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Mini Flow Diverter: Innovatives Verfahren zur Behandlung von Hirnaneurysmata

Mini Flow Diverter: Innovatives Verfahren zur Behandlung von Hirnaneurysmata (Uniklinik Leipzig).

Neuroradiologen am Universitätsklinikum Leipzig setzen als führende Einrichtung innovatives Verfahren erfolgreich ein Die UKL-Neuroradiologen um Prof. Karl-Titus Hoffmann, (r.) und Dr. Ulf Quäschling sind Experten für die Behandlung auch komplizierter...

Neuroradiologen am Universitätsklinikum Leipzig setzen als führende Einrichtung innovatives Verfahren erfolgreich ein Die UKL-Neuroradiologen um Prof. Karl-Titus Hoffmann, (r.) und Dr. Ulf Quäschling sind Experten für die Behandlung auch komplizierter Hirnaneurysmen. Leipzig. Wird ein Aneurysma im Gehirn entdeckt, löst das bei
den Betroffenen immer große Ängste und Sorgen aus. Denn die Aussackungen der Hirnarterien sind gefährlich: Ein Riss führt zu einem Notfall, der das Leben und die Gesundheit
stark gefährdet. Eine vorsorgliche Operation ist daher meist dringend
angeraten. Allerdings gab es diese Möglichkeit bisher nicht für alle Fälle:
Liegt das Aneurysma tiefer im Gehirn, an kleinen, unübersichtlichen oder stark
verzweigten Gefäßen, gilt die Gefäßschädigung als nur schwer und mit hohem
Risiko operierbar. Seit kurzem bieten neue innovative Implantate auch für
Aneurysmen dieser sehr kleinen Gefäße Hoffnung auf einen schonenden und
erfolgreichen Eingriff. Die Neuroradiologen am Universitätsklinikum Leipzig
(UKL) haben diese speziellen Stents bereits 70 mal erfolgreich einsetzen
können. Damit verfügen die Leipziger aktuell über die weltweit größte Erfahrung
bei diesem hochspezialisierten Verfahren.

Die Patientin ist noch etwas blass. Vor drei Tagen wurde ihr Hirnaneurysma am
Universitätsklinikum Leipzig durch einen Eingriff über die Leiste operiert.
Jetzt sitzt die 59-Jährige am Tisch in ihrem Patientenzimmer, in zwei Tagen
kann sie nach Hause. Weniger als eine Stunde dauerte der Eingriff, bei dem die
Neuroradiologen am UKL ihr kompliziertes Aneurysma mit einem selbstentfaltenden
Stent behandelt haben. Dieses kleine Implantat leitet den Blutfluss um und
sorgt dafür, dass die Gefäßaussackung schrumpft und damit die Gefahr eines
Risses veschwindet. "Ich bin froh, dass die Ärzte am UKL mir sehr schnell und
so schonend helfen konnten", sagt die Thüringerin. "Die erste Information war,
es muss offen operiert werden. Da war ich dann sehr froh, als ich erfuhr, dass
es auch anders geht."

Sie ist die 70. Patientin, bei der das Team der Neuroradiologen um Prof.
Karl-Titus Hoffmann dieses Verfahren in den letzten anderthalb Jahren angewandt
haben. "Das war ein typischer Fall, bei dem wir ein eher kleines Aneurysma und
sehr komplexe Gefäßverhältnisse vor uns hatten", erklärt Oberarzt Dr. Ulf
Quäschling. In solchen Situationen galt bisher: In einer stundenlangen
Operation muss der Schädelknochen geöffnet und die Gefäßfehlbildung offen
operiert werden, mit hohem Risiko. Nur in seltenen Fällen konnte ein Eingriff
über die Leiste versucht werden, mit oft unbefriedigendem Ergebnis für die
Betroffenen. Oder es wird zunächst abgewartet, ob sich das Aneurysma
vergrößert. "Für die Patienten sind das keine sehr guten Optionen", ergänzt
Prof. Hoffmann, "denn die Ängste werden nicht kleiner, und wir erleben leider
immer wieder, dass gerade diese kleinen, kompliziert gelegenen Aneurysmen zur
lebensbedrohlichen Blutung führen."

