Kommentare zu den MDS-Kodierempfehlungen (SEG4)

  • Guten Morgen,


    ich möchte hier gerne die Kommentare zu den Kodierempfehlung des MDK sammeln.


    Kodierempfehlung Nr. 69, Commotio cerebri


    Hier soll R51 Kopfschmerz als HD zugeordnet werden, wenn nach Sturz zwar Kopfschmerzen bestehen, bei der Überwachung eine Commotio aber ausgeschlossen wurde.


    Ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Wenn nach Sturz mit Kopfverletzung (dadurch ja nun mal der Schmerz) die Commotio ausgeschlossen wurde, liegt eine Prellung vor (was sonst? Lassen wir mal das Spielchen mit der HWS-Distorsion weg). Somit scheidet die Kodierung des Symptoms aus, da ich eine Diagnose stellen kann, die das Symptom erklärt.


    Die Auslegung vom MDK beschert einem zwar ein höheres RG, ändert aber nichts an meiner Meinung.


    Bei dieser Empfehlung bestand allerdings kein Konsens, es handelt sich um eine Mehrheitsentscheidung.


    Hinweis vom 14.5.2007


    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Kodierempfehlung Nr. 80


    Angeblich darf man B95.6! neben M00.01 nicht kodieren, da dadurch bereits Staph. erwähnt sei.


    Dies ist nicht korrekt, da nur Staph. gesagt wird, aber nicht weiter unterschieden wird. Deswegen ist B95.6! zusätzlich zu kodieren, um Staph. aureus zu spezifizieren.


    Beispiel für Erkrankung mit abschließender Nennung des Erregers (Kein zusätzlicher B-Kode):
    J13 Pneumonie durch Streptococcus pneumoniae


    Auch wenn es sich hierbei um einen Konsens handelt, hat man sich auf etwas Falsches geeinigt.....


    21.6.10: Die SEG4 hat dies nun korrigiert.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo zusammen,


    hinweisen möchte ich auf die Nummer 26, die das leidige: \"Den Betablocker für den Hochdruck, den ACE-Hemmer für die Niere und das Lasix für die Insuffizienz (mehr oder weniger beliebig rotierbar...)\" beenden dürfte.


    Viele Grüße,


    V. Blaschke

    _____________________
    Dr. med. Volker Blaschke

  • Hallo,


    ich gehe mit Herrn Selter zu Nr. 69 d´accord. M.E. wird hier auch die Prellung zur HD. Was machen wir denn, wenn der Pat gar keine Kopfschmerzen hat? Nehmen wir dann den Schwindel? Oder ggf. beides? Oder sonst doch eine Z03.3?


    Bemerkenswert finde ich auch Nummer 59, Komplikationen unter Chemotherapie:
    Die Pneumonie ist also nicht sicher Folge der Neutropenie...
    Und wer legt fest, dass das Erbrechen und die Leberwertveränderungen in den anderen beiden Beispielen kausal mit der Chemotherapie zusammenhängen?


    Gruß, J.Helling

  • Guten Tag,


    bzgl. der 69 bin ich ebenfalls der Meinung von Herrn Selter. Zur Klarstellung: gemeint ist die Schädelprellung (S00), nicht die Gehirnprellung=Contusio cerebri (S06).


    Nicht einverstanden bin ich auch mit der Empfehlung Nr. 29. Es handelt sich hier nicht um zwei gleichwertige Diagnosen. Vielmehr müsste die Empfehlung wie folgt lauten (kursiv gesetzte Passagen geändert):


    \"Die Hauptdiagnose G45.- Zerebrale transitorische Ischämie und verwandte Syndrome beschreibt lediglich die klinische Diagnose, die Hauptdiagnose I63.- Hirninfarkt beschreibt zusätzlich die morphologische Diagnose (Ergebnis der bildgebenden Diagnostik). Daraus ergibt sich die Situation, dass das Krankheitsbild mit I63.- spezifischer beschrieben wird, I63.- ist somit als Hauptdiagnose zu kodieren.\"


    Ansonsten gilt zu den MDK-Empfehlungen weiterhin das hier und hier geschriebene. Es fehlen weiterhin Quellen, Evidenznachweise, ...


    Immerhin schränkt der MDK nun bei der Neuauflage ein:

    Zitat


    Die vorliegenden Kodierempfehlungen stellen keine rechtsverbindlichen Vorgaben dar.


    Andererseits kann

    Zitat

    Die Veröffentlichung soll die Transparenz bezüglich der MDK-Begutachtungen fördern und damit mehr Verfahrenssicherheit für Krankenhäuser und Krankenkassen schaffen.


    ja wohl nur bedeuten, dass aus Sicht des MDK für Krankenhäuser, die sich nicht an die \"Empfehlungen\" halten (und dafür gibt es, wie man an diesem Thread sieht, viele gute Gründe) keine \"Verfahrenssicherheit\" besteht. (was immer damit gemeint sein soll).


    Und der MDK sollte sich hüten von \"Transparenz\" zu reden, so lange noch nicht ein mal die Autoren der \"Empfehlungen\" namentlich genannt werden.



    Viele Grüße!

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



    I'd rather have a full bottle in front of me than a full frontal lobotomy

  • Hallo allerseits,


    Kodierempfehlung Nr. 39, Tachyarrhythmie, Hyperthyreose


    Hier soll bei \"Einweisung\" wegen einer Tachyarrhythmie und Feststellung einer Hyperthyreose die Tachyarrhythmie als HD kodiert werden, da sie \"Anlass für die Aufnahme ins Krankenhaus\" war.


