Eventrekorder bei Hirninfarkt

  • Hallo,


    im gleichen Aufenthalt soll ein Eventrekorder bei Hirninfarkt implantiert werden. Hat jemand Erfahrung damit? Fordert der MDK irgendwelche Voraussetzung zur Anerkennung?


    Vielen Dank im Voraus.


    MfG
    Ines Huttasch

  • Hallo,

    Fordert der MDK irgendwelche Voraussetzung zur Anerkennung?

    nur die medizinische Notwendigkeit.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Guten Tag, Frau Mutasch,


    was Herr Horndasch da so nett in zwei Worten zusammen gefasst hat, können Sie natürlich auch ausführlich erläutert finden. Die AHA hat gemeinsam mit der ASA (und der Firma Metronic ;) ) eine Initiative namens
    Understanding Diagnosis and Treatment of Cryptogenic Stroke
    ins Leben gerufen. Dort sind aktuelle Guidelines und auch Erklärungen für Patienten niedergelegt.
    Wenn Sie sich mit Ihrem MDK unterhalten wollen, finden Sie hier jede Menge Basiswissen.
    Der MDK Nord hatte sich in einer Ausarbeitung für die Kassen vor ca. einem Jahr eher kritisch gegenüber der Implantation von Event Recordern gezeigt und zunächst die Ausschöpfung aller sonstigen Diagnostik gefordert.


    Gruß


    W.

  • Hallo zusammen,


    der MDK Nordrhein geht noch weiter und zweifelt die Indikation im Sinne des Wirtschaftlichkeitsgebots an, wenn nicht alle externen Ableitungsmöglichkeiten bis zu einem Zeitraum von 30 Tagen ausgeschöpft wurden, selbst bei Fällen in denen unzweifelhaft eine stationäre Notwendigkeit zum Zeitpunkt der Implantation bestand.
    Abstrus wird es wenn Sie versuchen externe Langzeitgeräte (bis 30 Tage) bei uns auf dem Markt zu finden. Bis jetzt gibt es diese wohl nur im amerikanischen Raum, da in Deutschland keine Vergütungsmöglichkeit für diese Geräte besteht. Also müsste man dem Patienten für den genannten Zeitraum LZG´s verpassen.
    Ambulant können Sie das Gerät auch nicht abrechnen da es im EBM keine Abbildung findet.


    Viele Grüße

  • Hallo Zusammen,


    vielen Dank .


    Mit freundlichen Grüßen
    Ines Huttasch

  • Guten Tag zusammen,

    ich wurde heute informiert, dass es ein Grundsatzgutachten des MDS vom 12.04.2019 geben soll, in dem die medizinische Sinnhaftigkeit eines Eventrekorders grundsätzlich in Frage gestellt wird, da dies die Studienlage derzeit nicht hergibt.

    Und deshalb natürlich keine Implantation mehr anerkannt wird. Kennt das jemand?

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo,


    daran wäre ich auch interessiert. Ich kenne nur das Grundsatzgutachten des MDK im Auftrag der Barmer vom Februar 2016.


    Gruß,

    S. Stephan

  • Wenn es eine neues GA dazu gibt, hätte ich es auch gerne, ich kenne auch nur das aus 2016.


    Vielen Dank,


    V. Blaschke

    _____________________
    Dr. med. Volker Blaschke

  • Kann mir jemand helfen? Leider haben wir hier auch einen Fall aus 2016, worin der MDK den Eventrecorder nach Hirninfarkt ablehnt.

    Hat jemand den Fall irgendwie durchbekommen?

  • Hallo,


    das ist auch bei uns ein großes Problem. Aktuell haben wir eine Sammlung an Fällen zur Prüfung des Klagepotentials beim Medizincontroller. Wir warten da auf die Rückmeldung.


    In diesem Zusammenhang sind wir allerdings über die Crystal-AF-Studie gestolpert - Kennt jemand diese und kann genauere Aussagen hierzu treffen? Vielen Dank.


