Rheinland-Pfalz: Hohe Übersterblichkeit im vierten Quartal myDRG Stellenmarkt Gesundheitswesen

« Pandemie-Bewältigung: Bisher 13 Milliarden Euro für Krankenhäuser | Rheinland-Pfalz: Hohe Übersterblichkeit im vierten Quartal | S1-Leitlinie Akute Bewusstseinsstörung jenseits der Neugeborenenperiode »

 

Rheinland-Pfalz: Hohe Übersterblichkeit im vierten Quartal

Erstmals mehr als 49.000 Sterbefälle in Rheinland-Pfalz - Hohe Übersterblichkeit im vierten Quartal (Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz).

Im vergangenen Jahr starben mehr Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer als jemals zuvor in der fast 75-jährigen Landesgeschichte. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, starben 2020 nach einer Auswertung vorläufiger...

Im vergangenen Jahr starben mehr Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer als jemals zuvor in der fast 75-jährigen Landesgeschichte. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, starben 2020 nach einer Auswertung vorläufiger
Zahlen der amtlichen Sterbefallstatistik 49.085 Personen mit Hauptwohnsitz in
Rheinland-Pfalz. Ursächlich ist die dynamische Entwicklung der Corona-Pandemie
vor allem Ende des vierten Quartals, nachdem die Zahl der Verstorbenen im
ersten Halbjahr noch unter dem langjährigen Durchschnitt gelegen hatte.
Insgesamt fiel die Zahl der Sterbefälle 2020 in vier der zwölf Kalendermonate
niedriger aus als im Mittel der Jahre 2016 bis 2019. Das gilt für die ersten
drei Monate des Jahres, die von einem vergleichsweise milden Winter geprägt
waren und in denen die Corona-Pandemie noch keine wesentlichen Auswirkungen auf
die Entwicklung der Sterbefälle zeigte. Das gilt außerdem für den Sommermonat
Juli (minus 3 Prozent), der relativ mild ausfiel, und deshalb vergleichsweise
wenige Todesfälle auf hohe Temperaturen zurückzuführen sein dürften.

Dagegen lag die Zahl der Sterbefälle vor allem in den Monaten November (plus 10
Prozent) und Dezember (plus 29 Prozent) deutlich über dem mehrjährigen
Durchschnitt. Wesentliche Ursache dafür dürfte die zweite Welle der
Corona-Pandemie sein, die bisher sehr viel dynamischer verlief und kräftiger
zuschlug als die erste Welle im vergangenen Frühjahr. Infolge der hohen
Infektionszahlen und des Anstiegs der Todesfälle in Verbindung mit COVID-19
kann im vierten Quartal in Rheinland-Pfalz von einer Übersterblichkeit im
Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gesprochen werden.

Neben dem Pandemiegeschehen hat die demografische Alterung, d. h. die
zunehmende Zahl älterer und hochbetagter Menschen zu einem Anstieg der
Sterbefälle beigetragen. Der Befund einer erhöhten Sterblichkeit bleibt
allerdings auch dann bestehen, wenn die Veränderung der Bevölkerungszahl und
der Wandel in der Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt werden. Das
gilt vor allem für den Dezember 2020, in dem mit 5.325 Rheinland-Pfälzerinnen
und Rheinland-Pfälzern mehr Personen verstarben als in jedem anderen Monat seit
Beginn der elektronischen Datenerfassung der Sterbefallzahlen im Statistischen
Landesamt.

Insgesamt befinden sich unter den mehr als 49.000 Verstorbenen des vergangenen
Jahres 24.334 Frauen (plus 489 bzw. plus 2 Prozent gegenüber 2019) und 24.750
Männer (plus 976 bzw. plus 4,2 Prozent gegenüber 2019). Bei beiden
Geschlechtern fiel die Zahl der Gestorbenen höher aus als im Mittel der Jahre
2016 bis 2019 – bei den Frauen um 3 Prozent, bei den Männern um 4,6 Prozent. Im
Durchschnitt waren die Gestorbenen zum Zeitpunkt ihres Todes 79,4 Jahre alt.
Frauen erreichten mit 82 Jahren ein deutlich höheres durchschnittliches
Sterbealter als Männer (76,7 Jahre).

Der Anstieg der Sterbefallzahlen im Jahr 2020 geht vor allem auf die Gruppe der
80-Jährigen und Älteren zurück, die auch ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko in
Verbindung mit einer COVID-19-Erkrankung hat. Während die Zahl der Sterbefälle
2020 sowohl in der Gruppe der unter 60-Jährigen (minus 1,2 Prozent) als auch in
der Gruppe der 60- bis unter 80-Jährigen (minus 1,3 Prozent) geringer ausfiel
als im mehrjährigen Durchschnitt, lag die Zahl der Gestorbenen unter den
80-Jährigen und Älteren erkennbar höher (plus 7,5 Prozent). Das gilt
insbesondere für das vierte Quartal 2020, in dem die Zahl der Gestorbenen unter
den 80-Jährigen und Älteren um mehr als ein Fünftel über dem Durchschnitt der
vier Vorjahre lag (plus 22 Prozent). Im Dezember 2020 waren es sogar knapp zwei
Fünftel mehr (plus 39 Prozent). Eine erhöhte Sterblichkeit kann zum Jahresende
aber auch für die beiden anderen Altersgruppen festgestellt werden. Bei den
unter 60-Jährigen lag sie im vierten Quartal um 3 Prozent über dem Durchschnitt
der Vorjahre (Dezember 2020: plus 10 Prozent) und bei den 60- bis unter
80-Jährigen um 4,2 Prozent (Dezember 2020: plus 15 Prozent).

