Kode enthält allerdings nicht die lokale Peritonitis...


    Andererseits wird für K65.- Peritonitis ausdrücklich die Verschlüsselung
    im Zusammenhang mit einer Appendizitis ausgeschlossen...


    Unseren Chirurgen gegenüber vertrete ich die Auffassung
    \"abszedierende Appendizits mit lokaler Peritonitis\"
    = K35.1 ohne weiteren Peritonitiskode


    Sieht ein Forumsmitglied dies anders ?


    Mit freundlichen Grüßen


    C. Hirschberg

  • Schönen guten Tag Herr Hirschberg!


    Ich gebe Ihnen Recht! Nach meiner Auffassung geht der Peritonealabszess über die lokale Peritonitis hinaus oder umgekehrt: Ein Abszess beinhaltet fast immer eine lokale Begleitperitonitis.


    Im Übrigen wird man vermutlich eine lokale Peritonitis nicht aufwändiger behandeln, als einen Abszess, so dass ich die Notwendigkeit der Differenzierung in der Verschlüsselung (Abszess mit oder ohne lokaler Peritonits) auch nicht sehe. Dies ändert sich erst bei der generalisierten Peritonitis oder Perforation, aber dafür gibt ja die K35.0.


    Ich wünsche noch einen schönen Tag,

  • Hallo Forumsmitglieder,


    ich möchte an das Thema anknüpfen, da ich nicht einordnen kann, wie eine gangränös perforierte Appendizitis mit lokaler Peritonitis richtig kodiert werden muss.


    - lt. Eintrag im Forum von Herrn R. Schaffert vom 24.06.2004:
    Sofern es sich lediglich um eine leichte Begleitperitonitis ohne Abszess oder (gedeckte) Perforation handelt, bleibt es bei der K35.9.


    - lt. Eintrag im Forum von Herrn Dr. Finke vom 02.03.06:
    Akute Appendizitis mit (gedeckter oder freier) Perforation = K35.0


    Im OP-Bericht wird eine vollständig umschlossene, beginnend abszedierende Appendizitis, gangränös perforiert beschrieben. Bei der Präparation zerreisst die Appendix, die Basis kann sicher dargestellt und abgesetzt werden. Sicherer Verschluss der Appendixbasis. Spülung mit 1,5 l kristalloider körperwarmer Spülflüssigkeit, Einlage einer Easy-Flow-Drainage.


    Im OP-Bericht wird als klinische Diagnose eine gangränös perforierte Appendizitis mit lokaler Peritonitis angegeben. Hinweise im OP-Bericht auf eine diffuse Peritonitis zeigen sich nicht.


    Lt. ICD wird K35.0 wird bei einer diffusen Peritonitis kodiert bzw. einer akuten Appendizitis mit Perforation.
    ICD K35.9 bei einer Akuten Appendizitis mit Peritonitis lokal oder o.n.A.
    bzw. Akute Appendizitis ohne Perforation.


    In diesem Fall habe ich jetzt eine lokale Peritonitis mit Perforation.
    Ist dies jetzt mit K35.0 oder mit K35.9 zu kodieren?


    Vielen Dank für Ihre Antworten.


    Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
    tehall

    Mit freundlichen Grüßen
    tehall

  • Hallo Tehall,


    hier ist die K35.9 die leichtere Erkrankung. Dieser Kode wird kodiert, wenn maximal eine lokale Peritonitis besteht. Bei der K35.9 wird eine Perforation, ein Abszess und eine Ruptur ausgeschlossen, daher ist dieser ICD in Ihrem Fall nicht korrekt.
    Unter den ICD K35.0 fällt auch die akute Appendizitis mit Perforation oder Ruptur, auch wenn keine Peritonitis vorhanden ist, also ist dieser Kode korrekt.


    Mit freunldichen Grüßen


    A. Bauer

  • hallo abauer,


    vielen Dank für die schnelle Antwort.


    Mich irritiert, dass bei Kode K35.9 eine Akute Appendizitis mit Peritonitis lokal angegeben ist. Meines Erachtens schließt die Anwendung des Kodes K35.9 im Falle einer lokalen Peritonitis daher eine Perforation nicht aus.