Innovative Implantate helfen
Seit einiger Zeit gibt es nun innovative Implantate, die bei solchen Fällen zum
Einsatz kommen können. Die sogenannten Mini-Flow-Diverter sind kleine,
besonders eng gewebte metallische Gefäßstrümpfe, die in das geschädigte Gefäß
eingeführt werden. Das erfolgt mittels Katheter über einen kleinen Schnitt in
der Leiste. Diese Art von Eingriffen gehört in der Neuroradiologie am UKL zum
Alltag, weit mehr als 200 solcher Interventionen hat das Team um Prof. Hoffmann
und Oberarzt Dr. Quäschling bereits ausgeführt. "Das ist insgesamt eine neue
Qualität in der Behandlung von Aneurysmen, die damit nachhaltig ausgeschaltet
werden können", erläutert Quäschling.
Bei der Aneurysmenbehandlung wollen die Neuroradiologen dem Schlaganfall
infolge einer Blutung zuvor kommen. Das gelingt mit dem Stent, der sich im
Gefäß entfaltet und den Blutfluss so lenkt, dass notwendige Gefäße weiter
versorgt werden, die gefährliche Aussackung aber verödet. Die neuesten Stents
sind dabei so klein, dass sie auch bei tiefliegenden Aneurysmen und
unübersichtlichen Gefäßen angewandt werden können. Die Leipziger behandeln
damit inzwischen viele Patienten, denen an anderen Kliniken keine Hoffnung mehr
gemacht wurde.

Erste Erfahrungen veröffentlicht
Diese Erfahrungen, mit denen sie aktuell weltweit führend sind, haben die
UKL-Neuroradiologen vor Kurzem im "Journal of Neurointerventional Surgery"
veröffentlicht, damals noch am Beispiel der ersten 25 Patienten. Ihr Fazit fast
50 solcher Eingriffe später: Auch bei kleinen Aneurysmen, für die bisher die
Empfehlung galt, nicht zu operieren, ist ein Eingriff eine erfolgversprechende
Option. "Aktuelle Studien zeigen, dass auch diese Aneurysmen reißen und zu
Blutungen führen können, was mit unseren Erfahrungen übereinstimmt", sagt Prof.
Hoffmann. Dann sei es aber oft zu spät, denn im Notfall überleben nur wenig
mehr als zwei Drittel der Patienten, ungefähr ein Drittel mit langfristig
erheblichen Beeinträchtigungen. "Wir können mit den neuen Möglichkeiten viele
Notfälle verhindern", ist der Leiter der UKL-Abteilung für Neuroradiologie
überzeugt. "Für statistisch relevante Belege, dass die Zahl der Blutungen
aufgrund eingerissener Hirnaneurysmen abnimmt, ist es aber noch zu früh, auch
wenn es uns derzeit bei gleichzeitig deutlich steigender Anzahl von behandelten
Aneurysmen so erscheint", meint Hoffmann. Wichtig ist ihm, den Betroffenen Mut
zu machen: "Auch bei scheinbar sehr komplizierten Fällen gibt es die Chance
einer Behandlung, gerade auch dann, wenn es um Aneurysmen geht, die weder mit
den herkömmlichen Katheterverfahren noch mit einer offenen Operation sinnvoll
behandelt werden können", so der Experte.

Entdeckt werden die Gefäßaussackungen fast immer zufällig bei Untersuchungen
aufgrund anderer Erkrankungen. So war es auch bei der Thüringer Patientin, die
jahrelang unter Kopfschmerzen litt. Als deren Ursachen dann im MRT untersucht
wurden, fanden die Ärzte als Zufallsbefund zwei Aneurysmen. In einigen Wochen
wird sie daher wieder zu den Neuroradiologen ins Universitätsklinikum Leipzig
kommen. Dann wird auch das zweite Aneurysma "stillgelegt". Läuft alles wieder
so gut wie beim ersten Mal, werden sie später nur zwei kleine Narben in der
Leiste an diese Eingriffe am Gehirn erinnern.

Quelle: Uniklinik Leipzig, 06.09.2019

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erschienen am Montag, 09.09.2019
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