Regional nahm die Entwicklung der Sterbefallzahlen einen sehr unterschiedlichen
Verlauf. Gemessen an der Einwohnerzahl starben 2020 die meisten
Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer in der kreisfreien Stadt Pirmasens
(1.740 Sterbefälle je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner), die wenigsten in
der Landeshauptstadt Mainz (928 Sterbefälle je 100.000 Einwohnerinnen und
Einwohner). Zu beachten ist, dass die unterschiedliche regionale Entwicklung
der Sterbefälle grundsätzlich auch auf die unterschiedliche Alters- und
Geschlechtsstruktur der Bevölkerung zurückzuführen ist.

Das höchste Durchschnittsalter zum Zeitpunkt des Todes erreichten
Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer im Landkreis Ahrweiler (80,7
Jahre). Damit wurden die Einwohnerinnen und Einwohner dieses Landkreises rund
zweieinhalb Jahre älter als die Einwohnerinnen und Einwohner des
Donnersbergkreises, die im Durchschnitt mit 78,1 Jahren verstarben.

Insgesamt fiel die Zahl der Sterbefälle in fünf kreisfreien Städten und in zwei
Landkreisen niedriger aus als im Mittel der Jahre 2016 bis 2019. Am günstigsten
entwickelte sich die Zahl der Sterbefälle in der kreisfreien Stadt Zweibrücken
(minus 5,8 Prozent), am ungünstigsten dagegen im Rhein-Pfalz-Kreis, in dem 2020
gut 13 Prozent mehr Verstorbene als im mehrjährigen Mittel gezählt wurden. Im
vierten Quartal 2020 fiel die Zahl der Sterbefälle gegenüber den Vorjahren nur
noch in vier kreisfreien Städten sowie in zwei Landkreisen niedriger aus. Am
niedrigsten war sie auch in diesem Zeitraum in der kreisfreien Stadt
Zweibrücken (minus 14 Prozent). In den meisten kreisfreien Städten und in den
meisten Landkreisen fiel sie am Jahresende aber deutlich höher aus. Am
stärksten nahmen die Sterbefälle zwischen Oktober und Dezember 2020 im
Rhein-Pfalz-Kreis zu (plus 39 Prozent).

Die Entwicklung der Sterbefallzahlen in den kreisfreien Städten und Landkreisen
im vierten Quartal 2020 steht in einem positiven Zusammenhang mit der Zahl der
bestätigten COVID-19-Infektionen sowie der Zahl der Todesfälle in Verbindung
mit COVID-19. Der statistische Zusammenhang ist aber nicht perfekt. So nahm die
Zahl der Sterbefälle 2020 gegenüber dem mehrjährigen Durchschnitt in den
Landkreisen – gemessen an der Einwohnerzahl und relativ betrachtet – stärker zu
als in den kreisfreien Städten (plus 4,6 gegenüber plus 1,4 Prozent). Umgekehrt
wurden in den Landkreisen bisher aber weniger Infektionen und Todesfälle in
Verbindung mit einer COVID-19-Infektion je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner
gemeldet als in den kreisfreien Städten.

Die aktuell rückläufigen COVID-19-Infektionszahlen schlagen sich noch nicht in
den vorläufigen Daten der amtlichen Sterbefallstatistik nieder. Da zwischen
Erkrankungsbeginn und Todeszeitpunkt in Verbindung mit einer COVID-19-Infektion
in der Regel ein Zeitverzug von mehreren Tagen bzw. Wochen liegen kann, ist
dies frühestens für den Berichtsmonat Februar zu erwarten.

Die Ergebnisse dieser Pressemitteilung zu den Sterbefallzahlen 2016 bis 2020
beruhen auf einer Sonderauswertung der täglichen Meldungen der Standesämter an
die Statistischen Ämter der Länder. Sie sind noch nicht endgültig
plausibilisiert und aufgrund des zu erwartenden Meldeverzugs seitens der
Berichtsstellen möglicherweise noch nicht vollständig. Deshalb sind die
Ergebnisse vorläufig. Abweichungen gegenüber den endgültigen Ergebnissen, wie
sie für die Berichtsjahre bis 2019 bereits vorliegen, können sich insbesondere
für kürzer zurückliegende Berichtszeiträume ergeben.

Für die Berechnungen wurden darüber hinaus die Ergebnisse der Statistik der
Sterbefälle, der laufenden Bevölkerungsfortschreibung sowie Daten des Robert
Koch-Instituts zu den bestätigten Todesfällen, die mit einer
COVID-19-Erkrankung in Zusammenhang stehen, herangezogen. Weiterführende
Informationen zur Entwicklung der Corona-Pandemie in Rheinland-Pfalz inklusive
methodischer Hinweise zur Aussagekraft der verwendeten Daten sind unter
https://www.statistik.rlp.de/de/corona/aktuelle-entwicklung/ verfügbar.

Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, 02.02.2021

- - - - - - - -



erschienen am Mittwoch, 03.02.2021