    Sobald ich eine gedeckte Perforation habe, muss ich doch von einem lokalen Geschehen ausgehen oder sehe ich das falsch?


    Vielen Dank für Infos.


    Mit freundlichen Grüßen
    tehall

    Mit freundlichen Grüßen
    tehall

  • Hallo Tehall,


    ob das Geschehen lokal ist, spielt keine Rolle, auch bei der K35.1 liegt ein lokales Geschehen vor.


    Bei der K35.0 ist nicht nur die diffuse Peritonitis, sondern auch eine Peritonitis nach Ruptur oder Perforation (ohne Ausschluss einer lokalen Peritonitis) zugehörig. Die Kodierung der K35.9 ist bei einer Perforation explizit ausgeschlossen.


    [center]K35.0 akute Appendizitis mit diffuser Peritonitis
    Appendizitis (akut) mit:
    - Perforation
    - Peritonitis
    - Ruptur


    K35.9 akute Appendizitis, nicht näher bezeichnet
    akute Appendizitis ohne:
    - Perforation
    - Peritonitis
    - Ruptur
    Akute Appendizitis mit Peritonitis, lokal oder o.n.A.[/center]


    Hintergrund des Hinweises zur lokalen Peritonitis ist aus meiner Sicht, dass es eine lokale Begleitentzündung des anliegenden Bauchfells gibt, die keine größere Konsequenz hat. Auch dies ist nominell eine lokale Peritonitis. Dies ist nicht vergleichbar mit einer Ruptur, wo Darmbakterien in den Bauchraum gelangen und z.B. eine ausgeprägtere Spülung, die Einlage einer Drainage und eine Antibiose angezeigt ist.
    Ich kodiere wie folgt:
    K35.0 immer bei Perforation/Ruptur oder diffuser Peritonitis (ohne Ruptur aber selten)
    K35.1 bei Abszess
    K35.9 sonst


    Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen.
    mit freundlichen Grüßen


    A. Bauer

  • Sehr geehrtes Forum, liebe Mitstreiter,


    mich beschäftigt passend zum Thema seit langem folgendes Problem:


    Wie definiert sich ein Appendixabszess (ICD K35.1)??


    Def. Abzess: …Eiteransammlung in einem nicht präformierter Körperhöhle…


    Laut Histologie: …Eitermassen im Lumen sowie fibrinös-eitrige Periappendizitis…


    Liegt hier ein Appendixabzess (K35.1) vor, oder ist der Befund mit K35.9 komplett dargestellt??


    Im Voraus besten Dank für die Beiträge.


    Mit freundlichen Grüßen

  • Hallo Borderline,
    Eiter in einem Organ bzw. vorbestehender Höhle nennt man Empyem und ist sinnvollerweise von einem (Peritoneal-)Abszess abzugrenzen, also nur 35.9, es sei denn, der Operateur hat eine diffuse Peritonitis beschrieben.

    [f2]Mit freundlichen Grüßen


    Dr. M. Finke
    Oberarzt der Chirurg. Abteilung :i_ritter:
    Rotkreuzklinik Lindenberg[/f2]

  • Hallo zusammen,


    in diesem Zusammenhang ist auch mal ein Blick auf die Histologie hilfreich.
    Wenn dort die \"Perforation\" beschrieben ist, kann man ohne Probleme sofort die K35.0 kodieren.


    Mit Gruß

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg

  • Hallo zusammen,


    danke für die Beiträge.


    Ich habe mich höchstwahrscheinlich zu schwammig ausgedrückt. Was ein Empyem ist, ist mir durchaus bekannt. Auch dem Unterschied .0 und .9 bin ich mir bewusst.


    Die eigentlich primäre Frage wäre:


    Was ist ein Appendixabzess ????


    Dieser ist unter K35.1 aufgeführt. Was muss ich erfüllen um diesen codieren zu dürfen?? Gibt es einen Appedixabzess überhaupt??


    Nicht uninteressant, da Erlöstechnisch mit der K35.0 gleichwertig.


    Danke und einen wunderschönen Tag.