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BARMER-Krankenhausreport 2022

BARMER-Krankenhausreport 2022 - Konzentration stationärer Leistungen möglich (Download, PDF, 1,4 MB).



Zehntausende Patientinnen und Patienten in Deutschland könnten von mehr Qualität bei Hüft-, Knie- und Herzoperationen profitieren und vor Gelegenheitschirurgie bewahrt werden. Dabei müssten sie nur geringfügig längere Fahrzeiten zur Klinik in Kauf nehmen. Das geht aus dem aktuellen Krankenhausreport
der BARMER hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Darin wurde für fünf Prozent der Hüft- und Knieoperationen sowie für drei Prozent der Herzinfarkteingriffe geprüft, ob sie sich von Standorten mit der
geringsten Routine an Kliniken mit höheren Fallzahlen verlagern lassen. Dort
haben die Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal in der Regel eine höhere
Expertise. Bereits bei diesen niedrigen Schwellenwerten könnten pro Jahr
mindestens 18.000 der insgesamt mehr als 500.000 Hüft- und Knie-OPs an anderen
Standorten durchgeführt werden, ohne dass sich die Fahrzeit für die Patienten
deutlich verlängert. Analog ließen sich von den rund 400.000 Eingriffen am
Herzen über 8.000 verlagern. Durch höhere Schwellenwerte könnten sogar noch
deutlich mehr Eingriffe an Kliniken mit mehr Expertise erfolgen, ohne dass die
Erreichbarkeit darunter leide. „Auch vor der angestrebten Reform der
Krankenhausversorgung können bereits heute durch die konsequente Verlagerung
von Operationen in Kliniken mit mehr Erfahrung und besserer Ausstattung
Qualität und Patientensicherheit deutlich erhöht werden. Diese Potenziale gilt
es jetzt im Sinne der Patienten konsequent zu heben“, sagte Prof. Dr. med.
Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER. Mit einer tiefgreifenden
Reform der Krankenhausversorgung samt Neuausrichtung der Krankenhausplanung
wären darüber hinaus systematische bedarfs- und qualitätsorientierte
Konzentrationsprozesse im Sinne der Patienten umsetzbar.

Kliniken mit viel Erfahrung in 40 Minuten erreichbar
Immer noch gebe es in Deutschland viele Kliniken, die in einzelnen
Leistungssegmenten nur sehr wenige Behandlungen pro Jahr durchführten.
Exemplarisch habe der Krankenhausreport zwei Bereiche analysiert, nämlich die
Endoprothetik und Osteosynthese an Knie und Hüfte sowie die Kardiologie und
Kardiochirurgie zur Behandlung des Herzinfarkts. Für die Berechnungen seien
Eingriffe hypothetisch aus den Krankenhäusern mit wenigen Fallzahlen in solche
mit höheren Fallzahlen verlagert worden. Im Anschluss hätten die Autoren des
Reports die Fahrzeiten der Patienten bestimmt. Laut den Ergebnissen ließen sich
die Hüft- und Knieeingriffe von 192 Standorten mit unter 187 Eingriffen pro
Jahr verlagern, ohne dass maßgeblich längere Anfahrtswege entstünden. Lediglich
bei 76 Kliniken wäre dies nicht möglich. Ähnlich zeichne sich das Bild bei den
Eingriffen am Herzen ab. Hier ließen sich Eingriffe von 137 Krankenhäusern ohne
spürbar längere Anreisen verlagern. Lediglich bei 74 Kliniken wäre dies nicht
machbar. „Die Verlagerung von Operationen hat nur einen geringfügigen Einfluss
auf die Fahrzeiten. Dem stehen erwartbare Qualitätssteigerungen in der
Behandlung gegenüber. Wo immer eine Verlagerung möglich ist, sollte sie daher
erfolgen. Unsere Berechnungen haben dabei berücksichtigt, dass sich die
Fahrzeit für niemanden auf über 40 Minuten erhöht“, sagte der Autor des
Krankenhausreports, Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs
„Gesundheit“ am RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Verlagerung vor allem in NRW, Bayern, Hessen und Stadtstaaten
Laut dem Krankenhausreport sind die Potenziale zur Verlagerung von Operationen
regional sehr unterschiedlich. Besonders in Ballungszentren
Nordrhein-Westfalens, Bayerns und Hessens sowie in den Stadtstaaten können ohne
Probleme viele Eingriffe verlagert werden, weil zahlreiche andere Häuser in
relativ geringer Distanz vorhanden sind. In Mecklenburg-Vorpommern,
Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen stellt sich die Situation hingegen
anders dar. Aufgrund der geringeren Klinikdichte seien hier Verlagerungen nur
begrenzt möglich. „In manchen Bundesländern gibt es weniger Potenzial für
Verlagerungen. Aber auch hier kann die Qualität der Versorgung signifikant
verbessert werden. Die BARMER hat in ihrem
10-Punkte-Papier zur sektorenübergreifenden Versorgung einige Vorschläge
gemacht, wie auch in diesem Fall die Versorgung optimiert werden kann“, sagte
Straub. Dabei gehe es um regionale Versorgungszentren, in denen ortsnah sowohl
die ambulante Behandlung als auch die Grund- und Notfallversorgung
gewährleistet werde. Komplexe chirurgische Eingriffe sollten dagegen in
größeren Kliniken erfolgen, in denen Ärztinnen und Ärzte sowie das
Pflegepersonal die nötige Expertise für solche Operationen hätten. Die
Verlagerung von Eingriffen an diese Standorte wäre ein wichtiger Schritt hin zu
mehr Versorgungsqualität, so BARMER-Chef Straub. Dabei verstehe die BARMER
ihren Report als einen Impuls für weiterführende Diskussionen über den
Konzentrations- und Spezialisierungsprozess im stationären Sektor.

Quelle: Pressemitteilung, 08.09.2022

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