    Das Beispiel ist m.E. falsch und führt nur zur Verwirrung. Überdies wird dem alten Mißverständnis Vorschub geleistet, die \"Einweisungsdiagnose\" eines Patienten sei als Hauptdiagnose zu kodieren.


    Wenn ein Patient aufgrund einer Tachykardie aufgenommen wird, die eindeutig auf eine (bisher nicht bekannte) Hyperthyreose zurückgeführt werden kann, dann ist gemäß DKR D002 als Hauptdiagnose die Hyperthyreose zu kodieren; die Tachykardie stellt in diesem Zusammenhang ein Symptom dar und wird nur unter bestimmten Umständen zusätzlich kodiert.


    Anders sieht es aus, wenn Tachyarrhythmie und Hyperthyreose in keinem Kausalzusammenhang stehen. Diese Frage wird in dem Beispiel aber überhaupt nicht diskutiert.


    Mit freundlichen Grüßen


    Markus Hollerbach

  • Guten Tag zusammen,


    ich nehme an, die Eröffnung dieses Threads ist von Herrn Selter dahingehend gemeint, Transparenz und Öffentlichkeit vor allem für das Machwerk selbst zu schaffen, was ich sehr begrüße. Ich halte es für sehr problematisch, wenn es auf diese Art so etwas geben soll wie ein zweites DIMDI bzw. eine Außenstelle der Selbstverwaltung, das quasi ein Exegese-Institut für die noch zu regelnden Probleme darstellt.
    Ich würde daher anregen, daß man (der Begriff \"Konsens\" ist in dem Dokument auf MDK-Seite schon genannt und daher auch für die Krankenhausseite verwendbar) eine konsentierte Stellungnahme (vielleicht als \"Offenen Brief\") verfaßt und publiziert.

    Gruß aus DU
    Dr. med. Andreas Sander
    Evangelisches und Johanniter
    Klinikum Niederrhein

  • Hallo an alle.


    Weiß nicht ob ich richtig liege, aber dieKodierempfehlung Nr. 20 passt m.E. nicht.


    Problem/Erläuterung:
    Verschlüsselung der Hauptdiagnose bei Patienten mit Aufnahme wegen
    Shunt-Thrombose.
    Kodierempfehlung:
    Für einen Patienten, der bereits vorher einen Shunt erhielt und bereits regelmäßig
    dialysiert wird, ist als Hauptdiagnose der entsprechende Grund
    der Aufnahme zu kodieren: I74.- Arterielle Embolie und Thrombose.


    Beschreibt die T82.8 eine Shunt-Thrombose nicht besser?

    Gruß
    papiertiger


    Sport: eine Methode, Krankheiten durch Unfälle zu ersetzen.

  • Hallo Papiertiger!


    Wir codieren grundsätzlich die T82.8 als Shuntkomplikation. Bisher hat dies noch kein MDK bemängelt.


    Mit freundlichem Gruß
    Frank Killmer

    Frank Killmer

  • Hallo Forum,


    bezeichnend für die „Qualität“ einiger MDK-Ärzte scheint mir, wenn extra eine Kodierempfehlung (Nr. 36) für die Portanlage bei Karzinom erforderlich ist. Hier sind die DKR ja wirklich eineindeutig (Ca = HD).
    Und dann ist die SEG („Sondereinsatzgruppe“ ? ) 4 noch nicht einmal in der Lage, sich zu einem Konsens durchzuringen, sondern schafft lediglich ein Mehrheitsvotum. :laugh:


    MfG

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. med. Roland Balling

    Chirurg
    Medizincontroller
    "Ärztliches Qualitätsmanagement"
    Chirurgische Klinik, 82229 Seefeld

  • Hallo Herr Balling,


    Vorsicht! Immerhin haben sich einige hochbezahlte Mitarbeiter hingesetzt und duese Sondereinsatzgruppe Kodierempfehlung gegründet. (Das sollten wir Krankenhausmitarbeiter vielleicht auch machen). Die Frage, die sich mir nur stellt, wieviele Kodierempfehlungen werden denn nun herauskommen, deutsche Gründlichkeit mit berechnet!


    Schönes WE

    schnippler2
    Med. Controller/Chirurg

  • Hallo zusammen,
    ich bin ähnlicher Meinung wie Hr. Sander - was sollen \"Empfehlungen\" des MDK?? Es wurde schon oft diskutiert (auch hier), dass \"Kodierempfehlungen\" der Deutschen Gesellschaft für IrgendeineFachgebiet nicht verbindlich sind. Warum soll es dem MDK anders gehen - zumal bei MDK vermutlich verschiedene Fachärzte an einem Tisch saßen und mind. die Hälfte beim jeweiligen Thema \"fachfremd\" war.


    Wozu hat man InEK, DIMDI und Verfasser von DKRs? Die Vorschläge z.B. ans INEK sollen doch über die Fachgesellschaften eingereicht werden. Wozu brauchen wir noch eine Truppe, die eigene Regeln aufstellt?


    Hauptvorteil ist tatsächlich die Transparenz - im Gegensatz leider zu manchem Kliniker-Hirn, das sich auch seine eigenen Kodierregeln zusammenbastelt...


    Viele Grüße
    P.Dietz