Krankenhausreform: Marktwirtschaftler fordern Monistik, Zentralisierung und mehr Wettbewerb mydrg.de

« Insolvenzgefahr der Krankenhäuser durch Preisbremse nicht gebannt | Krankenhausreform: Marktwirtschaftler fordern Monistik, Zentralisierung und mehr Wettbewerb |





monetization_on

Krankenhausreform: Marktwirtschaftler fordern Monistik, Zentralisierung und mehr Wettbewerb

Kronberger Kreis fordert Reform der Krankenhausversorgung und präsentiert Studie [PDF, 653 kB] (Stiftung Marktwirtschaft).



Um den Mitteleinsatz in der Krankenhausversorgung in Deutschland zu verbessern sowie die Resilienz und Agilität des Systems zu erhöhen, fordert der wissenschaftliche Beirat der Stiftung Marktwirtschaft eine Zentralisierung der
Krankenhausplanung, eine monistische Krankenhausfinanzierung sowie eine Stärkung des Krankenhauswettbewerbs.


-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

„Die Tatsache, dass die Krankenhausversorgung in Deutschland den enormen
Belastungen in der Corona-Pandemie im internationalen Vergleich relativ gut
standgehalten hat, ist leider nicht auf eine vorausschauende Planung und ein
effizientes Versorgungssystem zurückzuführen. Stattdessen ist die
Krankenhausversorgung hierzulande hochgradig reformbedürftig“, betont Prof. Dr.
Dr. h.c. Lars P. Feld. Der Sprecher des Kronberger Kreises führt aus, dass
insbesondere institutionelle Fehlanreize in den Bereichen Krankenhausplanung,
-finanzierung und -wettbewerb dazu geführt hätten, dass zu viele
Krankenhausbetten vorgehalten würden, es zu viele kleine Krankenhäuser gäbe und
die Krankenhausinvestitionen zu gering seien. Gewisse Überkapazitäten trügen
zwar zu einer stärkeren Krisenresilienz bei, deren Planung sollte aber im
Rahmen grenzüberschreitender Vereinbarungen auf europäischer Ebene erfolgen.

„In der bisherigen Krankenhausversorgung fehlt es an einer funktionsfähigen
Abstimmung zwischen Regulierung und Wettbewerb“, hebt Prof. Dr. Heike
Schweitzer hervor. Die Krankenhausplanung sollte sich daher in Zukunft strikt
darauf beschränken, die Eckpfeiler einer Mindest- (und womöglich einer
Höchst-)versorgung festzulegen. Unter Berücksichtigung lokaler Besonderheiten
sollte dies idealerweise auf Bundesebene geschehen, fordert der Kronberger
Kreis. „Über die Ausgestaltung der Krankenhausversorgung im Übrigen sollte der
Wettbewerb entscheiden – vor allem dort, wo keine Versorgungslücken auftreten“,
betont Schweitzer.

Auch die dezentrale und zugleich duale Finanzierung der Krankenhäuser trage
entscheidend zur Fehlversorgung bei, wie Prof. Dr. Berthold Wigger ausführt:
„Da die Länder ihrer Verantwortung für die Finanzierung der
Krankenhausinvestitionen nur unzureichend nachkommen, versuchen die
Krankenhäuser mit zusätzlichen Fallzahlen Deckungsbeiträge für die Finanzierung
von Investitionen zu generieren. Das löst starke Anreize aus, viele
Krankenhausbetten vorzuhalten und zugleich die Kosten der Pflege am Bett
möglichst gering zu halten. Im Ergebnis werden nicht nur zu viele Betten
vorgehalten, sondern diese auch belegt und in der Pflege tendenziell
unterversorgt.“ Der Kronberger Kreis fordert, zu einer monistischen
Finanzierung in der Krankenhausversorgung überzugehen, sodass Anreize
verringert würden, mit zusätzlichen Behandlungsfällen Deckungsbeiträge für
ansonsten unterfinanzierte Krankenhausinvestitionen zu erzielen.

Trotz der großen Unterschiede, die Gesundheitsdienstleistungen zu anderen
Gütern aufwiesen, könne die Krankenhausversorgung durch mehr Wettbewerb
verbessert werden. Mehr Preis- und Qualitätswettbewerb ließe sich
gewährleisten, wenn Krankenkassen mehr Möglichkeiten hätten, die
Krankenhauswahl ihrer Versicherten zu beeinflussen. In einem gewissen Rahmen
sei dies durch Selektivverträge möglich, bei denen Krankenversicherungen ihren
Versicherten Vorgaben machen, welche Krankenhäuser sie in Anspruch nehmen
können, und so Patientenströme lenken. Zudem erläutert Prof. Dr. Justus Haucap:
„Der Wettbewerb zwischen Krankenhäusern steigert nachweislich die
Behandlungsqualität. Ein wichtiger Baustein zum Schutz dieses Wettbewerbs ist
die Fusionskontrolle, die für Krankenhäuser den Anreiz zu Innovation,
Investition und Behandlungsqualität erhält, da Patienten auf andere
Krankenhäuser ausweichen können. Statt der gegenwärtigen partiellen
Ausschaltung der Fusionskontrolle im Krankenhaussektor, brauchen wir also eine
stärkere Fusionskontrolle.“

Quelle: Stiftung Marktwirtschaft, 10.10.2022

Anzeige: ID GmbH
Anzeige