    Freundliche Grüße aus Sachsen

    Cyre

  • Hallo Cyre,

    einfach mal "googlen", dann finden Sie mehrere kurze Zusammenfassungen.


    Die Studie hat zwar gezeigt, dass sich bei Pat. mit kryptogenem Schlaganfall / TIA mit Hilfe des Ereignisrekorders häufiger intermittierende Episoden von Vorhofflimmern erkennen lassen als ohne den Rekorder, ob die Patienten aber in Bezug auf harte Endpunkte, Überleben, Re-Apoplex etc. davon profitieren, wurde hier nicht untersucht.

    Es gibt eine neue S1-AWMF-Leitline für Diagnostik und Therapie der Synkopen in der Neurologie, hier wird der Einsatz von ILR an mehreren Stellen empfohlen, der Evidenzgrad ist aber gering.


    Gruß

    S. Stephan

  • Liebe Mitlesenden,


    das ist ein uraltes Thema. Der MDK hat dazu vor vielen Jahren mal ein Grundsatzgutachten erarbeitet. Und dessen Ergebnisse werden jetzt solange weiter umgesetzt, bis die Kassen häufig genug vor Gericht verloren haben.

    Wenn Sie häufiger mit dem Thema zu tun haben, sollten Sie sich mit Ihren Anwendern, Kardiologen oder Neurologen hinsetzten und mit denen zusammen eine schriftliche Begründung für die Intervention ausarbeiten, am besten mit ein paar Literaturstellen.


    Wir haben diese Anfragen nur noch selten, deshalb ist mein Textblock dazu nicht mehr auf dem neuesten Stand.

    Aber ich stelle Ihnen den hier mal zur Diskussion und zur Weiterverwendung zur Verfügung. Damit haben Sie dann schon mal einen Anfang.


    Event-Recorder Stroke

    Vorhoffflimmern ist ein wichtiger Risikofaktor für den Schlaganfall, der abzuklären und ggf protektiv zu behandeln ist.

    Etwa jeder fünfte ischämische Schlaganfall ist Folge einer kardialen Embolie bei Vorhofflimmern. Ein VHF erhöht die Gefahr des Schlaganfalles etwa um den Faktor 5. Mit VHF assoziierte Schlaganfälle sind oft fatal, und die überlebenden Patienten sind im Mittel schwerer beeinträchtigt und haben ein höheres Risiko für einen Rezidiv-Schlaganfall. Patienten mit paroxysmalem VHF haben dabei ein gleich hohes Risiko wie Patienten mit permanentem VHF (siehe Leitlinie Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall 2015)

    Das Langzeit-EKG reicht zur Detektion nicht aus.

    Die aktuellen Leitlinien zum Schlaganfall empfehlen zur Erkennung eines Vorhoffflimmerns derzeit eine 24-Stunden-EKG-Monitor-Überwachung in einer Stroke Unit und darüber hinaus weitere Diagnostik nach Ermessen des Arztes. Mit wachsender Beobachtungsdauer steigt hier auch die Sensitivität, ein Vorhofflimmern zu diagnostizieren. Die CRYSTAL-AF-Studie zeigte u.a., dass bei Patienten mit einem Event-Rekorder die erste Vorhofflimmer-Episode im Mittel erst nach 35 Tagen vorlag. Ferner hatten 8% der Patienten ihre Episoden über max. 6 Minuten, 19% zwischen 6 und 60 Minuten. Mit einem Langzeit-EKG würden damit von den relevanten Fällen nur ein Bruchteil erfasst.

