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Fast 60% der Deutschen leiden unter einer neurologischen Erkrankung

Fast 60% der Deutschen leiden unter einer neurologischen Erkrankung (Deutsche Gesellschaft f. Neurologie).

Neurologische Erkrankungen stellen in der EU die dritthäufigste Ursache von Behinderungen und vorzeitigen Todesfällen dar. In Europa und auch in Deutschland sind fast 60% der Bevölkerung von einer neurologischen Erkrankung...

Neurologische Erkrankungen stellen in der EU die dritthäufigste Ursache von Behinderungen und vorzeitigen Todesfällen dar. In Europa und auch in Deutschland sind fast 60% der Bevölkerung von einer neurologischen Erkrankung betroffen. Die Prävalenz wird wahrscheinlich mit der fortschreitenden Alterung der Gesellschaft weiter zunehmen. Die
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) fordert von der Gesundheitspolitik, die Versorgungsstrukturen
entsprechend zu stärken und Präventionsprogramme auf den Weg zu bringen. Denn
die Zahlen zeigen auch, dass eine gute neurologische Versorgung wirksam ist und
die Zahl der verlorenen Lebensjahre für jeden einzelnen Patienten reduzieren
kann.

Pressemitteilung zum Download

Neurologische Erkrankungen haben einen großen und zunehmenden Anteil an der
weltweiten Gesundheitslast, dies zeigte die GBD („Global Burden of
Diseases“)-Studie bereits 2016. Die Aufschlüsselung der Daten, inwieweit diese
Last national und regional variiert, ist notwendig, um die Gesundheitspolitik
auf drohende Entwicklungen aufmerksam zu machen, Versorgungsstrukturen
auszubauen und mit Präventionsstrategien dagegen anzuarbeiten.

Die Bevölkerung der EU ist älter als die anderer Regionen und somit auch
generell vulnerabler. In der am Mittwoch publizierten Studie in „Lancet Public
Health“ wurde die neurologische Krankheitslast in der EU mit der von ganz
Europa und der Welt verglichen. Die Studie wurde von der „European Academy of
Neurology“ (EAN) beauftragt. Die Krankheitslast wird durch Inzidenz, Prävalenz,
Mortalität und durch Behinderung verlorene Lebensjahre
(DALYs/„disability-adjusted life-years“, diese Maßzahl addiert die durch
Mortalität verlorenen Krankheitsjahre und die Jahre mit krankheitsbedingt
verminderter Lebensqualität) angegeben. Analysierte Erkrankungen waren M.
Alzheimer und andere Demenzformen, Epilepsien, Kopfschmerzen (Migräne und
Spannungs-kopfschmerz), Multiple Sklerose, M. Parkinson, maligne Hirntumoren,
Motoneuronerkrankungen (z. B. Amyotrophe Lateralsklerose/ALS), Infektionen des
Nervensystems und Schlaganfälle.

Im Jahre 2017 litten in der EU 307 Mio. Menschen an mindestens einer
neurologischen Erkrankung. Dies entspricht 60% der Bevölkerung (512,4 Mio.).
Die Gesamtzahl der DALYs, die auf das Konto neurologischer Leiden gehen, liegt
bei 21 Millionen in der EU und bei 41,1 Millionen im gesamten europäischen
WHO-Gebiet (dieses Gebiet umfasst viel mehr Länder als das EU-Gebiet, daher ist
die absolute Zahl höher https://www.euro.who.int/de/countries). Insgesamt
verstarben in der EU 1,1 Million Menschen an neurologischen Erkrankungen und
1,97 Millionen im Europäischen WHO-Gebiet. Damit stehen in der Statistik
neurologische Erkrankungen an dritter Stelle nach kardiovaskulären Erkrankungen
und Krebserkrankungen; sie machen in der EU 13,3% aller DALYs und 19,5% der
Gesamttodesfälle aus. In der EU waren die drei häufigsten DALY-Ursachen
Schlaganfälle, Demenz und Kopfschmerzen. Die Krankheitslast durch neurologische
Erkrankungen war in Europa bei Männern größer als bei Frauen; der Altersgipfel
lag bei 80-84 Jahren – und sie variierte im Europäischen WHO-Gebiet und in den
Ländern erheblich.

„Die Prävalenz neurologischer Erkrankungen ist hoch – die hohe Zahl hat uns
selbst überrascht – und sie wird aufgrund des demografischen Wandels weiter
ansteigen“, erklärt Studienautor Prof. Dr. Günther Deuschl, Seniorprofessor an
der Universität Kiel. „Wir können an der Studie zahlreiche Trends erkennen:
Einige Krankheiten nehmen ab, wie etwa die Hirnentzündungen, aber die sowieso
schon häufigen Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, M. Alzheimer, M. Parkinson)
nehmen quantitativ zu. Bemerkenswert ist, dass die Krankheitslast für den
Einzelpatienten für einige Erkrankungen aber abnimmt.“ Das beste Beispiel ist
der Schlaganfall (Zeitraum: 1990-2017): In der EU ist es zu einer Reduktion der
DALYs für den Einzelpatienten um 54% gekommen. Dies dürfte v.a. durch
verbesserte Prävention und durch Fortschritte der neurologischen Therapien
(Stroke Units) bedingt sein. Die Patientenzahl ist aber wegen der Zunahme
älterer Menschen um 25% gewachsen. „Die Daten legen nahe, dass neurologische
Versorgung und Prävention wirksam sind und stellen ein klares Signal dafür da,
für alle neurologischen Erkrankungen bessere Krankheitsversorgung und Forschung
zu etablieren“, so Deuschl.

„Die Prävalenz neurologischer Erkrankungen wird aufgrund der Veränderungen der
Altersstruktur in Deutschland und Europa weiter zunehmen – darauf müssen wir
uns einstellen. Die Versorgungsstrukturen müssen daher entsprechend ausgebaut
und die Forschung gestärkt werden“, so das Fazit von Prof. Dr. Peter Berlit,
Generalsekretär der DGN, aus den aktuellen Daten. „Da die Erkrankungszahlen
weiter steigen, ist es von besonders hoher Bedeutung, gemeinsam mit den
Gesundheitsbehörden effektive Präventionsprogramme auf den Weg zu bringen. Dem
trägt die DGN mit einer speziellem Kommission zu dieser Thematik Rechnung“.

[1] Deuschl G, Beghi E, Fazekas F et al. The burden of neurological diseases in
Europe: an analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. Lancet Public
Health 2020; 5: e551–67
https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(20)30190-0/fulltext

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Pressekontakt
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o albersconcept, Jakobstraße 38, 99423 Weimar

Tel.: +49 (0)36 43 77 64 23
Pressesprecher:Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
E-Mail: presse@dgn.org

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen
Verantwortung, mit ihren über 10.000 Mitgliedern die neurologische
Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu verbessern. Dafür fördert
die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der
Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die
DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist
Berlin. www.dgn.org

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Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. med. Christian Gerloff
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Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930,
E-Mail: info@dgn.org

Quelle: Deutsche Gesellschaft f. Neurologie, 07.10.2020

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erschienen am Donnerstag, 08.10.2020
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