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Sofortprogramm Bund zur IT-Sicherheit in Krankenhäusern gefordert

Sofortprogramm Bund zur IT-Sicherheit in Krankenhäusern gefordert (Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz).

Einen Monat nach den Hackerangriffen auf die Computersysteme der Einrichtungen des DRK-Südwest fand heute auf Einladung von Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler ein Runder Tisch IT-Sicherheit statt. Vertreterinnen und Vertreter von Behörden...

Einen Monat nach den Hackerangriffen auf die Computersysteme der Einrichtungen des DRK-Südwest fand heute auf Einladung von Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler ein Runder Tisch IT-Sicherheit statt. Vertreterinnen
und Vertreter von Behörden und Organisationen der Bereiche IT-Sicherheit und
Datenschutz, der rheinland-pfälzischen Krankenhäuser und darüber hinaus haben
teilgenommen und sich über IT-Sicherheit in Krankenhäusern ausgetauscht.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer analysierten den konkreten Fall der
Cyberattacke auf die DRK-Trägergesellschaft Süd-West und tauschten sich
intensiv über mögliche Schlussfolgerungen aus. „Für mich stehen der Schutz und
die Sicherheit der Patientinnen und Patienten und ihrer Daten an erster Stelle.
Daher ist es mir wichtig, die Frage zu diskutieren, wie wir derartigen
Vorfällen präventiv entgegenwirken und ihre Folgen eindämmen können“, betonte
Bätzing-Lichtenthäler.

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler forderte ein Sofortprogramm
Bund zur IT-Sicherheit in Krankenhäusern, das besonders kleinere Krankenhäuser
dabei unterstützen soll, verstärkt in die Sicherheit der Krankenhaus-IT zu
investieren. „Mit dem Sofortprogramm Bund zur IT-Sicherheit in Krankenhäusern
sollen die Mittel des Krankenhausstrukturfonds für Investitionen in die
IT-Sicherheit auf alle Krankenhäuser ausgeweitet werden. Dafür ist eine
Aufstockung der im Rahmen des Strukturfonds zur Verfügung stehenden Mittel
unerlässlich. Investitionen in die IT-Sicherheit dürfen nicht zu Lasten anderer
sinnvoller Maßnahmen zur strukturellen Verbesserung der Krankenhausversorgung
gehen. Als Landesgesundheitsministerin werde ich mich für die Bereitstellung
der notwendigen Haushaltsmittel für die erforderliche Kofinanzierung
einsetzen“, sagte die Ministerin. Bislang ist Voraussetzung für eine Förderung
entsprechender Investitionen, dass die Krankenhäuser jährlich mehr als 30.000
Behandlungsfälle – entsprechend der sogenannten „Kritisverordnung“ –
aufweisen.

Die Forderung der Ministerin nach einem Sofortprogramm Bund zur IT-Sicherheit
in Krankenhäusern wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Runden
Tisches ausdrücklich begrüßt und unterstützt.

Ministerin Bätzing-Lichtenthäler kündigte zudem an, diese Forderung auch im
Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz aktiv zu vertreten: „Gerade auch
kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum sind für die Versorgung der
Bevölkerung in hohem Maße relevant und müssen in der Lage sein, Angriffe auf
die IT abzuwehren, die Patientenversorgung aufrecht zu erhalten und sensible
Patientendaten zu schützen. Daher werde ich – möglichst im Schulterschluss mit
den anderen Ländern über eine Initiative im Rahmen der
Gesundheitsministerkonferenz – den Bund bitten, die entsprechenden gesetzlichen
Voraussetzungen zu schaffen.“

Als weiteres konkretes Ergebnis einigten sich die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer darauf, eine mit Fachexperten der vertretenen Organisationen
besetzte Projektgruppe ins Leben zu rufen, die in den kommenden Wochen konkrete
Vorschläge, Maßnahmen und Empfehlungen zur Verbesserung der IT-Sicherheit in
Krankenhäusern ausarbeitet. Ergebnisse sollen bis Ende 2019 vorliegen und auch
in die Cyber-Sicherheitsstrategie des Landes einfließen.

Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit
Rheinland-Pfalz und aktuelle Vorsitzende der Datenschutzkonferenz, Prof. Dr.
Dieter Kugelmann, betonte: „IT-Strukturen und Patientendaten müssen über eine
ausreichende Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyber-Attacken und einen
angemessenen Schutz verfügen. Präventiver Datenschutz tut not. Andernfalls
drohen Schäden für die Gesundheit und den Datenschutz von Patientinnen und
Patienten und wirtschaftliche Schäden.“

Isabel Münch vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hob
hervor, dass wir mit der zunehmenden Digitalisierung des Lebens angreifbarer
würden und es keine vollständige Sicherheit gebe. Man könne aber mit
Unterstützung des BSI Vorsichtsmaßnahmen treffen. Im konkreten Fall habe das
BSI gemeinsam mit dem Team vom DRK eine Ausbreitung des Angriffs verhindert.
„Cybersicherheit beginnt da, wo IT-Sicherheitsmaßnahmen als Daueraufgabe
begriffen werden“, so ihr Appell.

Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG),
betonte den hohen Stellenwert der IT-Sicherheit in Krankenhäusern, sowohl
hinsichtlich des Schutzes sensibler Patientendaten als auch hinsichtlich des
Schutzes der medizintechnischen Steuerung eines Krankenhauses. Die DKG habe mit
den Krankenhäusern frühzeitig Konzepte für eine gute Absicherung der IT-Systeme
entwickelt und gemeinsam mit den IT-Herstellern einen
Branchensicherheitsstandard formuliert. „Die Umsetzung in unseren Häusern
erfordert allerdings finanzielle und personelle Ressourcen. Allein für
IT-Investitionen bräuchten die Krankenhäuser jährlich ca. 1 Mrd. Euro. Ähnlich
wie das Hygienepersonal-Förderprogramm und das Pflegepersonalförderprogramm
bräuchten wir ein IT-Fachpersonal-Förderprogramm“, so Baum.

„Krankenhäuser müssen nicht nur in die neuen Technologien investieren, sondern
auch in die Eindämmung der damit verbundenen Risiken“ ergänzte der Vorsitzende
der rheinland-pfälzischen Krankenhausgesellschaft, Bernd Decker. Die Aufnahme
von Vorhaben zur Verbesserung der informationstechnischen Sicherheit der
Krankenhäuser als neuen Förderzweck im Rahmen des Krankenhausstrukturfonds sei
ein erster wichtiger Schritt, dem weitere folgen sollten.

Auch der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums und Landesvorsitzende des
Verbands der Krankenhausdirektoren Peter Förster wies auf die unzureichende
Refinanzierung der Sach- und Personalkosten für Maßnahmen der IT-Sicherheit
hin: „Es muss uns nun mit Unterstützung der Politik gelingen, dass uns Kliniken
sehr schnell und unbürokratisch Gelder zur Verfügung gestellt werden, um die
erforderlichen Maßnahmen schnell umzusetzen“. Der Landesverband der
Krankenhausdirektoren beschäftigt sich regelmäßig mit dem Thema. Bei der
diesjährigen Herbsttagung im Oktober werden wir – auch aus aktuellem Anlass –
dieses wichtige Thema im Detail behandeln.“

Zur Minimierung der Risiken durch Cyberangriffe und deren Auswirkungen empfahl
der Bundesverband KH-IT e.V. drei Punkte: Vorbeugung durch Sensibilisierung der
Mitarbeiter, Abwehr durch Einsatz von Technologien wie sogenannte
„Next-Generation-Firewalls sowie einen möglichst zeitnahen Wiederanlauf auf
abgekoppelten Backupsystemen. Auf allen Ebenen müsse das Verständnis wachsen,
dass Digitalisierung und eine optimale IT-Unterstützung der Prozesse im
Krankenhaus nur mit erheblichen Investitionen in Systeme, Sicherheit und
Personal zu erreichen sei.

Quelle: Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz, 14.08.2019

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erschienen am Mittwoch, 14.08.2019
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