    Auch die ASSERT-Studie (Evaluation in Pacemaker Patients Trial) konnte den Nutzen von langen EKG-Aufzeichnungen aufzeigen. Hierbei erfolgte ein Langzeit-Monitoring über implantierte Schrittmacher oder ICDs bei Patienten ohne Vorhofflimmern in der Anamnese: In zehn Prozent der Fälle wurde Vorhofflimmern von mehr als sechs Minuten Dauer aufgezeichnet; und zwar bereits innerhalb der ersten drei Beobachtungsmonate – also in einem Zeitraum, in dem die Schlaganfallnachsorge noch nicht zum Tragen kommt. Die erste Episode von Vorhofflimmern trat im Mittel nach 35 Tagen auf – ein Umstand, der bessere Ergebnisse der implantierbaren gegenüber den (temporär) externen Eventrecorder erwarten lässt. Prospektiv untersucht zeigte sich, dass auch subklinische Episoden von Vorhofflimmern einen 2,5-fachen Risikoanstieg für Schlaganfälle oder systemische Embolien mit sich bringen.

    Diese Ergebnisse wurden 2019 in der Übersichtsarbeit: Duration of Implantable Cardiac Monitoring and Detection of Atrial Fibrillation in Ischemic Stroke Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis von G. Tsivgoulis et al bestätigt.

    Und mit zunehmender Tragedauer sinkt die Compliance für das Holter-EKG ganz erheblich, sodass hier die implantierbaren Eventrecorder die bessere Alternative darstellen. Praktisch funktioniert eine externe Langzeit-Ableitung schon wegen der abfallenden Elektroden und der Verkabelung kaum länger als 1-2 Tage..

    Differenzierung wichtig für die Wahl der Behandlung!

    Die Differenzierung nach möglicher Ursache ist für die Entscheidung über die mögliche Prophylaxe sehr wichtig. Denn es profitieren von der Antikoagulation nur solche Patienten, bei denen das VHF nachgewiesen wurde. Eine generelle Antikoagulation ist nicht sinnvoll. (NAVIGATE-ESUS, RESPECT-ESUS etc.).

    Bei nachgewiesenem VHF folgt Antikoagulation: Leitlinie 2015!

    Gelingt es jedoch, den Verdacht auf Vorhofflimmern zu bestätigen, hat dies erhebliche Konsequenzen für die Sekundärprävention: Während die Leitlinien für Schlaganfall-Patienten ohne Vorhofflimmern Plättchenhemmer wie ASS oder Clopidogrel empfehlen, schützt die gleiche Strategie nicht mehr ausreichend, wenn zusätzlich ein Vorhofflimmern vorliegt – in diesem Fall sprechen die Leitlinien eine klare Empfehlung für eine orale Antikoagulation aus. (Apart from the positive results with aggressive antiplatelet therapy (either DAPT or ticagrelor), a breakthrough in 2017 was the publication of the Cardiovascular Outcomes for People Using Anticoagulation Strategies (COMPASS) trial). Siehe auch: Anand SS, Bosch J, Eikelboom JW, Connolly SJ, Diaz R, Widimsky P, et al. Rivaroxaban with or without aspirin in patients with stable peripheral or carotid artery disease: an international, randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2017;Nov. 10. [Epub]. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(17)32409-1.

    Tsivgoulis bestätigte diese Erkenntnisse: "ICM emerges as an extremely useful diagnostic tool to identify those patients with occult AF within the heterogeneous group of ESUS or CS patients [58]. Therefore, prolonged monitoring could have a substantial impact on the secondary prevention of CS patients with underlying AF, leading to prompt anticoagulant initiation and lower stroke recurrence [59]"

    Die Umsetzung: beispielsweise in Form des Birmingham 3-step management pathways

    Früh einsetzende Therapie erhält kognitive Leistungsfähigkeit!

    Menschen mit Vorhofflimmern entwickeln seltener eine Demenz, wenn sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Dies zeigt eine schwedische Studie mit fast einer halben Million Patienten. Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen – rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen. Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall oder Demenz. Eine frühzeitige Behandlung mit oralen Antikoagulanzien, wozu beispielsweise in Deutschland das Medikament Marcumar (Wirkstoff: Phenprocoumon) und die neueren, sogenannten NOAKs zählen, senkt nicht nur das Schlaganfallrisiko dieser Patienten, sondern kann auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit bewahren und sie vor Demenz schützen, betonen die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).


    Gruß


    Mc.