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Bei fehlenden Erlösen müssen Kliniken bald auch personelle Konsequenzen ziehen

Bei fehlenden Erlösen müssen Kliniken bald auch personelle Konsequenzen ziehen (Pressemitteilung).

Mitgliederversammlung des Klinikverbunds Hessen diskutiert die Folgen der Pandemie für die Krankenhäuser und das Personal. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Klinikverbunds Hessen e. V. am 18.03.2021 wurde die aktuelle Situation...

Mitgliederversammlung des Klinikverbunds Hessen diskutiert die Folgen der Pandemie für die Krankenhäuser und das Personal. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Klinikverbunds Hessen e. V. am 18.03.2021 wurde die aktuelle Situation in den öffentlichen Krankenhäusern diskutiert. Dort seien die Fallzahlen
im Jahr 2020 und bisher auch im Jahr 2021 gegenüber den Vorjahren um bis zu 30 Prozent zurück gegangen. Ursache sei zum einen die notwendige und vom Land Hessen vorgegebene Vorhaltung von Betten für
die Behandlung von COVID-Erkrankungen. Aber auch Kliniken, in denen keine oder
nur wenige COVID-Fälle behandelt werden, wie beispielsweise psychiatrische
Einrichtungen, könnten aufgrund der Hygiene und Abstandsregeln gegenüber den
Vorjahren nur noch 80 bis 85 Prozent der Patientinnen und Patienten versorgen.
„Aufgrund der fallbezogenen Vergütung fehlen uns Kliniken damit Einnahmen in
erheblichem Umfang. Andererseits haben wir zum Beispiel zusätzliches Personal
für die Corona-Testungen eingestellt, wodurch die Kosten steigen“ erläutert
Clemens Maurer, Vorstandsvorsitzender des Klinikverbunds Hessen. Die als
Rettungsschirm vorgesehenen Ausgleichszahlungen gebe es nur für einen Teil der
Häuser unter bestimmten Voraussetzungen und reichten meist nicht aus.

Die Versorgung der Bevölkerung auf einem hohen medizinischen Niveau müsse in
den Krankenhäusern des Klinikverbunds Hessen auch unter wirtschaftlichen
Gesichtspunkten erfolgen. „Die meisten öffentlichen Krankenhäuser sind
Unternehmen, deren Geschäftsführer und Vorstände der wirtschaftlichen
Betriebsführung verpflichtet sind und unsere kommunalen Träger können Verluste
nicht auf Dauer ausgleichen“, stellt Clemens Maurer, Vorstandsvorsitzender des
Klinikverbunds Hessen fest. Bei sinkenden Einnahmen müssten zwangsläufig Kosten
eingespart werden, was bei Krankenhäusern vor allem personelle Konsequenzen
bedeute. Allerdings gebe es da nur wenige Spielräume, denn vor allem das
Pflegepersonal werde gebraucht und trage – trotz verminderter Belegung –
weiterhin die Hauptlast der Versorgung von COVID-Erkrankten. Die dort
beschäftigten Menschen seien nach dem zurückliegenden Corona-Jahr ohnehin an
der Belastungsgrenze.

„Dem kann nur durch einen vollständigen Ausgleich der pandemiebedingten
Erlösverluste entgegengewirkt werden“, erklärt Achim Neyer, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender des Klinikverbunds Hessen. Der derzeit vom
Bundesgesundheitsministerium vorgelegte Verordnungsentwurf sehe dagegen auf
Druck der Krankenkassen nur einen verminderten Ausgleich für das Jahr 2021
gegenüber 2019 vor. Zudem seien Verluste aus anderen Bereichen als der
unmittelbaren Patientenversorgung nicht berücksichtigt.

„Wir brauchen auch eine längerfristige Planungssicherheit, denn die Pandemie
wird nicht so bald vorbei sein“, ist Neyer überzeugt. Die bestehende Regelung
immer nur um einige Wochen zu verlängern sei dazu nicht dienlich.

Auch die verzögerten Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen trügen zur
finanziellen Unsicherheit bei. „Die meisten Krankenhäuser im Klinikverbund
Hessen haben noch nicht einmal ein Budget für das Jahr 2020 verhandeln können
und in einigen Fällen musste die Schiedsstelle angerufen werden“, erklärt
Reinhard Schaffert, Geschäftsführer des Klinikverbundes Hessen. Strittig sei
mit den Krankenkassen insbesondere die Finanzierung der Pflege, obwohl diese im
besonderen Maße durch die Behandlung der COVID-Erkrankten belastet sei. Die
Ausgaben der Krankenkassen für die Krankenhäuser im Jahr 2020 gegenüber 2019
seien nach eigenen Angaben des Spitzenverbandes der Gesetzlichen
Krankenversicherung trotz Pandemie nur moderat um 1,5 Prozent gestiegen, was
lediglich der Hälfte der durchschnittlichen Steigerungen der letzten Jahre
entspreche. „Applaus alleine reicht nicht! Die Krankenkassen hatten bei den
Krankenhäusern durch die Pandemie offensichtlich weniger Ausgaben, als
üblicherweise erwartet. Dass sie sich gerade jetzt vor allem bei den
Pflegepersonalkosten so sperren, ist nicht gerade ein Zeichen von Wertschätzung
für die Arbeit der Menschen in der Pflege und im Krankenhaus insgesamt“, meint
Schaffert.

Dagegen habe das Land Hessen und das Hessische Ministerium für Soziales und
Integration die Kliniken im Rahmen seiner Möglichkeiten mit großem Engagement
unterstützt und sich auf Bundesebene für die Krankenhäuser eingesetzt. Auch bei
der Koordination der COVID-Versorgung sowie anderen Themen der
Krankenhausversorgung und Krankenhausplanung sei das Ministerium aktiv geworden
und habe die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern gesucht, um die
Versorgungsstrukturen zu verbessern. „Dafür danken wir Herrn Minister Klose und
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ministerium ausdrücklich“, so Maurer.

Der Klinikverbund Hessen werde sich weiterhin auf allen Ebenen der Politik für
eine ausreichende Finanzierung der Krankenhäuser und konstruktive
Weiterentwicklung der Versorgung einsetzen.

Quelle: Pressemitteilung, 19.03.2021

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erschienen am Freitag, 19.03.2021